Interview mit Thomas Muster von Shakra

Zweieinhalb Jahre, nachdem Sänger John Prakesch SHAKRA verlassen hat, melden sich die Schweizer Hard Rocker mit ihrem neuen Album „High Noon“ zurück. Mit an Bord ist wieder ihr alter Sänger Mark Fox. Lest in unserem Interview, was Gitarrist Thomas Muster über die Trennung von John, die Wiedervereinigung mit Mark und das neue Album zu sagen hat!

Hey Thomas, schön wieder von dir und SHAKRA zu hören! Mit „High Noon“ erscheint dieser Tage euer zehntes Album! Hättest du damit gerechnet, als ihr 1998 euer Debütalbum veröffentlicht habt?
Nöö, ehrlich gesagt überhaupt nicht. Ich meine, natürlich nimmt man sich nicht vor, nach zwei, drei Alben gleich wieder das Handtuch zu werfen, aber dass es dann tatsächlich mal zehn Alben sind, ist eigentlich schon erstaunlich. Insbesondere wenn man bedenkt, dass wir auch mehr als einmal vor einem Scherbenhaufen standen! Aber es fühlt sich cool an, ich denke, ich darf zu Recht ein klein wenig stolz darauf sein. Quatsch, ich bin sogar stolz wie Anton!

Die offensichtlichste Veränderung mit „High Noon“ ist, dass Mark Fox wieder am Mikro steht, weil John die Band verlassen hat. Auch wenn das jetzt eine alte Sache ist: Kannst du uns noch einmal erklären, warum John gegangen ist?
Eigentlich nicht so wirklich. Klar, John hat sich in eine völlig andere Richtung entwickelt in den letzten Jahren. Aber was da noch alles mitgespielt hat bei ihm … ich weiß es echt nicht. Und ich musste es schlussendlich auch gar nicht im Detail wissen. Er klang damals, als er uns seine Entscheidung eröffnet hat, absolut überzeugt von dem, was er sagte. Möglicherweise hat er sich das alles auch einfach etwas zu einfach vorgestellt. Ich meine, in einer Band spielen hat natürlich viel zu tun mit Fun, klar, aber es bedeutet eben auch eine ganze Menge Arbeit. In meinem Fall mehr oder weniger rund um die Uhr. Und da war er offenbar nicht bereit, mehr zu investieren. Aber das ist ok, jeder wählt den Weg selber, den er gehen will.

Es wurde nach seinem Abgang einige Zeit sehr still um euch und manch einer spekulierte schon, ob das eventuell das Ende der Band hätte werden können. War das eine berechtigte Sorge?
Ja, ich denke schon. Ich zumindest wollte die Gitarre tatsächlich eine Zeit lang an den berühmten Nagel hängen. Für mich gab’s die Option „Sänger Nummer vier“ schlicht nicht. Das hätte sehr wohl funktionieren können, aber es hätte sich für mich komplett falsch angefühlt. Thom [Blunier, Leadgitarre] hatte zwar bereits kurz nach Johns Ankündigung damit begonnen, nach einem neuen Sänger zu suchen. Wie weit er damit gekommen ist, wüsste ich nicht mal. Mir jedenfalls wurde irgendwann klar, dass wenn es irgendwie weitergehen könnte, müsste es mit Mark [Fox] sein. Ich spürte irgendwie, dass der Zeitpunkt gekommen war, wo man sich zusammensetzen und mit der nötigen Distanz über alles reden kann.

SK_HN_P01In unserem letzten Interview aus dem Jahr 2013 hast du mir gesagt, dass ihr euch mit Mark am Ende überhaupt nicht mehr verstanden habt. Wie kommt es, dass ihr euch jetzt wieder zusammenrauft? Sicherlich hätte es auch andere Sänger gegeben, die zu euch gepasst hätten …
Möglicherweise hätte es den gegeben, ja. Und vielleicht hätten wir ihn aus den USA einfliegen lassen müssen. Oder nur aus Hamburg oder was weiß ich woher. Und vielleicht wäre er nach zwei Alben wieder abgehauen. 20 km entfernt von mir hingegen lebt einer, der diese unverwechselbare Stimme hat. Einer, von dem ich immer wusste, dass SHAKRA sieben Jahre lang auch sein Leben war. Einer zwar auch, mit dem ich in der Vergangenheit massiven Ärger hatte. Nur: Ich wollte herausfinden, ob sich diese Probleme von früher nicht lösen lassen. Chris von Rohr von Krokus hat mich mal angerufen und meinte nur: Wenn wir, Krokus, das geschafft haben, dann werdet auch ihr das schaffen. Und so war es denn auch.

Wie lief denn die Zusammenarbeit für das neue Album mit Mark? Hat es sofort wieder funktioniert oder musstet ihr euch langsam aneinander herantasten?
Nun, klar mussten wir erst mal über all die Dinge reden, die früher schiefgelaufen sind. Und das war so einiges. Von beiden Seiten her. So etwas funktioniert nur, wenn beide Seiten bereit sind, sich früher gemachte Fehler auch selber einzugestehen. Nun, wir haben ein paar Stunden gequatscht, ein paar Tage später nochmals und dann sagten wir: Komm, lass uns einfach mal ’nen Song zusammen ausprobieren. Ich hatte zu dem Zeitpunkt „Hello“ bereits als Demo zuhause aufgenommen. Also bin ich damit zu Fox gefahren und er hat die Gesangslinie, die ich im Kopf hatte, draufgesungen. Und da war er wieder: der Spirit, den wir früher auch hatten. „Hello“ klang einfach geil, genau so wie ich mir das vorgestellt hatte und so wie’s eben nur mit Marks Stimme möglich ist! „Hello“ war sozusagen die Initialzündung, danach hab ich laufend neue Ideen aufgenommen, hab fast Tag und Nacht gearbeitet. Also man kann sagen, wir haben uns eigentlich recht schnell wieder verstanden.

Was hat sich für euch bei den Arbeiten am neuen Album verändert im Vergleich zu den beiden vorigen mit John?
John lebte eben nicht ganz in unserer Ecke hier in der Schweiz. Wollten wir also an neuen Songs arbeiten, mussten wir das schon genau planen. Schlussendlich haben wir dann vielleicht mal drei, vier Tage am Stück gefunden, wo wir arbeiten konnten. Nur um dann wieder ein paar Wochen warten zu müssen auf die nächste Gelegenheit. Mit Mark lief das ganz anders. Da er eben ganz in meiner Nähe lebt, konnten wir ein Jahr lang ganz nach Belieben an den Songs arbeiten. Für mich ist das sehr wichtig. Wenn ich eine neue Idee habe, möchte ich die sofort ausprobieren, nicht erst ein paar Wochen später. Ansonsten war eigentlich von der Arbeitsweise her alles wie immer.

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Habt ihr euch vorgenommen, jetzt etwas mehr old school zu klingen, wo Mark wieder dabei ist? Oder machte das beim Songwriting keinen großen Unterschied für euch?
Das hat sich ganz automatisch so ergeben. Es war klar, dass es mit Fox wieder eher so in die Everest, Infected-Richtung gehen würde. Etwas weniger Metal, dafür mehr Rock’n’Roll. Das ist schließlich genau das, was Mark am besten drauf hat. Schlichte Rock-Songs mit einer gehörigen Portion Dreck!

Im März geht es für euch auf Tour durch die Schweiz, einige wenige Deutschland-Daten stehen aber auch schon. Plant ihr eine längere Touraktivität für das neue Album?
In Deutschland werden wir sicher noch eine Tour spielen, aber vermutlich erst im Herbst. Auch in Spanien und Frankreich stehen ein paar Sachen an. Wir können es kaum erwarten, die Songs von High Noon endlich auf die Bühne zu bringen!

Shakra - High NoonHat der Titel des Albums „High Noon“ für euch eine tiefere Bedeutung?
„High Noon“ heisst ja auch ein alter Western. Und der Ausdruck wird gebraucht als Metapher für Aussagen wie „Die Stunde der Wahrheit“ oder „Die Stunde der Entscheidung“ was natürlich von diesem Film herkommt, genauer dem Duell am Schluss des Streifens. Nun, für mich bedeutet der Titel einfach, hier geht’s um alles oder nichts, jetzt oder nie, ganz oder gar nicht. „High Noon“ ist nicht einfach ein weiteres SHAKRA-Album, sondern das SHAKRA-Album. Hier geht’s um was Großes, um was Wichtiges für uns, und genau das soll der Titel aussagen.

Das Cover kriege ich allerdings so gar nicht in eine Beziehung zu dem Album gesetzt. Hilfst du mir da auf die Sprünge?
Dann schau dem Vögelchen tief in die Augen lacht. Dann merkst Du, dass es hier um was Wichtiges geht. Ansonsten hätten wir auch ein Schmusekätzchen abbilden können lacht! Abgesehen davon sieht das Cover einfach geil aus, und das ist immer noch das Wichtigste!

Zum Abschluss ein kurzes Brainstorming:
Gloryhammer
: Klingt nach ’ner Band, oder? Kenn‘ ich nicht, aber könnte etwa wie Hammerfall klingen….?
Newcomer der letzten Jahre: Keine Ahnung, bin schlecht informiert.
Eurovision Song Contest: Musikalisch nix für mich, aber die Lightshow dort ist jeweils gigantisch. Hätte ich auch gerne mal! lacht Ist trotzdem Bullshit.
Flüchtlingskrise in Europa: Die kann ich leider nicht lösen, dummerweise die Politiker offenbar auch nicht. Klar ist für mich: Europa wird sich verändern.
Bestes Album 2015: Rush R40 live. Das Beste: Ich war bei der Show in Toronto live dabei! lacht

Thomas, vielen Dank für deine Zeit! Noch irgendwelche abschließenden Worte?
Danke ebenfalls! Wir freuen uns, endlich wieder live unterwegs zu sein! See you all!

Publiziert am von Marc Lengowski

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