
Hallo Tristan und vielen Dank für deine Zeit. Mit „Oceans“ seid ihr von Pride & Joy zu Scarlet Records gewechselt. Welche Vorteile bringt das organisatorisch oder auch künstlerisch für euch mit und wie hat es die Entstehung des Albums beeinflusst?
Wir wollten mit diesem Album einen neuen Meilenstein in unserer Geschichte setzen und unsere Bekanntheit nochmal deutlich steigern, deshalb haben wir nach einem Labelpartner gesucht, der sich mehr in punkto Werbung für die Bands engagiert. Scarlet Records ist auf diesem Gebiet ein echtes Powerhouse. Das Label hat uns tatsächlich schon vor einiger Zeit kontaktiert und Interesse bekundet. Einige mit uns befreundete Bands sind ebenfalls dort unter Vertrag und als wir uns mit den Labelmanagern dieses Jahr auf dem Epic Fest persönlich getroffen haben, haben wir uns endlich auf einen Deal geeinigt. Bisher sind wir sehr zufrieden mit der Zusammenarbeit!
Wie würdest du eure Entwicklung seit „Beyond The Borders“ selbst beschreiben?
„Beyond The Borders“ war sehr experimentell, was die Songstrukturen angeht, weil es wie ein Musical aufgebaut ist. Mit dem aktuellen Album wollten wir etwas mehr in die kommerzielle Richtung gehen und einfachere, leichter zugängliche Songs schreiben. Es ist mir allerdings nicht komplett gelungen, weil ich immer etwas Ausgefallenes und spezielle Elemente in die Songs einbauen muss. Sonst ist es mir einfach zu langweilig (lacht)
„Beyond The Borders“ wurde von Jacob Hansen gemixt, diesmal war Eike Freese verantwortlich. Warum habt ihr bei „Oceans“ euch für ihn entschieden?
Wir hatten es diesmal sehr eilig mit der Produktion, weil wir unbedingt noch dieses Jahr releasen wollten. Die meisten Mischer in dieser Preisklasse muss man allerdings schon ein Jahr im Voraus anfragen, da sie meistens volle Terminkalender haben. Zum Glück hat es sich ergeben, dass ich über Tim [Hansen, Sänger, Anm. d. Red.] von INDUCTION, die auch gerade ihr Album bei Eike produziert haben, erfuhr, dass er spontan einen Zeitslot für uns frei hätte. Ein großer Vorteil lag natürlich auch darin, dass er sein Studio hier in Hamburg hat und es somit einfacher war, sich persönlich zu treffen und die Feinheiten des Mixes herauszuarbeiten.
Die albenumspannende Geschichte um „Atlantica“ dürfte mit „Beyond The Borders“ abgeschlossen sein, oder? Beginnt ihr mit „Oceans“ eine neue, größere Geschichte oder erzählt eher jeder Song seine eigene Geschichte?
Möge man meinen, wegen der klassischen Trilogie-Struktur. Allerdings hatte die Geschichte in „Beyond The Borders“ ein relativ offenes Ende. Die Protagonisten konnten den Piraten und Bösewichten entkommen und den Weg nach Atlantica finden. Was danach passiert, war allerdings noch unklar. In „Oceans“ wird die Geschichte weitererzählt und es spielen auch Figuren aus der bisherigen Geschichte eine tragende Rolle, also wird es wohl mindestens auf einen Sechsteiler hinauslaufen (lacht)

Woher kommt die Begeisterung für Piraten, Seefahrt und das Wasser? Welche Vorbilder oder Inspirationsquellen haben das Album und dich beeinflusst?
Zunächst haben wir hier oben im Norden natürlich die Nähe zu den beiden Meeren, ich habe auch als Kind sämtliche Urlaube am Meer verbracht. Hinzu kommt auch noch, dass ich aus einer Seglerfamilie stamme. Also es gab immer mindestens ein Familienmitglied mit einem Segelboot, das mich dafür begeistert hat, in See zu stechen und ich hab jetzt schon einige Seereisen hinter mir. Da nimmt man natürlich einiges an Inspiration mit.
Unterhalb des Piraten- und Seefahrergimmicks – welche Themen behandeln deine Texte diesmal noch?
Wie immer verbergen sich unter den Fantasie- und Abenteuergeschichten, die hier offenkundig erzählt werden, zum großen Teil persönliche Geschichten und Emotionen, die ich in den Songs verarbeite. Da möchte ich aber nicht zu sehr ins Detail gehen.
Immer mehr Bands vermarkten ihre Alben mit Images, gerade im Power Metal fällt das mehr und mehr auf. Ist es ohne Image, ohne Kostüme und optisch herausstechende Merkmale heutzutage schwer, nicht in der Masse unterzugehen?
Ich fürchte, ja. Wie neulich wieder jemand zu mir sagte – „Image ist alles“. Es wird heutzutage leider, vor allem jetzt durch die absurde Potenz von KI, inflationär viel Musik produziert. Jeden Monat erscheinen zig neue Power-Metal-Alben – die mögen gut oder schlecht sein, aber kein Mensch kann sich das ja alles anhören. Deswegen brauchst du schon ein gewisses Alleinstellungsmerkmal, um im Gedächtnis zu bleiben.

Für eure Videos zu „Land Of Submarines“ und „Hoist The Sail“ habt ihr in einem U-Boot und auf einem Schiff gedreht – und offensichtlich viel Spaß gehabt. Wie wichtig sind euch solche atmosphärischen Drehorte und der gemeinsame Spaß als Band, auch über die Musik hinaus?
Extrem wichtig! Der Dreh im U-Boot war der beste überhaupt. Wenn du so eine ausgefallene Location hast und dann auch noch in diesen Outfits – dann fühlst du es einfach viel mehr und hast direkt eine ganz andere Energie. Ich hatte vor dem Dreh nur zwei Stunden geschlafen und dachte, das wird ein furchtbarer Tag. Aber weil die Location so aufregend war, habe ich dann vergessen, dass ich müde bin. Das hat man auch beim „Hoist The Sail“-Dreh gemerkt. Das Video haben wir größtenteils im Studio vor Greenscreen gedreht, manche Szenen aber auch tatsächlich auf dem Schiff. Die Szenen auf dem Schiff haben natürlich viel mehr Spaß gemacht. Ich wünschte, wir hätten alles dort gedreht.
„Carribean Shores“ erinnert an die vielen Party-Songs, die gerade im Power und Folk Metal zuletzt immer beliebter wurden, wirkt aber nicht plump auf Gaudi ausgelegt wie viele andere Genrevertreter. Wie ist der Song entstanden, was war deine Intention dahinter?
Danke! Ich bin kein großer Freund von Party-Songs. Die Grundidee war, einmal wegzukommen von den meist eher düsteren Gewässern, auf denen wir uns – jedenfalls den Covern nach zu urteilen – bewegen und einmal eine Auszeit auf einer sonnigen Insel zu nehmen. Eigentlich wollten wir dazu auch ein passendes Musikvideo am Strand drehen, aber das hat das Budget leider nicht hergegeben.
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Bei uns wird es immer herbstlicher und kälter – wärst du in der kalten Jahreszeit lieber in der warmen Karibik und hast du dort eine Lieblingsdestination? Was begeistert dich allgemein an der Karibik?
Ich mag den Herbst sehr gerne. Der ist immer so schön melancholisch und mystisch. Da kommt man auf gute Songideen. Ich möchte aber generell auf jeden Fall möglichst bald die Karibik besuchen, weil ich noch nie dort war und sie auf meiner Bucketlist steht. Das hat vermutlich mit meiner Begeisterung für die „Monkey Island“- und natürlich „Fluch der Karibik“- Reihe zu tun. Ich stelle es mir dort einfach paradiesisch vor. Vielleicht stimmt das aber auch nicht. Muss ich selbst gesehen haben. (lacht)
Während „Hoist The Sail“ einen WIND-ROSE-Touch versprüht, klingt „To The Realm Of Gods” deutlich nach SABATON – sowohl instrumental als auch wegen den Chören und dem knurrigen Backgroundgesang im Refrain, der an Joakim erinnert. Zeigst du deine musikalischen Einflüsse manchmal ganz bewusst so direkt? Und welche Haupteinflüsse würdest du generell für „Oceans“ nennen?
Das ist richtig. „Hoist The Sail“ sollte eigentlich ein Song im Still von WIND ROSE werden, weil ich Bock drauf hatte. Rausgekommen ist dann aber am Ende doch irgendwie was anderes. Ich denke, man kann bei den meisten meiner Songs die Einflüsse ziemlich gut raushören, da möchte ich auch kein Geheimnis draus machen. Schwer zu sagen, was diesmal die Haupteinflüsse waren, da es ziemlich viele sind. Ich würde sagen, auf jeden Fall waren die alten EDGUY, die ersten beiden AVANTASIA-Alben und Luca Turilli, bzw. RHAPSODY große Einflüsse.
Bei „Through The Water And The Waves” ist IRON-SAVIOR-Sänger Piet Sielck zu hören. Wie kam es dazu und wie lief die Zusammenarbeit?
Wir brauchten für den Song einen Sänger mit einer etwas raueren Stimme, weil der Song einer der härteren auf dem Album ist. Das war nicht so einfach, weil die meisten Power-Metal-Sänger, die wir kennen, eher softer singen. Wir sind dann auf Piet gekommen, weil er zum einen auch aus Hamburg kommt und auch weil wir über Dawid [Wieczorek, Gitarrist, Anm. d. Red.] von früher Kontakt zu ihm herstellen konnten. Er hat auf jeden Fall mächtig abgeliefert! Der Stimmklang ist genau der, nach dem wir gesucht haben und er bringt den charakteristischen IRON-SAVIOR-Sound mit rein.
Ihr geht zusammen mit VICTORIUS auf Tour, nachdem ihr 2022 bereits mit ihnen als Support für die GRAILKNIGHTS unterwegs wart. Wie kam das Tourpackage jetzt zustande?
Das ist die erste Headliner-Tour für VICTORIUS und da wir mittlerweile schon des Öfteren zusammen gespielt haben und es immer für uns Alle ein Highlight war, hat sich das relativ von alleine ergeben, dass wir wieder als Support mitkommen.

Bei welchem neuen Song oder welchem Part freust du dich schon ganz besonders drauf, das bei der Tour live zu spielen?
Es gibt drei Songs, die ich so geschrieben habe, dass das Publikum live den Seemannschor übernehmen kann: „Hoist The Sail“, „Through The Water And The Waves“ und „Where My Brothers Await“. Das läuft dann immer so, dass ich eine Zeile singe und dann kommt als Antwort der Chor vom Publikum. Das stelle ich mir richtig geil vor, wenn dann alle zusammen mitgrölen. Ich hoffe, sie kennen bis dahin den Text.
Mit eurem eigenen Festival „Port Of Power“ habt ihr ein besonderes Projekt gestartet. Welche Bedeutung hat das für euch, und wie sehen die Pläne für die kommenden Jahre aus?
Das Festival haben wir mit dem Hintergedanken ins Leben gerufen, dass es ja in Hamburg, dem Geburtsort des Power Metal, auch ein vernünftiges Power-Metal-Festival geben sollte. Ziel dabei ist es, die Community zu stärken und natürlich Kontakte zu anderen Bands zu knüpfen. Organisatorisch ist das alles allerdings natürlich mal wieder schwieriger als gedacht und deshalb sind wir mittlerweile schon dazu übergegangen, das ganze nur alle zwei Jahre statt jedes Jahr zu veranstalten. Also mal sehen, wann wir es das nächste Mal schaffen.
Wenn du einen Song von „Oceans“ auswählen müsstest, der für dich die Essenz des Albums am besten verkörpert – welcher wäre das, und warum?
Ich würde sagen „Hoist The Sail“, weil er am meisten den Ruf des Abenteuers verkörpert und in mir und hoffentlich allen, die ihn hören, das Verlangen erweckt, in See zu stechen und die Welt zu erkunden.
Nochmals vielen Dank für deine Zeit! Die letzten Worte gehören dir.
Gerne! Dann möchte ich mich an dieser Stelle auch bei allen Fans bedanken, die uns bisher mit dem Kauf von Merch und dem Besuch von Konzerten unterstützt haben! Die Veranstaltungsbranche für kleinere Konzerte und Festivals macht gerade eine schwere Zeit durch. Dieses Jahr mussten einige Festivals aufgrund von zu geringen Vorverkaufszahlen abgesagt werden. Also kauft euch rechtzeitig Tickets, Leute! Sonst kann der Underground nicht überleben! Meddl on!
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Dieses Interview wurde per E-Mail geführt.
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