Interview mit Terrorgruppe

Nachdem sie 2004 ihre Instrumente an den Nagel gehängt hatte, ist die TERRORGRUPPE seit 2014 wieder zurück auf den Bühnen der Welt. Mit „Tiergarten“ hat sie im Januar 2016 ihr erstes Studioalbum seit dem 2003 erschienenen „Fundamental“ vorgelegt und zeigt sich darauf stark vom Garagensound der 60er Jahre beeinflusst. Bei ihrem Tourstart in München sprachen wir mit der Berliner Punklegende unter anderem über die Rolling Stones, die aktuelle Punkszene, Livealbenkonzepttourneen und die Schwierigkeiten des Alterns.

Terrorgruppe_Logo


Noch vor Beginn des Interviews spricht Zip Schlitzer aufgrund des Namens metal1.info die gerade aktuellen rassistischen Entgleisungen von Phil Anselmo an. Schließlich kommt auch das Video von Rob Flynn von Machine Head und seine Abrechnung mit rassistischen Tendenzen im Metal auf.
Zip Schlitzer:
Man hat richtig gesehen, dass es ihm schwer gefallen ist, am Ende zu sagen, dass er mit dieser Szene nix mehr zu tun haben will.
MC Motherfucker: Sehr interessant sind ja auch die Kommentare unten drunter, wenn dann da steht „Ja, was ist denn da so falsch dran, dass man proud ist?“, und so Mist.
Zip Schlitzer: Und genau deswegen fand ich das auch sehr cool von ihm, dass er das gemacht hat. Sehr konsequent.

Heute kam ja dann doch so ne halbgare Pseudo-Entschuldigung, dass er so etwas nie wieder machen wird, nachdem er vorher noch meinte, er müsse sich für gar nichts entschuldigen…
Johnny Bottrop: Ja, das ist halt so Hollywood-mäßig.
Zip Schlitzer: Naja, du siehst es ja: Wenn jetzt die Festivals anfangen, deswegen Auftritte seiner Bands zu canceln, dann steht er halt dumm da? Auf einmal ist er halt keine coole Sau mehr, sondern einfach nur noch ein Arschloch.
Eros Razorblade: Was macht man jetzt mit seinen Pantera-Platten?
Zip Schlitzer: Die musst du halt jetzt kaputt machen.
Johnny Bottrop: Verbrennen.
MC Motherfucker: Naja, du kannst dir einmal im Monat noch heimlich „Walk“ anhören, weil die Nummer ist zu gut dafür, dass man sie nicht mehr anhört. (alle lachen)
Zip Schlitzer:
Das ist halt einfach ein typisch amerikanischer Redneck, die sind halt so. Die finden das geil, mit Kalaschnikows auf Blechdosen zu schießen, Monster Truck zu fahren und fahren auf Silikontitten ab.

Terrorgruppe 01

Dann lasst uns doch jetzt über die angenehmen Sachen reden und nicht über die bekloppten Menschen dieser Welt. Wie geht es euch derzeit und was macht das Tourleben mit euch?
MC Motherfucker: Wir sind noch frisch, das ist ja jetzt der erste richtige Gig auf der Tour. Wir hatten bisher nur im Januar so ein bisschen Vorgeplänkel, zwei Auftritte und unsere Plattentaufe. Das lief alles super. Wir haben sogar in Potsdam wieder ein erfolgreiches Konzert gespielt, was für uns eigentlich die verbotene Stadt ist.
Johnny Bottrop: In Potsdam hatten wir wirklich die schlechtesten Konzerte von unseren ganzen Touren. Immer. Aber das war diesmal richtig gut.
MC Motherfucker: Insofern: Wir sind frisch.
Johnny Bottrop: Ich nicht. Für mich ist Touren ja immer so ein bisschen wie Urlaub. Ich bin immer am ersten Tourtag total wasted, total fertig und übermüdet, und mach dann meinen chillaxing Wellness-Urlaub 2016 auf der Tour. Das heißt, ich werde mich die ganze Zeit ausruhen, nur auf der Bühne dann zwei Stunden…
Eros Razorblade: Ausruhen. (alle lachen)
Johnny Bottrop:
Ja, mega ausruhen, mich nicht bewegen, schlafen…

Die Musik vom Band spielen lassen am besten.
Johnny Bottrop: Genau.
Zip Schlitzer: So ne Fußreflexzonen-Massage vielleicht? (alle lachen)

Ich hab das kurze Video zu eurem Konzert im Astra in Berlin gesehen, da war es offensichtlich ausverkauft, so wie es da zuging, oder?
MC Motherfucker: Nicht ganz, aber es war dann schon so, dass man ab 1400 Leuten besser keine mehr hätte rein lassen sollen, weil 1600 sind zu viel. Da stehen dann zu viele Leute im Foyer.
Johnny Bottrop: Wenn man da bis zur vollen Kapazität reinlässt, dann können viele einfach nix mehr sehen.
MC Motherfucker: Aber es war auf jeden Fall sehr erfolgreich, ein guter Start.

Wie läuft der Vorverkauf denn generell auf der Tour?
MC Motherfucker: Unterschiedlich, manchmal ist es ein bisschen mauer.
Johnny Bottrop: Heute gar nicht gut, leider.
MC Motherfucker: Ja, München ist ’n bisschen schwierig diesmal, wir haben noch nicht ganz eruiert, warum.
Johnny Bottrop: Sag du uns, warum? Wir haben hier in München teilweise weniger Tickets verkauft als in sogenannten bayerischen Provinzstädten.
Eros Razorblade: Das letzte Mal in München im Backstage war es ja schon recht voll, da waren schon 500, 600 Leute da.
MC Motherfucker: Kann ja mal vorkommen, vielleicht sind auch zu viele Konzerte derzeit. Aber das wird sicher trotzdem cool.
Johnny Bottrop: Ja, also ich erhol mich nur auf der Bühne, aber das wird super heute. Also bis auf meine Leistung.
Kid Katze: Ist ja auch egal, ob da zehn Leute oder zehntausend stehen. (Alle lachen)

Terrorgruppe_Dem deutschen VolkeWie setzt sich denn das Publikum zusammen im Vergleich zur Zeit vor eurer Auflösung 2004?
MC Motherfucker: Es kommen viele Leute, die uns damals auch immer gesehen haben, die erkenne ich auch wieder. Es sind aber auch ganz viele dabei, die uns nie vorher gesehen haben, die damals zu spät dazu gekommen sind. Das ist eine ganz interessante Mischung, auf jeden Fall. Also man merkt dann im Publikumsverhalten nicht mehr ganz genau, wer neu und wer alt ist, aber es mischt das Publikum gut durch.
Johnny Bottrop: Es kommen unglaublich viele Leute zu unseren Konzerten, die genau in dem Moment, als wir aufgehört haben, live zu spielen, auf unsere Musik gestoßen sind und jetzt sagen „Oh Mann, ich hab euch zehn Jahre lang gehört und jetzt kann ich euch endlich live sehen!“
MC Motherfucker: Und das Lustige ist, die sind auch schon teilweise eher ältere Leute. Ist ja auch schon ein bisschen her. (lacht)

Habt ihr damit gerechnet, als ihr überlegt habt, wie es wohl sein wird, wenn ihr wieder live spielt?
MC Motherfucker: Mein negativer Hintergedanke war immer, dass das Publikum jetzt vielleicht schon zu alt ist. Ich hab ja auch in der ganzen Zeit, in der wir nicht live gespielt haben, Punkrockkonzerte verfolgt und den Eindruck bekommen, dass die Punkcrowd leider ein bisschen langweiliger wird, dass da nicht mehr so viel getanzt wird und es nicht mehr so abgeht. Das hat sich dann aber 2014 bei unserem Comeback genauso eingepegelt, wie es vorher war: Viel Bewegung auf den Konzerten und die Leute gehen sehr ab. Das war dann schon zufriedenstellend, dass die Angst da unbegründet war, zum Glück. Aber es ist bei vielen Punkbands leider der Fall, dass die die Leute nicht mehr wirklich in Bewegung bekommen.

Spannend, dass du das sagst, weil sich ja in den letzten Jahren im Punkbereich in Deutschland schon viel getan hat, mit Bands wie KMPFSPRT, Captain Planet und Adam Angst, beispielsweise. Was ist eure Meinung zu solchen Bands, die die Punkfahne in eurer Abwesenheit hochgehalten haben?
MC Motherfucker: Das ist ein ganz großer Grund dafür, dass wir uns wieder gegründet haben. Wir können mit total viel von dem Zeug nichts mehr anfangen. Ich nenne das immer gerne degenerierter Punk; da hat sich ne neue Riege Bands gegründet, die diesen Background aus den 70ern, der uns ausmacht, nicht mehr haben. Für die sind es die 80er und 90er und sie können die Ingredienzen des Punks nicht mehr so wiedergeben, wie uns das wichtig ist. Wir waren Teenager und Kinder in den 70er Jahren und das war für uns ein ganz anderes Gefühl. Die Bands waren damals auch anders. Man ist einfach mit einem anderen Hintergedanken da ran gegangen. Mir fehlt viel von diesen Nihilismus und dem, was Punk für mich damals ausgemacht hat. Daher war dann relativ klar, dass wir wieder eine Platte machen wollen, um Musik zu machen, wie wir uns das vorstellen.
Johnny Bottrop: Mir persönlich fehlen viele Melodien. Die Bands, die Energie und Drive haben und auch gut nach vorne metern, denen fehlt oft einfach ’ne gute Hook. Die Bands, die viel Melodie haben, die driften ab ins Karnevals- und Volksmusik-mäßige. Und die Bands, die versuchen so 90’s-Punk zu machen, Skatepunk und so, die sind halt oft so…. ich nenne das gerne Sachbearbeiter-Punk. Die singen dann sehr sachlich über Sachen, so zeigefingermäßig und sehr bemüht. Und genau so eine Zeit mit so ähnlichen Szenen und Sachen gab es 1993 in der deutschen Hardcore- und Punkszene, als wir uns gegründet haben. Die Hardcoreszene war damals so bemüht und moralisierend und hatte zwar große Härte, aber keine guten Hits. Und dann gab es unglaublich viel Sauf- und Rauf- und Kirmespunk, Funpunk halt. Aber es gab nix, was einfach Punk-Punk war, oder coole Lieder oder so. Oder zumindest zu wenig.
Zip Schlitzer: Ich kann mich da an nix erinnern. (lacht)
MC Motherfucker:
Auch so Ingredienzen wie Nihilismus, Minimalismus, Dadaismus, wo Leute auch mit der Sprache spielen und sich nicht nur verklausulieren, weil das ja cool ist, wenn man sich nicht so packen lassen kann. Aber gerade dieses Dadaistische, auch wenn es unbedingt albern klingt – das hat schon seinen Grund, warum das früher Punk war und warum Bands das gemacht haben. Das war einfach ein großer Einfluss. Und ich hab festgestellt, wenn wir das heute machen, dann sagen alle „Das ist doch albern!“ Ich mein, hallo, darf man denn nicht albern sein? „Ja, aber ihr seid doch viel zu alt!“ (Alle lachen) Ich glaube, als Ernst Jandl dadistische Aufnahmen und Texte gemacht hat, da war der locker 60.

Terrorgruppe - TiergartenIst das auch ein Grund, weswegen ihr den Coversong „Immer besser“ auf „Tiergarten“ gepackt habt?
MC Motherfucker: Ja, auf jeden Fall. Als wir die Lieder für das Album geschrieben haben, haben wir festgestellt, dass uns dieses ganz einfache Ding fehlt. Wir dachten schon, wir können das gar nicht mehr, weil wir so detailliert mit Musik umgehen und schon so lange gemeinsam Musik machen und schon gucken, dass eine Songstruktur sehr rund, sehr detailliert und fein ist. Die Ironie in unseren Texten ist ja auch schon sehr weit fortgeschritten, die ist nicht mehr so holzhammermäßig wie in den 90ern. Da haben wir halt einfach mal drauf gehauen und das mal ausprobiert. Und jetzt wissen wir halt, was wir tun. Und dann kam diese Nummer um die Ecke von Berlin Diskret, die uns das von sich aus angeboten haben, ob wir das covern wollen. Und das war die einfachste Nummer, die die hatten, aber genau das hat mich an der Nummer gepackt; das war das, was auf unserer Platte noch gefehlt hat. Der Text ist halt grandios, weil er das sagt, was sich alle denken: Das wird ja immer besser, ich bin in der Gesellschaft angekommen, ich ess jetzt auch schon mit Gabel und Messer. Ich fand das so genial, da muss man auch einfach nicht mehr dazu sagen, da wäre jedes Wort zu viel und doof, erklärend, bemüht – genau so passt es doch, das reicht! Eine Nummer, fünf Wörter, oder was das hat, und es reicht.

Ich habe gestern nochmal „Fundamental“ angehört, die im Vergleich zu „Tiergarten“ musikalisch ziemlich düster und schwermütig klingt, zumindest stellenweise. War das dieses Mal bewusst so, dass ihr – auch durch das Keyboard – weg von diesem bedrückenden Sound wolltet?
MC Motherfucker: Das Grundkonzept dieses Comebacks war ein Gespräch, das wir hatten, in dem wir herausgefunden haben, dass zu diesen Protopunkzeiten, oder Vorpunkzeiten, diese 60er-Garagenmusik unglaublich gut funktioniert hat. Und da war die Orgel ein ganz wichtiges Sound-Add-On. Auf „Tiergarten“ ist das dieser Style. Die Orgel ist genau an dieses Konzept angelehnt, das wir gesucht haben, um auch unseren alten Liedern einen neuen Anstrich zu geben. Wir wussten ja, dass wir im Grund genommen auf Stones-Riffs komponieren. Gerade, wenn Johnny Lieder schreibt: Such bei den Stones und du findest immer das Vorbild dafür.
Johnny Bottrop: Unbewusst. Das war nämlich so, dass ich damals immer vier Mal am Tag die Singles-Compilation der Stones gehört habe und das ist in mein Gehirn reingezogen.
MC Motherfucker: Und da war dann eben die Frage, warum man das nicht konsequenter verfolgen soll. Soundästhetisch war das auf jeden Fall ein ganz wichtiger Punkt.

Ihr habt also ganz bewusst gesagt, dieser Sound ist geil, wen holen wir uns dazu, um dieses Album aufzunehmen?
MC Motherfucker: Genau. Wir hatten ein paar Demos gemacht, also Grundgitarrenriffs und ich hab Gesangsmelodien ausprobiert und so etwas, und das lag auf meiner Festplatte. Als wir dann gesagt haben, gut, das Material ist schlüssig, jetzt können wir anfangen, da haben wir erst mal überlegt, wer jetzt in die Band kommen soll, wer da dazu passt, dass man die Band wieder hinkriegt und das Sinn macht und man nicht untereinander lange diskutieren und streiten muss, wo es hingeht. Deswegen wurden die letzten zwei Bandmitglieder auch gar nicht bedacht, weil die stilistisch einfach in eine andere Richtung gehen. Zusätzlich war es so, dass wir nah an der alten Besetzung bleiben wollten, daher dann auch mit Zip.
Zip Schlitzer: Dem alten Zip. (lacht)

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Wie hat sich das dann angefühlt nach den ganzen Jahren wieder gemeinsam Songs zu schreiben, wieder gemeinsam Musik zu machen und gemeinsam auf der Bühne zu stehen?
Zip Schlitzer: Für mich war es ja sogar noch ein bisschen länger als für die anderen, ich war ja 2001 schon draußen. Als Archi mich gefragt hat, hab ich sofort „Ja“ gesagt und mich dann zwei Wochen gefragt, warum ich eigentlich Ja gesagt hab. (Alle lachen) Jetzt musste ich die ganze Scheiße wieder machen. Aber genau dann haben alle um mich herum, mit denen ich durch Jobs und Musik zu tun hatte, die alle sehr viel jünger sind als ich, angefangen mit Sachen wie „Terrorgruppe war immer so cool und schade, dass es euch nicht mehr gibt.“, und ich durfte ja nix sagen, das war ja noch alles geheim. Und ich hab mich schon gefragt, warum die denn ausgerechnet jetzt damit ankommen, die kennen mich doch schon ein bisschen länger. Aber so ging das die ganze Zeit, und da dachte ich mir: Gut, vielleicht soll es so sein.
MC Motherfucker: Und dann ging die Proberei los. Wir haben da schon sieben Monate vor den ersten Konzerten angefangen, weil ich ja zum Beispiel zehn Jahre gar nix gemacht hab und erst mal wieder lernen musste, wie man ’ne Gitarre hält und meine Stimme wieder auf Vordermann bringen musste. Am Anfang war das dann noch ganz locker, einmal in der Woche einfach zum Spaß, aber die Taktung wurde dann immer wilder und im Mai 2014 kamen dann die ersten Warm-Up-Shows, weil wir uns nicht völlig nackt aufs Ruhrpott-Rodeo auf die Headlinerposition stellen wollten und dann so „Ups.“ (lacht) Die Shows waren dann sofort ausverkauft, innerhalb von zwei Wochen die erste, die zweite hat dann nochmal vier Wochen gebraucht. Und bis kurz davor hab ich dauernd gedacht, oh scheiße, jetzt musst du das wieder machen und der Rücken tut mir weh von der Kack-Gitarre nach ’ner Stunde. Ich hab ja auch erst mal wieder trainiert, damit ich auch wieder fit bin, eineinhalb oder zwei Stunden live zu spielen. Aber nach den zwei Shows war es dann so, dass ich mir endlich gedacht hab, okay, es funktioniert wieder. (lacht)

Ihr habt „Tiergarten“ ja extrem früh angekündigt, im März oder April letztes Jahr, also fast ein ganzes Jahr vor dem Release.
MC Motherfucker: Ja, wir mussten das machen.

Terrorgruppe 04Hattet ihr fast ein Jahr vorher schon alle Songs geschrieben und aufgenommen oder war das eher so „okay, wir machen ein Album und das wird so heißen und so ausschauen“?
MC Motherfucker: Der Rahmen des Albums stand fest, die erste von zwei Aufnahmesessions war da gespielt, wir haben „Tiergarten“ ja komplett live eingespielt. Wir wussten auch, was für Material da drauf kommen wird.
Johnny Bottrop: Aber die zweite Hälfte war noch nicht recorded.
MC Motherfucker: Aber wir musste das so früh ankündigen wegen des Covers. Das ist eine WikiMedia Common Lizenz, da gab es Rechtstreite drüber, weil der Fotograf, auf dessen Apparat sich dieses Bild letztlich befunden hat, mit Wiki noch einen Urheberrechtsstreit hatte, den er schon zweimal verloren hatte. Und wir haben uns gedacht, das Cover ist so geil, dieser Affe… Du guckst halt ständig auf diesen Affen und wir wussten gleich, das müssen wir nehmen, wie der fies guckt, das passt so gut zu uns, ICH WILL DAS HABEN! Und ich mein, das kann jeder nehmen momentan, wenn du ’ne Tasse bedrucken willst damit, kannst du machen, hat ja keiner die Rechte dran.
Zip Schlitzer: Der Affe hat das ja selber gemacht, das Recht würde theoretisch beim Affen liegen.
Eros Razorblade: Aber es gab jetzt ein Gerichtsurteil, dass Affen kein Recht an einem Foto haben.
Johnny Bottrop: Und jetzt hat niemand das Urheberrecht. Ein Affe ist keine juristische Person mit Urheberrechten und Ähnlichem. Und deswegen mussten wir so früh in die Vorankündigung, weil wenn das jemand anders nimmt, ist es weg.
MC Motherfucker: Wenn du in den Vorverkauf gehst, dann ist das in jedem Onlineportal drin und andere Bands überlegen sich drei Mal, ob sie das nochmal klauen wollen. Das wäre ja ein bisschen billig. Das war der ganze Hintergrund dahinter. Aber Bands können das jetzt auch noch als Cover hernehmen. Also Leute, wenn ihr wollt, bitte – aber wir waren die ersten. (lacht)

Dafür, dass es so früh angekündigt wurde, ist die Promophase ja doch recht kurz ausgefallen.
MC Motherfucker: Naja, wir haben das angekündigt und dann ein bisschen Promogeplänkel gemacht und immer, wenn wir Zeit dazu hatten, haben wir normale Promo gemacht.
Johnny Bottrop: Eine normale Menge an Interviews, schöne Filmchen…
MC Motherfucker: Wir hatten auch keine Zeit, richtig Promo zu machen, weil wir mit Produzieren beschäftigt waren und die „Blechdose“-Tour machen mussten…
Zip Schlitzer: Genau, wir mussten! (lacht)
MC Motherfucker:
Naja, wir wollten die machen müssen. (lacht) Nein, das war ein schönes Warmspielen auf jeden Fall.

Terrorgruppe_BlechdoseWie war denn diese Tour für euch, auf der ihr euer altes Livealbum am Stück gespielt habt und wie ist das überhaupt zustande gekommen? War das einfach zum Spaß und als Aufwärmen gedacht?
Zip Schlitzer: Naja, es hatte mehrere Gründe. Erstmal physisch, weil das ja recht lang war, „Blechdose“ ist ja eine sehr lange Scheibe.
MC Motherfucker: Also ich hatte die Grundidee, dass wir im September einfach mal was anderes machen sollten. Ein paar kleine Clubs buchen und eine Mottotour über irgendein Album. Ich hatte damals „Melodien für Milliarden“ vorgeschlagen, das ist so ein Basisalbum. Und dann meinte Bottrop: „Lass uns doch die Liveplatte spielen!“
Johnny Bottrop: Ich hasse Mottotouren… aber so hat man dann halt gleich ein Greatest-Hits-Set und ’ne ganze Platte abgedeckt.
MC Motherfucker: Und dann meinte er so „Da muss man eh nicht proben, das haben wir ja schon alles geprobt.“ Und wir so, wow, welche Band hat schon mal ’ne Mottotour zu ’ner Liveplatte gemacht? Keine! Und dann kam ich um die Ecke und meinte, aber wenn wir das schon machen, dann muss das schon so aussehen, dass wir auch die Originalansagen machen. Und dann ging der Scheiß los.
Johnny Bottrop: Bis dahin war alles lustig. Wir dachten uns, wir verarschen den Rockzirkus hier, was weiß ich, Pink-Floyd-Coverband spielt Wish You Were Here, Patti Smith spielt nur Horses, wir verarschen das und spielen unsere Liveplatte, super lustig. Und dann kam Archi mit seinem „Aber dann schon richtig“ und ich dachte mir nur, scheiße, hättest du das mal besser nicht gesagt. Weil dann haben wir nämlich nicht irgendwie ein Set live geprobt, sondern Theaterproben gemacht. Jeder hatte seine Cues und seine Stichworte, wann er dem anderen ins Wort fallen muss.
Zip Schlitzer: Das war echt schlimm… „Hey, dein Stichwort!“ „Oh, ja, scheiße, ‚tschuldigung.“
Johnny Bottrop: Es hat dann bis eine Woche vor Tourbeginn immer noch nicht ganz richtig geklappt und im dritten Drittel des Sets musste MC Archi Motherfucker hin und wieder noch zum Blatt greifen, bei bestimmten langen Ansagen.
Eros Razorblade: Aber diese Tour hat uns echt nochmal ein bisschen fit gemacht für die „Tiergarten“-Tour, weil Archi kurz vorher nochmal meinte, sein Eddie-Van-Halen-Lächeln ist zurück, wenn er Gitarre spielt. (alle lachen) Ich hatte das Gefühl, dass die „Blechdose“-Tour, auch weil das so ein langes Set war und klar abgetrennte Blöcke hatte, dass uns das nochmal als Band besser gemacht hat.
MC Motherfucker: Es war auf jeden Fall eine Herausforderung, und ich suche so was ja immer. Ich mein, man muss es leider zugeben: Wir sind echt nicht mehr die Jüngsten und man kann um den heißen Brei herumreden und vertuschen, was man will, aber mit 50 ist es sauschwierig sich Sachen zu merken. (lacht) Es wird immer schwieriger. Und du musst ständig einen noch höheren Level angreifen, um dein Hirn weiter zu bringen.
Johnny Bottrop: Und deswegen hab ich jetzt hier was mitgebracht für die Tour, Premiere für eure Seite! (Johnny Bottrop kramt in seiner Tasche und holt eine Box raus, die er den anderen überreicht) Weil wir ja schon n bisschen älter sind und das nicht mehr so klappt mit dem Erinnerungsvermögen: ein dreidimensionales Geschicklichkeits- und Nachdenkspiel! (alle lachen)
Kid Katze:
Das ganze Interview haben wir jetzt darauf hingearbeitet, dass Johnny Bottrop das Spiel jetzt rausholen kann.
Johnny Bottrop: Das sind total schwere komplexe Aufgaben, die man lösen muss.
MC Motherfucker: Boah, ist das gemein!
Zip Schlitzer: Das ist echt Anti-Alzheimer.

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Wie war es denn die Setlist zusammenzustellen und alte und neue Songs zu kombinieren?
MC Motherfucker: Ich verrat dir an dieser Stelle eins: Es war total einfach. Wir haben einfach versucht, ein eventuelles Set für eine zweite Liveplatte zusammenzustellen. Wir haben die Big Five, die großen fünf Songs, die nie fehlen dürfen… ach ne, sechs sinds geworden.
Johnny Bottrop: Und die leider alle schon auf der „Blechdose“ sind, aber die sind jetzt trotzdem nochmal dabei.
Eros Razorblade: Aber jetzt ist es ja mit Orgel! (Alle lachen)
Johnny Bottrop:
Okay, stimmt, die werden jetzt mit Orgel dargeboten. Aber ansonsten spielen wir nur Lieder, die nicht auf „Blechdose“ waren. Und das ist ja jetzt eine ganz ganz tolle Koinzidenz: Keines der „Tiergarten“-Lieder war auf Blechdose!
MC Motherfucker: Und keines der „Fundamental“-Lieder!
Johnny Bottrop: Und auch jede Menge Hits von „Musik für Arschlöcher“ und „Melodien für Milliarden“ und so weiter, zum Beispiel „Sozialer Misserfolg“, „Tante Gerda“, „Gesellschaft“ und „Arbeit“, „Keine Airbags“, „Gestorben auf dem Weg zur Arbeit“, „Sabine“…
MC Motherfucker: Das war wirklich relativ einfach mit der Setlist. Ich hab einen Tag vorm Proben für die Tour eine E-Mail rumgeschickt mit potentiellen Songs, und da haben nochmal ein, zwei Nummern gewechselt, aber ansonsten wars das.

Dann freue ich mich auf ein wahres Hitfeuerwerk nachher! Zum Abschluss noch die Frage, die zum Abschluss passt: Das war es jetzt nicht sofort wieder mit der TERRORGRUPPE, oder?
Johnny Bottrop: Naja, wir haben dir ja schon einen kleinen Fahrplan, wie es im nächsten Jahr weitergeht verraten. Ganz unabsichtlich.
Eros Razorblade: Erstmal Physiotherapie, dann Psychotherapie…
Johnny Bottrop: Dann Proberaum aufräumen, dann Tourwäsche waschen…
MC Motherfucker: Wir werden es nicht mehr so intensiv betreiben wie damals, das müssen wir auch nicht mehr machen. Wir müssen uns jetzt nicht mehr neu aufbauen oder komplett neu erfinden. Aber wenn wir Lust haben zu spielen, dann machen wir das. Jetzt können wirs ja wieder und jetzt ist auch die Mauer nicht mehr so groß, über die man drüber steigen muss. Das war schon ein ganz großer Punkt, dass wir gesagt haben, dass es uns nicht mehr geben wird, weil wir uns gar nicht vorstellen konnten, dass es uns wieder gibt. (lacht) Aber es wird schon noch ’ne Weile so weitergehen, solang es halt Spaß macht. Aber wir werden jetzt zum Beispiel nicht irgendeine Welttournee spielen. Früher waren wir sofort dabei, wenn uns jemand Gigs im Ausland angeboten hatte, da hat es uns auch immer gejuckt, da zu spielen. Aber die Angebote, die wir jetzt hatten, wurden immer so halbgar abgelehnt. Die Ambitionen, nochmal die Welt zu verändern, die sind weg.
Johnny Bottrop: Das machen wir dann vielleicht so nebenbei, eher unabsichtlich.