At The Gates w/ Nifelheim, Deserted Fear

  • München, Backstage (Werk)
  • 11. Dezember 2019
Konzertfotos: At The Gates

Zweimal in einem Jahr in der selben Stadt spielen, ist wohl zu viel des Guten, selbst wenn man zuvor fünf Jahre nicht dort war. Anders ist kaum zu erklären, dass AT THE GATES – nach ihrer gefeierten Show im Januar als Support von Behemoth in der ausverkauften Tonhalle – als Headliner zusammen mit NIFELHEIM und DESERTED FEAR kaum 250 Leute ins Münchner Backstage locken können. Dennoch findet die Show findet nicht etwa im Club (der ausgereicht hätte) oder in der Halle statt (die angemessen gewesen wäre), sondern im Backstage Werk.

So geben die rund 150 zum Showbeginn um 19:45 Uhr anwesenden Fans in der Location mit fast zehnfacher Kapazität ein trauriges Bild ab – da hilft es auch nicht, dass das Werk hinten und seitlich großzügig abgehängt ist. DESERTED FEAR lassen sich die Stimmung davon jedoch nicht verderben: Dass scheinbar viele der Anwesenden nicht zuletzt wegen der Death-Metal-Emporkömmlinge aus Eisenberg in Thüringen hier sind, hilft DESERTED FEAR, das Beste aus der Situation zu machen: Mit witzigen Ansagen und direkter Interaktion mit Freunden im Publikum lässt die sympathische Truppe auch in der überdimensionierten Halle Wohnzimmerkonzertatmosphäre aufkommen. Mit ihrem nicht eben spektakulären, jedoch grundsoliden und vor allem blitzsauber dargebotenen Death Metal können DESERTED FEAR ebenfalls überzeugen – allen widrigen Vorzeichen zum Trotz also ein guter Start in diesen Abend.

Nur knapp 15 Minuten später, um 20:45 Uhr, bekommt das zahlenmäßig nur unwesentlich angewachsene Publikum mit NIFELHEIM ein Spektakel der besonderen Art geboten – und ein überaus seltenes noch dazu: Die in ihrer Heimat Schweden als „Bröderna Hårdrock“(Hard-Rock-Brüder) bekannten Brüder Per „Hellbutcher“ und Erik „Tyrant“ Gustavsson geben nach rund 30 Jahren Bandgeschichte soweit bekannt erstmalig ein Hallenkonzert in Bayern, wo sie soweit zurückverfolgbar bislang nur auf dem Summer Breeze 2012 zu sehen waren. Dass nicht allein das die Ticketverkäufe in die Höhe getrieben hat, ist unverständlich. Der Stilmix aus Black, Thrash und Speed Metal mit seinen Soli in nur leicht angezerrtem Retrosound erweist sich live als überaus unterhaltsam – wenn auch nicht eben abwechslungsreich. Für Unterhaltung ist dennoch über die knapp einstündige Show hinweg gesorgt: Von Kopf bis Fuß mit Nieten und Nägeln bestückt, mit bösen Blicke und einem Miniatursarg (Spinal Tap lässt grüßen) auf der Bühne bieten Hellbutcher, Tyrant und Konsorten optisch die große Show. Dass sich die Truppe selbst ganz offensichtlich auch nicht 100 % ernst nimmt (wer würde sich sonst Spinnweben auf die Glatze malen?), trägt seinen Teil dazu bei, dass sich NIFELHEIM heute als echtes Erlebnis entpuppen.

Setlist NIFELHEIM

  1. Infernal Flame Of Destruction
  2. Unholy Death
  3. From Hell’s Vast Plains
  4. Evil Blasphemies
  5. The Burning Warpath To Hell
  6. Bestial Rites
  7. Storm Of The Reaper
  8. Sodomizer
  9. The Bestial Avenger
  10. Satanic Sacrifice
  11. Possessed By Evil
  12. The Final Slaugther


Obwohl AT THE GATES, wie eingangs erwähnt, zuletzt keine Live-Rarität mehr darstellten, sind die Schweden nicht minder legendär – schließlich kann die Truppe (mit Unterbrechnungen) ebenfalls auf 30 Jahren Bandgeschichte zurückblicken und gilt als Mitbegründer des im Death Metal legendären Göteborg-Stils. All das merkt man AT THE GATES abder ersten Minute ihrer rund 80-minütigen Show an: Völlig gelassen überspielen die Vollprofis das Besucherzahlen-Fiasko und reißen auch vor den unterdessen vielleicht 300 Fans eine Show herunter, als wären es 3.000. Die drei großen Releases der Band – allen voran der Genre-Klassiker „Slaughter Of The Soul“, gefolgt von den beiden Post-Reunion-Alben „At War With Reality“ (2014) und „To Drink From the Night Itself“ (2018) sind im Set quasi gleich stark vertreten. Dass AT THE GATES eine Band der Alten Schule sind, merkt man dabei an den Details: Während es gerade im Death Metal mittlerweile zum Standard geworden ist, Clean-Parts nur noch vom Band laufen zu lassen, ist hier und heute alles live. Der Mehrwert für den Zuschauer ist nicht zu überhören. Bei dieser Qualität und Hingabe wundert es dann auch kaum, dass im Backstage trotz geringer Besucherzahl doch noch ordentlich Stimmung aufkommt und sogar der eine oder andere Moshpit losbricht.

Setlist AT THE GATES

  1. To Drink From The Night Itself
  2. Slaughter Of The Soul
  3. At War With Reality
  4. A Stare Bound In Stone
  5. Cold
  6. The Colours Of The Beast
  7. El Altar Del Dios Desconocido
  8. Death And The Labyrinth
  9. Daggers Of Black Haze
  10. Under A Serpent Sun
  11. The Swarm
  12. Raped By The Light Of Christ
  13. Heroes And Tombs
  14. Nausea
  15. The Mirror Black
  16. Suicide Nation
  17. The Book Of Sand (The Abomination)
  18. Kingdom Gone
  19. Blinded By Fear
  20. The Night Eternal


Man könnte meinen, der Death Metal stecke (zumindest in München?) in einer Krise. Nachdem eben erst Six Feet Under (nicht ganz unverschuldet) vor einem überschaubaren Publikum aufspielen mussten, bekommen auch AT THE GATES zu spüren, wie hart das Tourleben sein kann – und das mit einem deutlich besseren Vorprogramm. Mit bald 30 Jahren Erfahrung sind die Schweden allerdings – wie auch ihre Landsmänner von NIFELHEM – Profis genug, sich keine Enttäuschung anmerken zu lassen, sodass die Shows schlussendlich auch vor wenig Publikum funktionieren.

Konzertfotos: At The Gates

2 Kommentare zu “At The Gates w/ Nifelheim, Deserted Fear”

  1. Sven

    Hi ich glaube es liegt nicht mal daran dass At the Gates zum zweiten mal auf Tour sind sondern eher an den doch verhältnismäßig hohen Ticketpreisen. Zumindest in Berlin haben mich die knapp 43 Euronen doch abgeschreckt. 2 Wochen vorher waren Amon Amarth, Arch Enemy und Hypocrisy zu Gast in nem wesentlich größeren Laden und haben für 49€ deutlich was geboten.

    1. Moritz Grütz Post Author

      Hallo Sven, danke für diese Anmerkung. Der Ticketpreis lag tatäschlich auch in München in diesem Bereich – und ja, das ist für eine Hallenshow dieser Größe ohne Frage sehr viel und sollte als Faktor nicht außer Acht gelassen werden.

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