Review Zeal & Ardor – Stranger Fruit

[Black Metal / Blues / Worksongs] „Don’t Believe The Hype“ skandierten Public Enemy 1988 auf ihrem Album „It Takes A Nation Of Millions To Hold Us Back“. Trotzdem wurde Rap, das musikalische Sprachrohr der afroamerikanischen US-Bürger zum Massenphänomen. Obwohl Gospel, Worksongs und Blues wohl keine derartige kommerzielle Aufmerksamkeit zuteilwerden dürfte, könnte im Fall von ZEAL & ARDOR so ein klein bisschen Hype sogar gerechtfertigt sein. Denn selten war Black Metal (besser gesagt: Musik mit Black-Metal-Elementen) zugänglicher aufbereitet als auf „Stranger Fruit“. Das dürfte vor allem daran liegen, dass der schweizerisch-amerikanische Multiinstrumentalist Manuel Cagneux auch andere musikalische Elemente einbindet: eben Blues, Worksongs und sogar Gospelfragmente.

Trap-Beats plus das gar nicht mal so schöne Drumcomputer-Geballer vom Vorgänger „Devil Is Fine“ sind echtem Schlagzeug gewichen – und das klingt auch noch richtig gut. Überhaupt weiß die Produktion sehr zu gefallen, Kurt Ballou (seines Zeichens auch Gitarrist von Converge) hat hier einen ausgezeichneten Job gemacht. Somit gehören tontechnische Defizite der Vergangenheit an, das Schlagzeug ist (nicht nur für Black-Metal-Verhältnisse) sehr fett, Gitarren und Bass klingen rund und auf dem Gesang liegt mehr oder weniger durchgehend eine merkliche Verzerrung, durch die auch ab und an Assoziationen zur Band Awolnation und „Sail“ geweckt werden.

Schon das rund zweiminütige Intro „Intro“ (harr, harr) zeigt, wohin die Reise geht: Es beginnt mit einem rhythmischen Geräusch, vielleicht einer Spitzhacke, bei dem man unweigerlich an den Anfang des Soundtracks von „O Brother Where Art Thou“ und an Sträflinge, die irgendwo in der sengenden Hitze der US-amerikanischen Südstaatenprovinz am Rand eines Highways arbeiten, denken muss. Es folgen bluesige Gitarren und Vocals, die von schnellen Riffs und Doublebassattacken abgelöst werden. Die nachfolgende Single „Gravedigger’s Chant“ kommt ohne selbige aus, hat aber dafür ein schickes Piano plus eine Orgel an Bord. Der erste Black-Metal-artige Ausbruch kommt erst zwei Tracks später bei „Don’t You Dare“. Der Fairness halber muss man sagen: ZEAL & ARDOR haben in den härteren Passagen das Rad nicht unbedingt neu erfunden, aber die Symbiose mit genannten genrefremden Elementen ist ausgesprochen gelungen und die schwül-heiße Südstaaten-Atmosphäre eine willkommene Abwechslung zur im Black Metal sonst so verbreiteten skandinavischen Kälte. Manche Songs, wie zum Beispiel „You Ain’t Coming Back“ oder auch der Schlusstrack „Built On Ashes“, sind sogar regelrechte Ohrwürmer.

Auch der Spannungsbogen von „Stranger Fruit“ weiß zu gefallen: bluesige Momente mit Call-and-Response-Vocals werden von hohen, gekrächzten Schreipassagen abgelöst. Diese Wechsel führen auch dazu, dass man sich über die gesamte Albumlänge nicht langweilt, obwohl man im letzten Drittel der Platte auch keine Überraschungen mehr erlebt.

Wer in Sachen Black Metal wenig kompromissbereit ist und auf Bands wie Marduk steht, sollte von dieser Platte wohl eher die Finger lassen. Wer gegenüber neuen Strömungen und Elementen im Schwarzmetall offener ist, kann auf jeden Fall mal ein Ohr riskieren.  Don’t believe the hype? Vielleicht manchmal doch. „Stranger Fruit“ ist auf jeden Fall ein sehr cooles Album mit großartigen Songs geworden. Schauen wir einfach mal, wo die musikalische Reise von ZEAL & ARDOR noch so hingeht.

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Wertung: 9 / 10

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