Zeal & Ardor Cover
Februar 2022

Review Zeal & Ardor – Zeal & Ardor

  • Label: Mvka
  • Veröffentlicht: 2022
  • Spielart: Black Metal , Blues, Soul, Worksongs

ZEAL & ARDOR waren eine der Überraschungen der letzten Jahre: Wirkte das 2016er Debüt „Devil Is Fine“ noch etwas unausgegoren, funktionierte die Mischung aus Black Metal und Black Music in Form von Chants und Work-Songs spätestens auf dem 2018er „Stranger Fruit“ ausgesprochen gut. Auf der 2020er EP „Wake Of A Nation“, die den tragischen, von Polizisten aus rassistischen Motiven verübten Mord an George Floyd und Polizeigewalt im Allgemeinen anprangerte, entfaltete das Projekt zudem sein volles Potential als Black-Empowerment-Statement. Dementsprechend hoch sind die Erwartungen an das neue Album, das die Band nach sich selbst benannt hat – ein deutliches Signal, dass ZEAL & ARDOR musikalisch und thematisch noch einiges zu sagen haben.

So viel sei schon mal gesagt: Mit klassischem Black Metal hat „Zeal & Ardor“ noch weniger zu tun als „Stranger Fruit“. Genre-Puristen werden also abermals die Hände über dem Kopf zusammenschlagen und mit dieser recht frischen Crossover-Variante nach wie vor nichts anfangen können. Bandkopf Manuel Cagneux kombiniert auf seinem neuesten Album vielmehr unterschiedliche Spielarten harter Gitarrenmusik mit ebenso unterschiedlichen Spielarten amerikanischer … ja, Volksmusik. Wohlgemerkt basierend auf dem Liederwerk Schwarzer US-Amerikaner, viel Soul und Blues im klassischen Sinne, viel Call and Response im Gospel-Style – schön zu hören in der Strophe von „Feed The Machine“. Manches klingt dabei sehr vertraut, da sich ZEAL & ARDOR traditioneller Rhythmen und Harmonien bedienen – was der Qualität allerdings keinen Abbruch tut.

Nach dem ersten Durchhören von „Zeal & Ardor“ muss man dem musikalischen Schaffen des Amerikaschweizers und seiner Mitstreiter ein höheres Maß an Abwechslung als auf den Vorgängern attestieren. Mit dafür verantwortlich sind auch die offensiver eingesetzten elektronischen Elemente, die zum Beispiel der Midtempo-Single „Bow“ mit ihrer verzerrten Basswand beinahe so etwas wie einen Dubstep-Vibe geben, während die Stakkato-Gitarren und Drums von „Death To The Holy“ auch Industrial-Metal-Freunde ansprechen dürfte. Obwohl ZEAL & ARDOR dadurch aber auch ein wenig unterkühlter als auf „Stranger Fruit“ wirken, kann die fette und laute Produktion absolut überzeugen.

Trotzdem kommen fette Gitarren, Doublebass und Kreischgesang auf „Zeal & Ardor“ nicht zu kurz, wie Tracks wie „Götterdämmerung“ oder „I Caught You“ eindrucksvoll beweisen. Dabei wirken die harten Parts eine Spur mächtiger als auf „Stranger Fruit“ – eine Entwicklung, die schon auf „Wake Of A Nation“ absehbar war. Die Arrangements sind insofern gelungen, als sich darin melodische Passagen und heftige Gewaltausbrüche regelmäßig miteinander abwechseln, sodass man keines Parts auch nur ansatzweise überdrüssig wird. Black-Metal-Reminiszenzen finden sich in Cagneux‘ Musik ohne Frage wieder. Trotzdem verwursten ZEAL & ARDOR ganz verschiedene Spielarten der harten Gitarrenmusik: Das eine oder andere Riff würde sich auch auf einer Metalcore-, Death- oder Post-Metal-Platte ganz gut machen.

Die musikalische Vielfalt auf „Zeal & Ardor“ verlangt durchaus handwerkliches Geschick von den Beteiligten, was sich vor allem in abwechslungsreicher und spannender Gitarren- und Schlagzeugarbeit bemerkbar macht. Hier gibt es nichts zu meckern. Auch stimmlich macht Cagneux eine gute Figur und deckt eine enorme Bandbreite an Stilen und Emotionen ab – egal ob melancholisch-bluesig oder wütend-harsch, die Vocals wirken in jedem Moment authentisch. Anspieltipps zu nennen fällt schwer, aber man kann festhalten, dass für so ziemlich jede Stimmungslage und Lebenssituation der passende Song zu finden sein dürfte. Dass „Run“ und „Golden Liar“ als Single-Auskopplungen gewählt wurden, ergibt aber durchaus Sinn, zeigen doch beide Songs ganz gut die Bandbreite auf „Zeal & Ardor“ auf. Mal davon abgesehen, dass „Golden Liar“ das Zeug zum Ohrwurm des Jahres hat.

Wer „Stranger Fruit“ und „Wake Of A Nation“ gefeiert hat, bekommt mit „Zeal & Ardor“, was er erwartet – und das in höchster Qualität. Das Konzept wurde großartig weitergeführt und macht einfach nach wie vor Spaß. Dass das musikalische Niveau über die kompletten 44 Minuten Spielzeit durchgehend hoch ist, lässt auf viele weitere spannende ZEAL-&-ARDOR-Veröffentlichungen hoffen – und macht das neue Album für jeden Metaller mit einem offenen Ohr über den Tellerrand hinaus zu einem frühen Kandidaten für das Album des Jahres. Wer mit den Vorgängern so gar nichts anfangen konnte, wird hiermit aber auch nicht glücklich.

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Wertung: 9 / 10

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3 Kommentare zu “Zeal & Ardor – Zeal & Ardor

  1. Habe Zeal & Ardor 2017 beim Prophets of Rage-Konzert als Vorband gesehen und fand sie sehr unterhaltsam, dann aber wieder aus den Augen verloren. Jetzt die Platte vor ein paar Tagen durch Zufall entdeckt, war bei mir null auf dem Schirm, dass da ein neuer Release ansteht. Und bin hellauf begeistert! Wirklich gelungener Genre-Mix, funktioniert inzwischen wesentlich besser als noch auf der ersten Platte. Muss die zweite wohl noch aufholen, bevor ich sie im Mai mit Meshuggah sehe. Danke für das Review, bestätigt meinen Eindruck! Run, Death to the Holy und Götterdämmerung haben mich echt weggeblasen, die Industrial-Elemente passen einfach perfekt.

    1. Vielen Dank, freut mich, dass das Review gefallen hat. Ist auch echt eine tolle Platte. Und uiii, Prophets Of Rage, da bin ich neidisch, die hätte ich schon auch gerne gesehen – gerade mit Zeal & Ardor zusammen ein tolles Gesamtpaket. Das Konzert mit Meshuggah gebe ich mir auch, ich hoffe, dass diesmal nicht wieder dieses verdammte Virus dazwischenfunkt. EDIT: Just in dem Moment, wo ich den Kommentar geschrieben habe, wurde das Konzert ersatzlos abgesagt…

      1. Argh, ich glaub’s ja nicht. Das ist bitter, wahrscheinlich zu wenig im VVK verkauft, anders kann ich mir das nicht erklären. Aber Aussage von Z&A lässt immerhin auf ein Trostpflaster hoffen: „Currently we are working on finding new dates for Germany and Italy but cannot tell when these may take place nor when they may be announced.“ P.S. Prophets of Rage waren live ausgezeichnet, aber das RATM Tour Comeback lässt ja auf eine Europatour hoffen.

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