Review Zeal & Ardor – Devil Is Fine

Ein mäßig erfolgreicher Schweizer Musiker, mit wenig Geld und viel Zeit in New York gestrandet, schreibt aus Langeweile in dem Internetportal 4Chan: „Gebt mir zwei Musikrichtungen, ich mache in einer halben Stunde ein Stück draus.“ Was das Internet daraufhin von ihm verlangt, pikiert ihn zunächst: „Nigger Music“ und Black Metal. Manuel Gagneux nimmt die Herausforderung an, produziert in Eigenregie ein Album, die amerikanische Metal-Journalistin Kim Kelly twittert darüber, der Rolling Stone berichtet, ein Label nimmt ZEAL & ARDOR unter Vertrag und das Roadburn-Festival bucht den Musiker, der zu dem Zeitpunkt noch nicht einmal eine Band hat – geschweige denn mehr als 25 Minuten an Material. Nach den orthodoxen Black Metallern Batushka der nächste große Black-Metal-Hype?

Schaut man sich aktuelle Live-Clips von ZEAL & ARDOR an, kann man sich das durchaus vorstellen. Das nun auf CD erschienene Debüt „Devil Is Fine“ jedoch stellt den Hörer vor einige Herausforderungen – und lässt das Potential, das in der Idee steckt, allenfalls erahnen. Statt sich nämlich voll auf die durchaus reizvolle Idee, Gospel- und Black-Metal-Elemente zu fusionieren, zu fokussieren und diese konsequent zu Ende zu denken, mischt Manuel Gagneux auf dem Album scheinbar willkürlich alles mögliche miteinander: Von Synthesizern und Trap-Beats („Sacrilegium I“) bis hin zu Kinderschlafliedmelodien mit („Children’s Summon“) und ohne Black-Metal-Anteil („Sacrilegium II“) ist alles dabei – und ja, natürlich auch mit Gospel-Chants gepaarter Black Metal („In Ashes“).

Auf das gesamte Album gesehen ist der Black Metal jedoch weder als zentrales Element auszumachen, noch, wenn man ehrlich ist, sonderlich gut gemacht: Verzerrte, schnell gespielte Gitarren und dreckig-verwaschener Sound sind zwar unbestreitbar prägende Elemente im Black Metal. Deswegen vermag jedoch noch lange nicht alles, was aus diesen Stilmitteln gemacht wurde, Black-Metal-Atmosphäre aufkommen lassen. Klingt schon die wohl gezielt „retro“ abgemischte Gitarrenarbeit auf „Devil Is Fine“ schlicht billig, ist das daruntergelegte Drumcomputer-Geballer für einen echten Fan schwarzmetallener Tonkunst kaum zu ertragen: Will man das gebotene ernsthaft mit Black Metal vergleichen, kommen einem allenfalls Industrial-Black-Metal-Bands wie Diabolicum oder Mysticum in den Sinn. Viel schwerer jedoch fällt ins Gewicht, dass im Verlauf von „The Devil Is Fine“ nur sehr beschränkt von einer eleganten Symbiose mit den Gospel-Chants die Rede sein kann: Das haben die Österreicher Our Survival Depends On Us mit ihrer „Let My People Go“-Verison deutlich souveräner gelöst.

Die Idee, Black Music mit Black Metal zu mischen, ist ohne Frage interessant. Auf „Devil Is Fine“ setzt Manuel Gagneux das Konzept jedoch (noch) nicht konsequent genug um: Statt zielsicher beide Genres zu verschmelzen, bieten ZEAL & ARDOR schlussendlich einen bunten Stilmix aus Synthies, Trap-Beats, Gospel-Gesang und mal mehr, mal weniger düsteren Gitarren. Dass das Album gerade bei den elektronischen Passagen durchaus coole Parts aufzuweisen hat, vermag es leider nicht herauszureißen. Schon allein, weil das proklamierte Konzept, einen Black-Metal-Gospel-Bastard zu erschaffen, in dem stilistischen Potpourri bis zur Unkenntlichkeit verwässert wird. Schade, da wäre deutlich mehr drin gewesen. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.

Wertung: 4 / 10

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