Review Aborted – Slaughter & Apparatus: A Methodical Overture

Fast zwei Jahre sind seit dem letzten – ja, man muss fast schon sagen kontroversen – ABORTED-Longplayer „The Archaic Abbatoir“ vergangen. Damals enstand förmlich ein Eklat unter den Fans, denn die Belgier wagten sich nach einem durchweg brutal gehaltenen „Goremageddon: The Saw And The Carnage Done“ an ganz andere Töne heran: Immer mehr hardcorelastige Grooves und Vocals fanden Verwendung, die Mixtur wurde melodischer, obgleich schon auf dem Vorgänger eine gesunde Portion dieser Elemente vorhanden war. Doch der Wandel wurde einem derartig ins Gesicht geknallt, dass man kaum wusste, was man denn damit anfangen soll. Mit ein bisschen Gewöhnung aber konnte man das Scheibchen ganz für sich gewinnen, denn technisch und harmonisch gesehen war es ein außerordentliches Brett, das auch Live durchaus mitreißen konnte. Dem makabren Brutalohumor tat das keinerlei Abbruch. Nun war sicher die Hoffnung unter den Fans der ersten Stunde groß, dass mit dem neuen Werk „Slaughter & Apparatus: A Methodical Overture“ wieder die alten Tage Einzug halten würden. Doch ich muss jene leider enttäuschen – „Slaughter & Apparatus“ fängt so ziemlich genau da an, wo der Vorgänger aufhörte. Wieder setzt man sehr auf unkonventionellere Elemente als auf durchgehend sägendes Geknüppel. Eine Rückkehr war von vornherein auszuschließen, bei den gravierenden Besetzungswechseln, die praktisch weder an den Saiteninstrumenten, noch am Schlagzeug jemanden ließen, der wieder im alten Stile hätte komponieren können. Deutlich zu spüren sind die Neulinge, im positiven und auch negativen Sinne, wie ich später noch einmal erläutern werde. Übrigens ist auch das Artwork mal wieder ein kleines Meisterwerk, wie wir das von jedem Album seit spätestens „Goremageddon“ kennen.

Ein mal wieder vollkommen ABORTED typisches Intro leitet den ersten Song „The Chondrin Enigma“ mit elektronischen Klängen ein, bevor das Riffgewitter auf den Hörer einbrettert. Ab dem ersten Moment hört man, dass es sich um die belgische Truppe handeln muss, spätestens, wenn Svenchos charakteristisches Gegrunze einsetzt. Die Produktion ist gewohnt auf höchstem Niveau, hier gibt es also absolut nichts zu meckern. Der Eröffnungssong zeigt schon sehr gut die Frische, die die neuen Mitglieder einbringen, allerdings auch, welches Problem sie scheinbar haben: Teilweise stützen sich die Riffstrukturen zu stark auf die des Vorgängers, was zwar nicht auf fehlende Innovation, eher aber auf Unsicherheit tippen lässt. Das möchte ich aber nicht anprangern, denn zu mindestens 85% klingt alles ehrlich und aufrichtig. Positiv fällt bei diesem Song übrigens auch das Solo auf, welches durch unverbrauchte Tonabfolgen trumpfen kann. Ein bisher noch nie dagewesene Seite ABORTEDs zeigt sich bei „Avenious“, unter die schweren, schleppenden Gitarrenklänge (welche auf dieser Scheibe übrigens in unüblichem Maße vorhanden sind) mischen sich atmosphärische, teils synthetisch angehaucht wirkende Gitarren, welche den Song in seiner „mörderischen“ Atmosphäre unterstreichen. Sehr interessant, besonders das Outro weiß dieses Stilmittel ausgiebig zu nutzen. „The Spraying Séance“ ist dann einer der Songs, der die Verfechter des älteren Stils der Gruppe zufrieden stellen dürfte. Doch auch hier widmed man sich gegen Ende dem eher ungewöhnlichen Stil. Sehr gefallen tut auch „And Carnage Basked In Its Ebullience“, besonders das atmosphärische Intro und auch das tolle Solo, welches von Keyboards unterlegt wird und mich persönlich sehr an Zyklon erinnerte.

Hier liegt wohl auch eine gewisse Schwäche: Die Soli wirken hin und wieder recht uninspiriert, unfertig und aufdringlich chromatisch. Würde man hier und dort das Solo verlängern und um Ideen erweitern, hätte man sehr viel gewonnen. Trotzdem aber überraschen gerade Songs wie „The Foul Nucleus Of Resurrection“, die durch brutales Riffing im Suffocation-Stil und Gastauftritte beim Gesang die Fresse gehörig polieren. Ähnlich verhält es sich mit „Archetype“, das zwischenrein sehr nach der alten amerikanischen Schule klingt. Weiß durchaus zu gefallen! Insgesamt sind aber alle Songs gut durchkomponiert, hier und da fehlt es vielleicht noch an dem gewissen Etwas. Insgesamt muss man aber sagen, dass ABORTED die Melodien und die bluesangelehnten Grooves vom Vorgänger wieder eher in den Hintergrund stellen und auf etwas typischere Death Metal Strukturen setzen, was natürlich aber nicht meine eigene Aussage, ein Back To The Roots wäre nicht vorhanden, relativieren soll. Denn trotzdem herrschen noch die neuen ABORTED vor, nur nicht mehr ganz so experimentell, wie auf „The Archaic Abbatoir“. Nun gut, der Einsatz von synthetischen Tastenklängen ist zugegebenermaßen bei dieser Musikrichtung sehr, sehr gewagt und wird auch an vielen Stellen auf Ablehnung stoßen. Meiner Auffassung nach sitzen diese Parts genau da, wo sie hingehören und wirken keinesfalls penetrant. Wirklich schade, dass die Soli den Durchbruch manchmal nicht ganz schaffen, gerade beim fünften Song. Man fängt so genial an, bricht aber viel zu früh wieder ab. Somit muss man sagen, dass ABORTED durchaus seit der letzten Scheibe zwar in vielerlei Hinsicht Fortschritte gemacht haben, jedoch auch ein paar Rückschritte, sodass ich mich persönlich nicht wirklich zwischen „The Archaic Abbatoir“ und „Slaughter & Apparatus“ entscheiden kann. Auch wenn viele nicht mit mir konform gehen werden, finde ich beide Scheiben sehr gute Alben, die ihre kleinen Schwächen haben, trotzdem aber an gewissen Ecken im Schatten der frühen Werke stehen, was dem Spaß keinen Abbruch tut.

Wertung: 8 / 10

Geschrieben am 6. April 2013 von Metal1.info

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