Agathodaimon - The Seven

Review Agathodaimon – The Seven

Lange war es still um AGATHODAIMON: Nach dem 2013er Album „In Darkness“ hat Bandboss Sathonys die Truppe auf Eis gelegt. Dass es irgendwann weitergehen soll, war damals aber schon klar und nun ist es so weit. Im Februar 2020 haben sich die Mainzer zurückgemeldet, um das passenderweise „The Seven“ benannte siebte Album aufzunehmen. Erste Festivals haben sie auch umgehend angekündigt – und dann kam Corona und hat AGATHODAIMON gleich wieder ausgebremst.

Dass sich dadurch Wut aufgestaut hat, wird im Opener „La Haine“ direkt deutlich. Mit eiskalten, tiefschwarzen Riffs und aggressivem Doublebass-Geprügel steigen AGATHODAIMON ein und zeigen, dass sie nichts verlernt haben – ganz im Gegenteil: Schwere Riffs und melodische Leads haben nach wie vor ihren Platz im Sound und vielleicht hat die Band mit „The Seven“ die beste Balance ihrer Karriere gefunden. Raserei und doomige Schwere wechseln sich ebenso geschickt ab wie zügellose Aggression, wuchtiger Groove und eingängige Melodik.

Seit „In Darkness“ scheinen AGATHODAIMON nicht nur in puncto Abwechslungsreichtum zugelegt zu haben, sondern haben auch den Grad an Härte und Schnelligkeit erhöht und klingen zudem schwarzmetallischer als vor der Auflösung. Auch nach wie vor gibt es bittersüße Melancholie wie beim langsameren „Wolf Within“ oder dem sehr düster-atmosphärischen „Estrangement“. Bei diesem Track beeindruckt Ashtrael mit leidvoll-klagendem Gesang, der sehr an Primordials Nemtheanga erinnert. Auch ansonsten kann Asthrael auf ganzer Linie überzeugen, sowohl seine Screams und Growls wie auch der zumeist gequälte Klargesang klingen durchgehend großartig. Am Mikrofon gibt es überdies noch zwei Gäste: Mit Vlad Dracul kehrt der ursprüngliche AGATHODAIMON-Sänger bei „Mother Of All Gods“ zum ersten Mal seit 1999 zurück und das tonnenschwere Heavy-Doom-Monster „Kyrie / Gloria“ wird durch die fiesen Vocals von Benighted-Frontmann Julien Truchan aufgewertet.

„The Seven“ ist bei all seinen Qualitäten auch noch ein Album mit großer Langzeitwirkung. Wie gewohnt halten sich AGATHODAIMON beim Songwriting nicht an gewöhnliche Strukturen und daher findet sich selten ein stringenter Strophe-Refrain-Aufbau bei den Songs. So dauert die Eingewöhnungsphase vielleicht etwas länger, „The Seven“ ist es dafür aber wert, öfter und konzentriert gehört zu werden und belohnt dann mit detailreichen und vielschichtigen Songs. Die Details kommen durch die druckvolle und klare Produktion auch noch bestens zur Geltung.

AGATHODAIMON sind zurück – endlich, kann man nur sagen, bei der Qualität von „The Seven“. In der Schnittmenge zwischen Dimmu Borgir, Carach Angren und Der Weg einer Freiheit bieten die wiedergekehrten Rheinhessen ein hochklassiges melodisches Black-Metal-Album mit ganz viel melancholischer, düsterer Atmosphäre. Bleibt nur zu hoffen, dass AGATHODAIMON uns jetzt erhalten bleiben und uns mit weiteren neuen Alben erfreuen.

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Wertung: 8.5 / 10

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