CD-Review: Al-Namrood - حين يظهر الغسق (Heen Yadhar Al Ghasq)

Besetzung

Humbaba – Gesang
Mephisto – Gitarre, Bass, Percussion
Ostron – Keyboard, Percussion

Tracklist

01. The Holy War Has Begun
02. When Murky Sky Appears
03. When The Coward Is Praised
04. Vengeance Abided Bonfire
05. Eagles
06. Covering The Nucleus Of A Comet
07. Abandoment Of Ignorant


Orphaned Land spielen orientalischen Metal? Melechesh arbeiten mit exotischen Melodien? Alles Kinderkram. Ring frei für AL-NAMROOD! Mit ihrem nunmehr vierten Album zeigen die einzigen Black Metaller Saudi-Arabiens einmal mehr, was der Begriff „orientalischer Black Metal“ wirklich bedeutet. Dass man es dabei nämlich keineswegs nur mit gewöhnlichem Black Metal zu tun hat, der durch ein paar Melodien unterfüttert wurde, die so klingen, wie sich der Westler eben saudi-arabische Musik so vorstellt.

Vielmehr bleiben die antireligiösen AL-NAMROOD auch auf ihrem vierten Album eine Herausforderung. Das liegt an ganz unterschiedlichen Dingen. Zum einen ist ihr Verständnis davon, was „Black Metal“ bedeutet, nicht ganz deckungsgleich mit der klassisch-westlichen Auslegung. Von den Riffs her etwas punkiger und in der Produktion deutlich roher als hierzulande heutzutage noch üblich, ist „حين يظهر الغسق“, lateinisch als „Heen Yadhar Al Ghasq“ betitelt, schon deswegen kein Album für „easy listening“. Die größte Herausforderung an den Hörer ist jedoch die Klangfärbung, welche mit dem sanften orientalischen Touch bei Bands wie Melechesh mitnichten vergleichbar ist: Sämtliche Melodien der Band, die übrigens ihrer musikalischen und antireligiösen Ausrichtung wegen im ultrakonservativen islamischen Saudi-Arabien harte Strafen riskiert und deswegen nur anonym agieren kann, klingen nach unserem Verständnis für Tonarten schlichtweg schief. Nicht ein bisschen, sondern komplett. Während die Produktion, der Stil, in dem die Riffs geschrieben sind oder der barsche Gesang vielleicht Geschmacks- oder Gewöhnungssache sein mögen, braucht es mehr als nur ein offenes Ohr für Exotisches, um sich mit dieser Art der Melodieführung anzufreunden. So ist es auch, wenn man die früheren Werke der Band kennt, immer noch eine Herausforderung, sich „حين يظهر الغسق“ über die volle Spielzeit von knapp 40 Minuten anzuhören. Zwar wächst mit der Zeit ein gewisses Verständnis für die Intention der Band – echten Zugang zu dem Material von AL-NAMROOD dürften dennoch nur die wenigsten Hörer finden.

حين يظهر الغسق“ klingt so fremdartig und unverständlich, wie sich der Titel liest. Fakt ist: AL-NAMROOD liefern auch auf ihrem vierten Album den wohl authentischsten orientalisch geprägten (Black) Metal ab, den man sich anhören kann. Ob man das dann auch muss oder gar sollte, steht auf einem anderen Blatt. Zumindest mal reinhören schadet aber definitiv nicht, um den eigenen musikalischen Horizont einmal kräftig gen Südosten zu erweitern … und sich bewusst zu machen, dass es auch im Jahr 2015 noch Orte auf der Welt gibt, in denen Menschen mit Musik ihr Leben riskieren.

Keine Wertung

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2 Kommentare zu “Al-Namrood – حين يظهر الغسق (Heen Yadhar Al Ghasq)”

  1. Satai

    >> So ist es auch, wenn man die früheren Werke der Band kennt, immer noch eine Herausforderung, sich „حين يظهر الغسق“ über die volle Spielzeit von knapp 40 Minuten anzuhören. […] echten Zugang zu dem Material von AL-NAMROOD dürften dennoch nur die wenigsten Hörer finden. <<

    So schlimm bzw. schwer finde ich das gar nicht. Liegt aber vielleicht auch daran, dass ich mich schon in Tengger Cavalry und Melechesh drin stecke ;)

    1. Moritz Grütz Post Author

      Nein, von schlimm würde ich auch nicht reden. Aber das Album hat dann doch die eine oder andere Passage (und auf den früheren Alben war das teilweise noch krasser), die sich nach unserem westlichen Musikverständnis zunächsteinmal doch ziemlich schief anhört. Da hilft (zumindest bei mir) auch kein Melechesh. ;)

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