CD-Review: Al-Namrood - Wala'at

Besetzung

Humbaba – Gesang
Mephisto – Gitarre, Bass
Ostron – Keyboard, Percussion

Tracklist

01. Al Hirah
02. Sahra Yaesa
03. Tabqia
04. Kail Be Mekialain
05. Al Shareef Al Muhan
06. Fasique
07. Aar Al Estibad
08. Alhallaj
09. Wahum Althaat
10. Alqaum


Nachdem die Oriental-Black-Metal-Punks AL-NAMROOD 2018 mit „10 Years Of Resistence“ ein Jubiläums-Best-of herausgebracht hatten, das ihre kauzige Karriere gut zusammenzufassen wusste, erweitert das Trio aus Saudi-Arabien seine Diskografie nun um ein weiteres – ihr mittlerweile achtes – Studio-Album: „Wala’at“.

Während das Cover stilistisch eher an Brutal Grind erinnert, bleiben sich die Black-Metal-Anarchos aus dem Orient stilistisch ziemlich treu. Nach wie vor ist das Songwriting stärker arabisch geprägt als bei den meisten anderen Metal-Bands aus diesem Kulturkreis. Und nach wie vor geht es dabei nicht um liebliche Tausendundeine-Nacht-Musik. AL-NAMROOD spielen vielmehr dreckigen Black Metal, den sie quer durch arabische Skalen jagen und mit ebenfalls reichlich unorthodoxem Gesang versehen: Stellt man sich den hässlichen Bruder eines Abkömmlings von Melechesh und Root vor, ist man zumindest einigermaßen im Bilde.

Dabei fällt auf, dass AL-NAMROOD 2020 dem westlich geprägten Ohr gleich in mehreren Belangen entgegenkommen. Zum einen ist da der Sound: Zwar kratzt es zwischendurch immer noch, als würden die Gitarren übersteuern, ansonsten klingt „Wala’at“ jedoch erstaunlich differenziert und „rund“. Auch technisch haben AL-NAMROOD in den elf Jahren seit ihrem noch ziemlich kruden Debüt „Astfhl Al Tha’r“ (2009) große Fortschritte gemacht: Die Instrumente sind technisch besser und professioneller denn je eingespielt, und selbst der Gesang von Humbaba, der noch auf der Split mit Darkestrah von 2016 gar schauerlich klang, wirkt nochmal gefestigter, als das schon auf „Enkar“ (2017) der Fall war. Gewöhnungsbedürftig bleibt seine Art, die durchweg arabischen Texte zu intonieren, zwar dennoch – schlussendlich gilt das aber für alles an AL-NAMROOD.

Dennoch führt ebendiese Professionalität zu einer Feststellung, die mir vor ein paar Jahren noch eher gewagt vorgekommen wäre: „Wala’at“ fehlt es fast etwas an Verschrobenheit. Der Mix aus orientalischen Instrumenten und Black Metal rückt noch etwas weiter in den Hintergrund als schon auf dem Vorgänger, nur gelegentlich lassen die Harmonien den von westlicher Musik geprägten Hörer noch zusammenzucken. Und dazwischen finden sich tatsächlich auch fast gewöhnliche, leicht punkig angehauchte Riffs. Damit ist „Wala’at“ zwar weniger experimentell als seine Vorgänger, doch das ist nicht unbedingt eine negative Entwicklung – zumindest wenn man Musik lieber „gut“ als bloß „interessant“ findet. Und unüberhörbar arabisch geprägte Passagen gibt es nach wie vor reichlich.

Für hartgesottene AL-NAMROOD-Hörer, denen es gar nicht orientalisch und zugleich roh genug sein kann, könnte „Wala’at“ fast etwas zu brav klingen (0,5 Punkte abziehen!). Alle anderen können über über diesen Kritikpunkt ruhig den Kopf schütteln (und 0,5 Punkte addieren!). Denn auch 2020 klingen AL-NAMROOD orientalischer als alle Metal-Bands mit orientalischem Einschlag, die es zu westlichen Labels und damit hierzulande auf den Musikmarkt geschafft haben. Die höheren technischen Standards, aber vor allem die eingängigeren Songs machen „Wala’at“ schlussendlich zum bislang „massentauglichsten“ AL-NAMROOD-Album.


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Bewertung: 8 / 10

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