Review Anaal Nathrakh – The Codex Necro

  • Label: Metal Blade
  • Veröffentlicht: 2001
  • Spielart: Extreme Metal

Exakt 20 Jahre ist es her, dass eine der extremsten Metal-Bands überhaupt mit „The Codex Necro“ debütierte: ANAAL NATHRAKH. Zum Jubiläum legen Metal Blade Records das Werk nun auf Vinyl und CD neu auf. Für den Seelenfrieden aller Komplettisten – außer über Secondhand-Plattformen war „The Codex Necro“ lange nicht zu bekommen – aber auch zur Freude aller Fans fieser Klänge.

The Codex Necro“ ist nämlich keines dieser Frühwerke, die man sich bloß kauft, um die Diskografie komplett zu haben, und die nach einmal hören für immer im Regal verschwinden. Vielmehr haben ANAAL NATHRAKH der Welt bereits auf diesem ersten Album musikalisch einiges mitzuteilen. Freundliche Töne schlagen sie dabei allerdings nicht an: „The Codex Necro“ ist roh, hässlich und aggressiv. Brutale Drumsalven aus dem Programmierer treffen auf brachiales Riffing, fiese Screams und immer wieder auch Synthies, die dem Ganzen zusätzliche Dichte verleihen.

Die Melodik späterer Alben hingegen findet sich auf „The Codex Necro“ bestenfalls vage angedeutet – in ein paar etwas markanteren Leadgitarren. Mit den Ohrwurm-Melodien späterer Songs sind diese aber nicht zu vergleichen. Dasselbe gilt für den Gesang: Der epische Klargesang, der bei ANAAL NATRHAKH heute stilprägend ist, fehlt auf „The Codex Necro“ noch komplett. Stattdessen schreit, kreischt und growlt sich V.I.T.R.I.O.L. durchgehend derart brutal die Seele aus dem Leib, dass man sich rückblickend nur wundern kann, dass dieses erste nicht auch sein letztes Album als Sänger war.

Womit „The Codex Necro“ folglich nicht aufwartet, ist eine große stilistische Bandbreite oder gar Abwechslungsreichtum: Wer sich schon nach den ersten Songs oder gar Takten fragt, wie er diesen ungestümen Lärm noch länger ertragen soll, hat bei insgesamt 46 Minuten einen harten Marsch vor sich. Denn ANAAL NATHRAKH gönnen dem Hörer weder eine Verschnaufpause, noch weichen sie auch nur einen Zentimeter von ihrem Pfad ab. Und der ist wirklich alles andere als bequem.

Wer jedoch Freude an einem solchen akustischen Gewaltexzess findet und, bildlich gesprochen, einfach mal wieder die Ohren durchgeputzt und den Mund mit der Faust abgewischt bekommen will, wird mit „The Codex Necro“ hinlänglich bedient. Der Twist aus epischer Melodik und brutaler Härte mag die späteren Alben spannender machen – „The Codex Necro“ zieht seine Stärke vielmehr noch aus roher Brutalität. Die jedoch ist hier wirklich bemerkenswert authentisch eingefangen.

Wertung: 7.5 / 10

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