CD-Review: Anaal Nathrakh - A New Kind Of Horror

September 2018

Besetzung

V.I.T.R.I.O.L. – Gesang
Irrumator – Gitarre, Bass, Programmierung

Tracklist

01. The Road To …
02. Obscene As Cancer
03. The Reek Of Fear
04. Forward!
05. New Bethlehem / Mass Death Futures
06. The Apocalypse Is About You!
07. Vi Coactus
08. Mother Of Satan
09. The Horrid Strife
10. Are We Fit For Glory Yet? (The War To End Nothing)


Eigentlich kann man ANAAL NATHRAKH nur lieben oder hassen. Mit den letzten Alben änderte sich das jedoch. Als Fan lernte man: Man kann die Band auch lieben und hassen. Nicht, dass das Duo musikalisch zugänglicher geworden wäre. Aber selbst eingefleischte Liebhaber des unverkennbaren, ultimativ brutalen Musikmixes fingen an, den Briten die stilistische Stagnation übelzunehmen, die mit den letzten Alben bei den einst so unangepassten, querdenkenden ANAAL NATHRAKH Einzug gehalten hatte. Damit dürfte nun fürs Erste Schluss sein.

Vielleicht haben Irrumator und V.I.T.R.I.O.L. es selbst gemerkt, vielleicht wurde es ihnen zugetragen. Fakt ist: Mit „A New Kind Of Horror“ lehnen sich ANAAL NATHRAKH mit aller Kraft gegen ebenjene Vorhersehbarkeit, die die letzten Alben geprägt hatte. Eröffnet „Obscene As Cancer“ den Reigen noch bandtypisch mit der unnachahmlichen Kombination aus kaum zu steigernder Härte und der packenden Melodik im kristallkaren Refrain-Gesang, der sonst vornehmlich einzelne Album-Hits wie „Paragon Pariah“ auszeichnete, überraschen ANAAL NATHRAKH im Folgenden nicht nur einmal.

Ob der dämonisch geträllerte Gesang in „The Reek Of Fear“, der brutale Sound einer Waffe, die nachgeladen und abgefeuert wird, als Beat von „Forward!“, sphärische Keyboards im Hintergrund von „New Bethlehem – Math Death Futures“, das in Sachen Epik neue Maßstäbe setzt und dahingehend nur vom finalen „Are We Fit For Glory Yet (The War To End Nothing)“ überboten wird, in dem ANAAL NATHRAKH nochmal alle Register ziehen: Kaum ein Song auf „A New Kind Of Horror“ sorgt nicht mindestens für eine hochgezogene Augenbraue.

Dazwischen bleiben ANAAL NATHRAKH (zum Glück) ganz die Alten: Der Drumcomputer ballert in mörderischem Tempo, die Riffs knallen druckvoll aus den Boxen und wenn man einen klaren Gedanken fassen kann, dann drehen diese sich zumeist um die bemitleidenswerten Stimmbänder von V.I.T.R.I.O.L.. Himmel, was will man mehr?

Um Hater geht es bei ANAAL NATHRAKH schon lange nicht mehr: Wer die Band früher verrückt fand, wird sie für dieses Werk wohl am liebsten direkt einweisen lassen. Den Fans, selbst den zuletzt enttäuschten, sei „A New Kind Of Horror“ jedoch wärmstens empfohlen. Das Album stellt tatsächlich dar, was der Titel verspricht: Eine ganz neue Form Irrsinn – und das im besten Sinne.

Bewertung: 9 / 10

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