CD-Review: ASP - Verfallen - Folge 1: Astoria

Besetzung

Asp – Gesang
Sören Jordan – Gitarre
Lutz Demmler – Gitarre
Tossi Gross – Bass
Stefan Günther – Schlagzeug

Tracklist

01. Himmel und Hölle (Kreuzweg)
02. Mach’s gut, Berlin!
03. Zwischentöne: Ich nenne mich Paul
04. Zwischentöne: Baukörper
05. Begeistert (Ich bin unsichtbar)
06. Zwischentöne: Lift
07. Astoria verfallen
08. Souvenir, Souvenir
09. Zwischentöne: Blank
10. Dro[eh]nen aus dem rostigen Kellerherzen
11. Alles, nur das nicht!
12. Loreley
13. Fortsetzung folgt … 1


15 Jahre, 9 Studioalben – nicht viele Bands können es in puncto Produktivität mit ASP aufnehmen. Doch nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ machen die Erfinder des „Gothic Novel Rocks“ mit jedem neuen Album auf sich aufmerksam, sodass selbst die weniger überzeugenden Veröffentlichungen nicht als „schlecht“ zu bezeichnen sind. Wie schon auf den Vorgängeralben schrecken ASP auch auf „Verfallen – Folge 1: Astoria“ nicht vor kleinen Experimenten zurück.

Auf „Himmel und Hölle (Kreuzweg)“ merkt man davon noch nicht allzu viel, beginnend mit sanften Akustikgitarren, fortgesetzt mit rockigen Riffs und chorähnlichem Gesang. Typisch ASP, könnte man sagen, aber definitiv im guten Sinn. Vor allem der überaus eingängige Refrain mit seinen Gothic-rockigen Gitarren lässt von Anfang an mitfiebern. „Mach’s gut, Berlin!“ hingegen ist eine erstklassige Halbballade, zuerst sehnsüchtig mit Piano und Streichern, später gesellen sich schleppend metallische Gitarren dazu. Dabei schaffen es ASP – wie schon so oft – perfekt, Emotionen zu transportieren, hierbei den bittersüßen Abschied von der Heimat, während „Zwischentöne: Ich nenne mich Paul“ die daran anschließende Aufbruchsstimmung und Reiselust wiedergibt. Das hier stimmig eingesetzte Akkordeon hätte man im Vorhinein wohl nicht erwartet, noch kurioser im positiven Sinn sind jedoch die Tango-Elemente in „Zwischentöne: Lift“ und „Loreley“, und auch das doomige, zehn Minuten lange „Dro(eh)nen aus dem rostigen Kellerherzen“ stellt eine Neuerung im ASP-Katalog dar.
Die musikalische Vielfalt verliert sich jedoch nie in Spielereien, sondern passt immer in den Erzählfluss, sodass man regelrecht spürt, wie sich die Stimmung im Verlauf des Albums parallel zu den Texten verdüstert. Letztere sind zwar manchmal ein wenig zu direkt und unverblümt formuliert, erzählen aber eine interessante Gruselgeschichte um das verlassene Luxushotel Astoria, also punkten ASP auch in diesem Aspekt selbst nach so einer langen Musikkarriere immer noch mit Einfallsreichtum. Dabei halten sie aber ebenso an alten Tugenden fest, wie beispielsweise beim energetischen Titeltrack, dessen schmachtender Refrain ein absolutes Highlight darstellt. Der Gesang ist so gekonnt eingesetzt, wie man es vom namensgebenden Frontmann gewohnt ist, mal erhaben, mal sehnsüchtig, dann wieder aggressiv oder erzählerisch.
Die Instrumente werden eher simpel gespielt, nur hin und wieder findet sich etwas metallische Raffinesse, so zum Beispiel beim Solo in „Begeistert (Ich bin unsichtbar)“. Das fällt aber nie störend ins Gewicht, denn wie schon der Gesang wird die instrumentale Untermalung immer passend in Szene gesetzt. Zudem ist ebenjene Einfachheit der Grund für die angenehme Eingängigkeit, die die Musik von ASP auszeichnet. Neben den bereits genannten Instrumenten kommen noch hin und wieder mysteriöse Synthesizer zum Einsatz, die ebenso zur geheimnisvollen Atmosphäre beitragen, die auf „Astoria“ vorherrscht.

ASP beweisen mit ihrem neuen Werk also einmal mehr, dass sie zu Recht eine der Größen der Schwarzen Szene sind. Es ist nicht unbedingt ein makelloses Album, die drei Zehnminüter hätte man beispielsweise durchaus auch kürzer gestalten können, aber in seiner Gesamtheit stellt „Astoria“ eine Bereicherung für die ASP-Diskographie dar. Vor allem das Grundkonzept und die kleinen stilistischen Experimente wissen zu gefallen, dabei fehlt aber auch nicht das, was man sonst von ASP kennt und mag.

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Bewertung: 8 / 10

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