ASP - Endlich Cover

Review ASP – ENDLiCH!

ASP können auf eine bewegte Bandgeschichte zurückblicken. Mit dem fünf Alben starken „Schwarzer Schmetterling“-Zyklus positionierten die musikalischen Geschichtenerzähler sich an der Spitze der schwarzen Szene Deutschlands, nur um anschließend mit ihrer musikalischen Verarbeitung der Krabat-Sage auf „Zaubererbruder“ (2008) die Herzen der hiesigen Mittelalter-Fans für sich zu gewinnen. Der mit „Fremd“ (2011) eingeleitete, eher rock-orientierte „Fremder“-Zyklus sorgte hingegen für gemischte Gefühle, insbesondere im Vergleich zu dem zwischendurch eingeschobenen, stilistisch interessanteren „Verfallen“-Zweiteiler. Der Titel, den ASP sich für das Ende der zehn Jahre zuvor begonnenen Reihe überlegt haben, mag manchen daher – wenn auch nicht ganz wie von ASP gewollt – aus der Seele sprechen: „ENDLiCH!“.

Das Finale ihres zweiten Album-Quintetts feiern ASP wie bereits seinerzeit mit „Requiembryo“ (2003) im ganz großen Stil. Allein das zentrale Doppelalbum läuft 85 Minuten lang, dazu kommen je nach Edition eine bis zwei CDs bzw. eine zusätzliche LP mit Bonusmaterial, einem Bildband und anderem Merchandise – zu einem entsprechend beträchtlichen Preis, versteht sich. Im Gegensatz zu dem trotz seines monumentalen Umfangs nahezu durchgehend mitreißenden Abgesang auf den schwarzen Schmetterling bleibt „ENDLiCH!“ substanziell jedoch weit hinter seinen Möglichkeiten zurück. Von Song zu Song fischen ASP in ihrem eigenen Fahrwasser, ohne dabei den erhofften großen Fang an Land zu ziehen.

Ganz gleich, ob die Band sich wie im mit peppigen Streichern aufwartenden „Was du dir wünschst“ von ihrer folkigen Seite zeigt oder sich gar auf den düsteren Electro-Sound ihrer Anfangstage besinnt („The Eternal Stranger“), viele der Tracks wollen einfach nicht richtig zünden – von den austauschbaren Mid-Tempo-Rock-Nummern wie „Seerosenblüten von einst“ ganz zu schweigen. Den Tiefpunkt bildet ausgerechnet das von einer zuversichtlichen Aufbruchsstimmung geprägte „Echo“, das mit seiner poppig-seichten Instrumentierung auch für einen Auto-Werbespot herhalten könnte.

In der ersten Hälfte der Platte sticht lediglich das fetzige „Ziel“ positiv heraus, dessen Hook im Refrain jedoch derart ungelenk endet, dass Sänger Alexander Spreng die letzten Silben bewusst zu verschlucken scheint. Um den zweiten Teil des Werks ist es ein wenig besser bestellt. Mit dem rastlosen, von einem kalten Piano begleiteten „Spät“ und dem die Stimmung aufheizenden „Raise Some Hell Now!“ setzen ASP sich selbst zwar keine neuen Maßstäbe, liefern aber zumindest auf dem gewohnten Niveau ab. Die beiden Langstücke „Widmung“ und „Tor“ punkten hingegen mit ihren stimmigen Akustik-Einleitungen und ihrem erhabenen, mächtigen Grundton.

„ENDLiCH!“ ist bedauerlicherweise nicht der große Befreiungsschlag geworden, der den recht durchwachsenen „Fremder“-Zyklus rückwirkend vielleicht aufwerten hätte können. Wie die ersten vier Teile hat es seine Höhen und Tiefen, von letzteren allerdings leider um einige mehr als seine Vorläufer. Auch die Begeisterung über das Bonusmaterial – ein paar Tracks mit vermeintlich interessanten, im Ergebnis jedoch enttäuschend banalen Features und überflüssigen, gekürzten Versionen der Singles – hält sich in Grenzen. Am Ende drängt sich die Vermutung auf, dass ASP nicht so recht wussten, wie sie dieses nur teilweise packende Kapitel ihres Schaffens zu einem lohnenden Ende führen sollten. Es bleibt zu hoffen, dass den Erfindern des Gothic Novel Rocks bei ihrer nächsten musikalischen Erzählung wieder mehr aufregende Ideen zufliegen werden.

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Wertung: 5 / 10

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