CD-Review: Bergeton - Miami Murder

Besetzung

Morten Bergeton Iversen - Synthesizer, Gitarre

Tracklist

01. Arabian Nights
02. Depeche Load
03. FortApache Marina
04. Lambo
05. Miami Murder
06. Natasha - K.G.B.
07. The Demon
08. Valley Of Death


(Retro-/Synthwave) Nicht nur in der Mode, sondern auch in der Musik kehren Trends in Zyklen wieder. Das gilt für die Schallplatte, die es vom unpraktischen Tonträger zum Inbegriff des allgemeinen Retro-Trends gebracht hat, aber auch für den Synthwave, der erst modern (1980er), dann abgeschmackt (1990er) und später quasi nicht mehr vorhanden (2000er) war, eher er heute als „Retrowave“ wiederkehrt (also wieder voll im Trend) ist. Nachdem das Genre bereits durch diverse Acts mit Metal-Hintergrund wie Carpenter Brut oder Gost belebt wurde [mehr dazu in unserem Retrowave-Special!], mischt nun ein weiterer alter Bekannter mit: Mayhem– und Nidingr-Gitarrist Teloch, alias Morten Bergeton Iversen. Und wer mit zweitem Vornamen BERGETON heißt, wäre ja schön blöd, würde er daraus nicht den Projektnamen machen.

Als BERGETON gibt der Norweger nun also, nach diversen von ihm komponierten Black-Metal-Alben wie „The High Heat Licks Against Heaven“ (Nidingr, 2017), „Esoteric Warfare“ und „Daemon“ (Mayhem, 2014/2019) oder auch „In Bondage To The Serpent“ (Nunfuckritual, 2011) sein Debüt im Retrowave. In Computerspiel-Ästhetik und grellen Pink- und Lilatönen gehalten, ist „Miami Murder“ unter seinen bisherigen Werken ein echter Exot – während es zwischen anderen Retrowave-Releases quasi perfekt getarnt ist. Das gilt auch für die Musik: Wer hier aus reiner Loyalität zu Mayhem ein Ohr riskiert, dürfte schnell verstört das Weite suchen. Wer aber fetzigen Retrowave sucht, wird bei BERGETON auf ähnlich hohem Niveau fündig wie Black-Metaller bei seinen Black-Metal-Alben.

BERGETON gestaltet die gebotenen 37 Minuten in neun fast ausschließlich instrumental (respektive elektronisch) gehaltenen Songs nämlich extrem kurzweilig: Im besten Sinne vor sich hin düdelnde Melodien („Arabian Nights“) treffen auf unterschiedlich harte Beats – und das abwechselnd mit ordentlich Tempo („Depeche Load“) oder eher getragen („Miami Murder“). Dazu greift BERGETON mal für ein Solo zur Gitarre („Lambo“), mal auf die genretypischen Arcade-Game-Sounds zurück („FortApache Marina“). Apropos Sounds: Für diese setzt BERGETON statt auf antiquierte Hardware ganz auf moderne Software. Das Resultat klingt trotzdem beeindruckend authentisch nach ’80s – aber zeitgemäß produziert und erstaunlich vielseitig.

Auch was den Härtegrad angeht, bildet BERGETON auf „Miami Murder“ ein breites Spektrum ab: Während die Synthesizer zum Beginn von „Natasha – K.G.B.“ in Sankt-Otten-Manier wohlig-weich wabern, pumpt „The Demon“ fast schon mit Dubstep-Beats durch den Kopf (Club). Im finalen „Valley Of Death“ arbeitet BERGETON sogar mit Techno-Anleihen, die sogar der Aggro-Tech-Truppe Combichrist gut zu Gesicht stehen würden. Bei so viel Abwechslung, gerade im hinteren Teil des Albums, macht es gar nichts, dass „Miami Murder“ dem eingefleischten Retro-Synthwave-Fan gerade im vorderen Teil des Albums nichts gänzlich Neues zu bieten hat.

Mit BERGETON erweist sich Morten „Teloch“ Iversen einmal mehr als so versierter wie stilistisch flexibler Songschreiber, der dem Retrowave-Trend ebenso elegant zu folgen vermag, wie er im Black Metal stets am Puls der Zeit agiert. Dass er überhaupt erst in diesem Trendgenre mitmischt, mag ihm vielleicht so mancher hartgesottene (zu heiß gekochte?) Black-Metaller übel nehmen. Doch wie sagte schon Kritikerlegende Marcel Reich-Ranicki: „Im Trend sein hält ja auch gelenkig, wenn man das zeitgeistige Gehampel nicht zu ernst nimmt.“

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Bewertung: 9 / 10

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