CD-Review: Bleed From Within - Fracture

Besetzung

Scott Kennedy - Gesang
Steven Jones - Gitarre, Gesang
Craig "Goonzi" Gowans - Gitarre
Davie Provan - Bass
Ali Richardson - Schlagzeug

Gastmusiker:
Matt Heafy - Gitarre (Track 06)

Tracklist

01. The End Of All We Know
02. Pathfinder
03. Into Nothing
04. Fall Away
05. Fracture
06. Night Crossing
07. For All To See
08. Ascend
09. Utopia
10. A Depth That No One Dares


BLEED FROM WITHIN, die Band mit den schönsten Haaren Schottlands, melden sich mit ihrem neuen Album „Fracture“ zurück. Ziemlich genau zwei Jahre ist es derweil her, als sie auf ihrem vierten Full-Length „Era“ endlich ihre technischen Stärken mit tollem Songwriting kombinieren konnten und sich vom Stempel „Truppe mit viel verschenktem Potential“ befreien konnten. Entsprechend optimistisch darf man somit auch an den fünften Output des Glasgower Quintetts herangehen – waren die drei Vorab-Singles doch ähnlich vielversprechend.

Mit dem bereits im vergangenen November veröffentlichten „The End Of All We Know” startet die Band sogleich das Album – und erschafft damit wohl eher unfreiwillig einen Soundtrack, der zur derzeitigen Situation wie die Faust aufs Auge passt. Musikalisch lässt der Opener keine Zweifel daran, dass es sich hierbei um BLEED FROM WITHIN handelt: flinker Metalcore mit starken Einschlägen in Richtung Thrash Metal. Was man von den Schotten bislang jedoch nicht gewohnt war, ist der gesungene Refrain, in dem Gitarrist Steven Jones mit seiner wuchtigen Stimme vollends überzeugen kann. Dass dieses Element im Verlauf der Platte zwar vermehrt, aber nie aufdringlich oder übermäßig zum Einsatz kommt, fügt dem Sound der Truppe eine willkommene neue Facette hinzu, während sie sich ansonsten auf ihre altbekannten Trademarks besinnt und kein großes Risiko eingehen.

Grundsätzlich machen die Briten auf „Fracture“ auch nicht viel falsch. Ihre Instrumente beherrschen sie wie eh und je und Sänger Scott Kennedy ist in der relevanten Metalcore-Welt wohl der Frontmann, der einem jungen Winston McCall (Parkway Drive) am nächsten kommt. Das Manko des neuesten Outputs ist jedoch, dass zwar zwei Drittel der Songs am starken „Era“ anknüpfen, der Rest allerdings dieselben Schwächen im Songwriting aufweist, wie es zu Zeiten von „Uprising“ der Fall war. So preschen beispielsweise ein „For All To See“ oder ein „A Depth That No One Dares“ zwar mit hoher Geschwindigkeit, dennoch etwas belanglos vor sich her und bieten selbst nach mehrmaligem Anhören keinen Aufhänger, an den man sich erinnern kann. Im Gegensatz dazu überzeugen BLEED FROM WITHIN auf „Pathfinder“ mit eingängigen Stakkato-Leads und einem Breakdown, der einem ordentlich die Knochen durchrüttelt. Mit „Into Nothing“ kreiert die Saitenfront eine äußerst druckvolle Atmosphäre, die wie ein „Ruina“ vom Vorgänger jeden Pit zum Platzen bringen wird. Gepaart mit Ali Richardsons (ebenfalls Drummer bei Sylosis) präzisem und schleppendem Schlagzeugspiel mausert sich besagter Track zu einem echten Highlight.

Während mit dem Titeltrack „Fracture“ ein überraschend ruhig gehaltener Song für tolle Abwechslung sorgt und „Night Crossing“ noch mit einem Solo-Feature von Matt Heafy (Trivium) aufwartet, geht den Schotten gerade gegen Ende die Luft aus. So ergießt sich über dem Hörer zwar ein wahrliches Riffgewitter, die Songs folgen jedoch einem ähnlichen Schema und bemerkenswerte Leads und Melodien sucht man vergebens. Einzig das an den Opener erinnernde „Ascend“ kann nochmals die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Trotz allem muss man der Band auch bei den schwächeren Songs zugestehen: Sie bieten dem Hörer eine unbändige Energie und können dadurch gerade im Live-Kontext noch für die eine oder andere Überraschung sorgen.

Letztendlich sind es wohl auch die aufgrund von „Era“ besonders hohen Erwartungen, unter denen „Fracture“ leidet. Denn für sich betrachtet hat es der Hörer hier mit einem überdurchschnittlichen Metalcore-Album zu tun, das einem ordentlich Feuer unterm Hintern macht und songtechnisch ohne einen einzigen Totalausfall daherkommt. Die Schwächen im Songwriting sind stellenweise leider zurückgekehrt, im Großen und Ganzen aufgrund der durchweg vorhandenen Energie und Highlights wie „The End Of All We Know“, „Pathfinder“ oder „Fracture“ aber durchaus zu verkraften. Eine eindeutige Bewertung fällt daher schwer und zu den gegebenen sieben Punkten kann man gut und gerne noch einen Punkt draufpacken oder abziehen. Dies sei aber jedem beim empfohlenen Hören des Albums selbst überlassen.

Bewertung: 7 / 10

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