Review Cradle Of Filth – Godspeed on the Devil´s Thunder

  • Label: Roadrunner
  • Veröffentlicht: 2008
  • Spielart: Extreme Metal

CRADLE OF FILTH sind so etwas wie das ungeliebte Stiefkind in der Familie des schwarzen Metal. Seit inzwischen immerhin 17 Jahren im Geschäft und teilweise durchaus positiv aufgenommen, entwickelte sich der Sound der Band in den letzten Jahren in eine massenkompatiblere (wenn man bei den extremen Metalspielarten überhaupt von soetwas sprechen kann), gothisch-symphonische Richtung. Die Diskussion um „Trueness“ der Engländer wurde angeheizt und nicht wirklich schlechte – aber auch nicht herausragende – Alben wie „Nymphetamine“ oder „Thornography“ eher belächelt.

So war dann auch die Antizipation des nach wieder nur zwei Jahren fertiggestellten „Thornography“-Nachfolgers „Godspeed on the Devil’s Thunder“ ziemlich verhalten. Man erwartete eben altbekanntes. Ein großer Irrtum, wie sich herausstellt, sobald die silberne Scheibe erstmalig im CD-Player rotiert, die Boxen aufgedreht, der Bass auf höchste Stufe gestellt sind und die letzten Töne des Intros verklungen sind. Mit „Shat Out of Hell“ reißen Dani Filth und Konsorten allen Kritikern und Nörglern, allen, die glauben, die Wahrheit gepachtet zu haben, die Herzen heraus, treten mit 300 BPM darauf herum, lassen es furchtsam erzittern, zerquetschen und zerreißen es, setzen es dann dem Körper wieder ein, der daraufhin wider erwarten in göttlich-drogeninduzierten Sphären zu schweben scheint.

Unglaublicherweise ist genau das geschehen, womit wohl niemand gerechnet hätte: CRADLE OF FILTH haben einen Meilenstein geschaffen. Nicht unbedingt einen derjenigen, der in die Black-Metal Historie eingehen wird, aber gar nicht weit davon entfernt ist, wobei der Status für die Bandgeschichte wohl unanzweifelbar ist. Es drängt sich geradezu die Frage auf, was die Band all die Jahre zurückgehalten hat, diese episch-monströse Schönheit einzuknüppeln. Dani keift, faucht, schreit, grummelt, haucht und singt sich besser denn je durch die Geschichte des berühmt-berüchtigten französischen Adeligen Gilles de Rais, der an der Seite der Joanne D’Arc kämpfte und später als brutaler, skrupelloser Serienmörder und Satanist in die Annalen einging. Ein Konzeptalbum wie es im Buche steht.

Doch das alles ist nur die Spitze des metaphorischen Eisbergs. Den größeren, tödlicheren, brutal-kalten und nicht minder beeindruckenden Teil knallt man dem Hörer volle 71 Minuten um die Ohren. Blast-Beats bis zum Abwinken – Lob an Martin Skaroupka, der Adrian Erlandsson ersetzt – im Kontrast mit der Cradle-typischen pompösen, symphonischen Instrumentierung, Chören und einigen Gastsängern, die dem Konzept leben einhauchen. Wer Komplexität erwartet, wird bedient, denn trotz aller Melodik in all der Härte, erschließen sich viele Strukturen erst nach mehrmaligenm aufmerksamen Hören. Wer dagegen eher auf krasse Abwechslung steht, dürfte enttäuscht werden, da tatsächlich die volle Laufzeit wie mit einem Monstertruck über eine Blumenwiese gerast wird. Doch wenig Abwechslungsreichtum sollte keineswegs mit Monotonie verwechselt werden.

Ganz im Gegenteil macht die Mischung aus bombastischen Streichern und Chören, Groove – ohja, der Groove, es knallt, zischt und faucht, doch niemals ohne eine ordentliche Portion Groove – und Härte nach kurzer Zeit süchtig. Dazu trägt auch die Produktion von Andy Sneap bei, die glasklar und mächtig daherkommt, maßgeschneidert für all die Elemente, die CRADLE OF FILTH auf diesem – ihrem achten – Album vermengen. Wie schon erwähnt, legt „Shat Out of Hell“ ordentlich los und prescht mit 200km/h innerorts daher woraufhin „The Death of Love“ das Tempo etwas runterschraubt und weiblichem Gesang eher die Gothic-Schiene bedient. „The 13th Caesar“ geht aber dann wieder direkt auf die Fresse. Besonders hervorzuheben sind „Tragic Kingdom“ und besonders die beiden achtminüter „Midnight Shadows Crawl to Darken Counsel with Life“ und „Darkness Incarnate“, die wirklich durchgängig begeistern.

Langjährige Fans, die schon an „Cruelty and the Beast“ gefallen fanden, werden sich mit „Godspeed …“ sehr wohl fühlen und auch sonst sei zumindest ein Ohr riskiert. Wenn man so gar nichts mit der CRADLE OF FILTH anfangen kann, empfiehlt sich die Vorstellung, es sei eine völlig andere Band, obwohl das schwer fallen dürfte, wenn man sich mit dem Backkatalog auskennt. In meinen Augen hat dieses Album seine Wertung auf jeden Fall verdient.

Wertung: 9.5 / 10

Geschrieben am 6. April 2013 von Metal1.info

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