CD-Review: Draconian - Turning Season Within

Besetzung

Anders Jacobsson – Gesang
Lisa Johansson - Gesang
Johan Ericson - Gitarre
Daniel Arvidsson - Gitarre
Fredrik Johansson - Bass
Jerry Torstensson - Schlagzeug

Tracklist

01. Season Apart
02. When I Awake
03. Earthbound
04. Not Breathing
05. The Failure Epiphany
06. Morphine Cloud
07. Bloodflower
08. The Empty Stare
09. September Ashes


„Turning Seasons Within“, das neue und vierte Album der Gothic/Doom Band DRACONIAN schafft es über weite Strecken ohne Kitsch große Emotionen zu transportieren. Eine wirklich große Leistung für eine Band dieses Genres, zumal wenn diesmal die Liebe – und nicht wie aus dem Titel abzuleiten die Auswirkungen der Erderwärmung auf den Verlauf der Jahreszeiten – als Thematik gewählt wurde. So unspektakulär das Thema ist, so unspektakulär ist die Instrumentierung der Stücke. Hier werden keine Experimente gewagt, sondern der genretypische und auch mit den Vorgängeralben beschrittene Weg konsequent fortgesetzt! Während das 2003er Labeldebut „Where Lovers Mourn“ noch relativ ausgewogen das Gothic und Doom Genre bediente, war das 2005er Werk „Arcane Rain Fell“ deutlich härter und eher dem Doom/Deathmetal zu zuordnen. Das Vorängeralbum von „Turning Season Within“ schließlich hatte wieder eine stärkere Gothicschlagseite, sodass die erneute (leichte) Korrektur des Stils in härtere Gefilde naheliegend ist. Diese drückt sich vor allem in dem wuchtigen Sound und der stärkeren Rifforientierung der Band sowie einigen schnelleren Passagen aus.

Der Anfang ist jedoch noch ganz klassisch im gothic-typischen Midtempo gehalten und führt zu leichter Pianobegleitung die liebliche Stimme von Sängerin Lisa ein. Als nicht unbedingt größter Fan von Frauengesang muss ich ihr jedoch eine sehr angenehme, leicht zerbrechliche aber zu keinem Zeitpunkt penetrante Stimme attestieren. Entgegen vieler Genrekolleginnen versucht sie sich nicht mehr als nötig in den Vordergrund zu singen. Genau so songdienlich – wenn auch völlig anders – verhält sich ihr Gesangskollege Anders. Versucht er zu anfangs noch den typisch tief grunzenden Männergesang zu zelebrieren, klingt er mit zunehmender Spielzeit des Albums deutlich angepisster und lässt sich zu tiefem Gekeife hinreißen was besonders den härteren und schnelleren Passagen von „Turning Season Within“ gut zu Gesicht steht. Auch die eingesprengselten Sprechteile (z.B. „When I Awake“) schaffen nochmal zusätzlich eine schöne Atmosphäre. Neben den zwei wirklich sehr gut agierenden Sängern wirkt der Rest der Truppe etwas blass, zwar gibt es hier und da ein nettes Gitarrensolo oder etwas Pianogeklimper aber wirklich herausragen kann keiner der Akteure.

Das Eingehen auf einzelne Stücke fällt hingegen etwas schwer. Was mir schon bei den ersten nicht bewussten Durchläufen auffiel, wird beim genaueren Hinhören evident. Es gibt keine Schwachpunkte auf der neuen Platte, absolute Highlights können DRACONIAN allerdings auch nicht setzen. Das Album ist fraglos sehr gut geworden und erzeugt über seine komplette Spielzeit eine herrlich düstere und traurige Stimmung, nur leider schaffte es kein einziges Stück (mit Ausnahme des letzten, hoch emotionalen und lediglich mit einem Sprechteil ausgestatten Tracks „September Ashes“) einen Akzent zu setzen. Ich hatte auch nach dem zigten Durchlauf noch unheimlich Probleme mich auf der Platte zu orientieren, zu ähnlich sind die Kompositionen, Songstrukturen und Stimmungen die hier geboten werden! Vereinzelte schöne Melodiebögen wie bspw. bei „Bloodflower“ bleiben zwar etwas im Gedächtnis, richtige Ohrwürmer sucht mal jedoch vergeblich.

DRACONIAN liefern also ein starkes wenn auch zu gleichförmiges Album ab. Freunde düsterer Klänge werden dennoch voll auf Ihre Kosten kommen und spätestens wenn man die Stücke mit andern Bands auf seinem MP3-Player mischt sollte die ganze Klasse der Schweden zum Ausdruck kommen. Für sich genommen kann man ihnen nur raten den sehr guten Weg mit etwas mehr Mut anzugehen, dann können wir uns noch wahrlich Großes von ihnen erhoffen. Dass Napalm Records fast das ganze Album mit Voiceovers verstümmelt hat, ist für den Käufer des Albums zwar unerheblich, dokumentiert allerdings, dass auch bei den Österreichern kommerzielle Überlegungen über den Wert der Musik gehen, sonst hätte man sich nicht derart an den fragilen Stimmungen auf „Turning Season Within“ vergangen.

Bewertung: 7.5 / 10

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