CD-Review: Draconian - Under A Godless Veil

Besetzung

Heike Langhans – Gesang
Johan Ericson – Gitarre, Gesang
Daniel Arvidsson – Gitarre
Jerry Torstensson – Schlagzeug, Perkussion
Anders Jacobsson – Keyboard, Gesang

Gastmusiker:
Daniel Änghede – Bass

Tracklist

01. Sorrow Of Sophia
02. The Sacrificial Flame
03. Lustrous Heart
04. Sleepwalkers
05. Moon Over Sabaoth
06. Burial Fields
07. The Sethian
08. Claw Marks On The Throne
09. Night Visitor
10. Ascend Into Darkness


Fünf Jahre ist es bereits her, dass DRACONIAN mit „Sovran“ (2015) eindrucksvoll unter Beweis stellten, dass das von Bands wie Tristania und Theatre Of Tragedy begründete „Beauty-And-The-Beast“-Schema immer noch zu Tränen zu rühren vermag. Selten klingt Doom Metal auf derart schöne Weise niederschmetternd wie auf dem sechsten Album der schwedischen Band. Inmitten einer um sich greifenden Pandemie, der zügig voranschreitenden Klimakrise und der Fülle an nach wie vor nicht überwundenen sozialen Missständen braucht man zwar eigentlich wirklich nicht noch einen Grund, sich schlecht zu fühlen. Gerade bedrückende Musik kann mitunter aber auch eine Zuflucht sein, sodass DRACONIAN vermutlich sogar gerade den richtigen Zeitpunkt gewählt haben, um mit „Under A Godless Veil“ wieder von sich hören zu lassen.

Tatsächlich liegt fast schon etwas Trostspendendes in der Art und Weise, auf die DRACONIAN den Opener „Sorrow Of Sophia“ mit kühl hallenden Clean-Gitarren und Heike Langhans‘ schwermütigem Gesang einläuten. Wie es jedoch schon das kunstvoll inszenierte Coverbild – eine Fotografie der russischen Künstlerin Natalia Drepina – impliziert, herrscht auf „Under A Godless Veil“ eine Stimmung der Niedergeschlagenheit vor. Das von Gastbassist Daniel Änghede (ehem. Crippled Black Phoenix) unterstützte Quintett arbeitet wie zuvor vor allem mit dem Kontrast aus Langhans‘ glasklarer, an Sharon den Adel (Within Temptation) erinnernden Stimme und Anders Jacobssons grimmigen Growls, trostlos in die Länge gezogenen Gitarrenleads und getragenem Drumming.

Dass die emotionale Strahlkraft dieser schon lange bandtypischen Stilmittel sich immer noch nicht abgenutzt hat, demonstrieren DRACONIAN hier Mal um Mal mit Vorzeigesongs wie dem resignierenden „The Sacrificial Flame“. Dabei wagen die Schweden sich aber durchaus auch hin und wieder aus ihrer Komfortzone heraus. So haftet manchen Tracks wie dem ätherisch flirrenden „Sorrow Of Sophia“ fast schon ein gewisser Post-Rock-Touch an, in „Sleepwalkers“ schlagen DRACONIAN ungewohnt träumerische Töne an und „Burial Fields“ überrascht mit kalten Ambient-Klangflächen.

Zugleich finden sich auf der Platte einige Parts, die mit zu dem intensivsten Material gehören, das bis dato von der Band veröffentlicht wurde – zum Beispiel das sich im Refrain mächtig aufbäumende „The Sethian“ und der von finsterem Tremolo-Picking getragene Neunminüter „Ascend Into Darkness“, der wie Musik aus dem Auge eines Sturms klingt. Die atmosphärische Dichte der Stücke stützt sich allerdings ebenso auf die wunderbar vielschichtige Produktion, die der des Vorgängeralbums in nichts nachsteht.

Dass „Under A Godless Veil“ nicht ganz so schnell ins Ohr geht wie „Sovran“ und auch den einen oder anderen weniger beeindruckenden Track wie etwa das träge, von Jacobssons Growls dominierte „Moon Over Sabaoth“ beinhaltet, ist im Großen und Ganzen ein zu vernachlässigender Kritikpunkt. DRACONIAN zeigen sich hier einmal mehr als eine der konsistentesten und einfallsreichsten Bands ihres Genres. So grazil und berührend Songs wie „Sorrow Of Sophia“ und „Sleepwalkers“ sind, muss man sich fragen, weshalb nicht mehr Gruppen an der Schnittstelle zwischen Gothic und Doom Metal ihre Musik mit Post-Rock-Einflüssen verschönern. In dieser Hinsicht werden DRACONIAN wohl noch eine ganze Weile die Nummer eins bleiben.

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Bewertung: 8 / 10

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