CD-Review: Emma Ruth Rundle - On Dark Horses

Besetzung

Emma Ruth Rundle – Gesang, Gitarre, Flöte, Perkussion
Evan Patterson – Gesang, Gitarre, Piano
Todd Cook – Bass
Dylan Naydon – Schlagzeug, Perkussion

Tracklist

01. Fever Dreams
02. Control
03. Darkhorse
04. Races
05. Dead Set Eyes
06. Light Song
07. Apathy On The Indiana Border
08. You Don’t Have To Cry


Obwohl es rational betrachtet Sinn macht, dass wir uns als Menschen selbsterdachten Normen unterwerfen, kann es doch manchmal aufs Gemüt schlagen, in einer Welt voller Regeln, Zwänge und Erwartungen zu leben. Dem archaischen Drang nach Freiheit, dem tief in uns verborgenen Tier, leiht EMMA RUTH RUNDLE auf „On Dark Horses“ nunmehr ihre Stimme und bildet damit zugleich ihren eigenen Werdegang als Solomusikerin ab. Über drei Platten hinweg hat sich die amerikanische Singer-Songwriterin kontinuierlich neuen Einflüssen über geöffnet, ist dabei über ihre Folk-Wurzeln hinausgewachsen und hat sich somit über ihre etwaigen selbstgesteckten Grenzen hinweggesetzt.

Ihrem guten Ruf – so viel sei an dieser Stelle schon mal verraten – sollte auch Album Nummer vier keinen Abbruch tun. Zwar hat EMMA RUTH RUNDLE auf „On Dark Horses“ erstmals einige der Gitarren-Parts aus der Hand gegeben, dennoch ist die Platte um keinen Deut weniger persönlich als ihre bisherigen Veröffentlichungen. Nach wie vor, wenn nicht sogar noch tiefer im Post-Rock angesiedelt, sind es vor allem die Singer-Songwriter-Sensibilität und die markanten Folk-Untertöne in Gesang und Komposition, die das Schaffen der Amerikanerin in ihrer Nische zu etwas Besonderem machen.

Wie es das Indie-mäßige, in warmen Brauntönen gehaltene Artwork suggeriert, hat sich EMMA RUTH RUNDLE klanglich ein wenig neu ausgerichtet. Die eher kalte Atmosphäre von „Marked For Death“ ist einem erdigen, organischen Grundton gewichen, was sich insbesondere in den Passagen zeigt, in welchen die Gitarren mit mehr Nachdruck gespielt werden. Den vermeintlichen Kontrast zu den sphärischen Clean-Gitarren überbrückt die talentierte Einzelkünstlerin ganz wie von selbst. Somit stehen die zumeist ätherischen, sanften und zurückhaltend arrangierten Strophen („Darkhorse“, „Races“) den kraftvolleren, bodenständigeren Refrains („Control“) keinesfalls gegenüber – sie ergänzen einander ohne auch nur die geringste Bruchstelle.

Ganz besonders hervorragend funktioniert diese innige Symbiose im „Light Song“, der den Hörer in Gedanken einen mächtigen Canyon überblicken lässt und damit in ehrfürchtiges Staunen versetzt. Dem vielschichtigen, aber niemals überladenen, natürlichen Fluss der Musik setzt EMMA RUTH RUNDLE mit ihrem Gesang die Krone auf: Mal singt sie voller Wehmut („Fever Dreams“), dann wiederum spendet sie mit ihrer Stimme Trost und Hoffnung („You Don’t Have To Cry“), ohne dabei auch nur einmal pathetisch oder gekünstelt zu klingen.

Was EMMA RUTH RUNDLE auf „On Dark Horses“ geschaffen hat, ist nicht unbedingt revolutionär, allerdings ohne jeden Zweifel denkwürdig, eigenständig und schlichtweg fantastisch. Ein Mal mehr hat die Kalifornierin die schwebende Leichtigkeit des Post-Rock und die Natürlichkeit des Folk in einen absolut stimmigen Kontext gesetzt und im Zuge dessen acht gefühlsgeladene Stücke geschrieben, die schnell ins Ohr gehen und dort lange nachhallen. Wem Post-Rock sonst zu unnahbar oder Folk kompositorisch zu schlicht ist, sollte sich schleunigst dieses Album zulegen und sich von EMMA RUTH RUNDLE zeigen lassen, dass es auch anders geht.

Bewertung: 8.5 / 10

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