CD-Review: Evergrey - Monday Morning Apocalypse

Besetzung

Tom S. Englund – Gitarre, Gesang
Henrik Danhage - Gitarre
Michael Hakansson – Bass
Rikard Zander – Keyboards
Jonas Ekdahl – Schlagzeug

Tracklist

01. Monday Morning Apocalypse
02. Unspeakable
03. Lost
04. Obedience
05. The Curtain Fall
06. In Remembrance
07. At Loss For Words
08. Till Dagmar
09. Still In The Water
10. The Dark I Walk You Through
11. I Should
12. Closure


Mit „Monday Morning Apocalypse“ präsentieren uns die Schweden EVERGREY ihr nunmehr schon sechstes Studioalbum. Schon bevor die neue Scheibe einmal durchgelaufen ist, fällt zunächst die kurze Spielzeit von nur 44 Minuten verteilt auf immerhin zwölf Tracks auf. An sich eine Sache, mit der man nun klarkommt oder nicht. Im Falle vom neuen Werk deutet dies aber bereits auf die größte Änderung im Hause der fünf Metaller hin.
Die zwölf neuen Nummern sind bündiger und kompakter als bisher von den Jungs gewohnt. Lediglich „Still In The Water“ erreicht die Fünf-Minuten-Grenze, alles andere bewegt sich im Bereich von drei bis vier Minuten. Die Songs sind direkter denn je und bekommen durch die druckvolle Produktion auch einen sehr modernen Anstrich. Die Band selbst sagt über das Album: „Mit dem neuen Werk zeigen wir hoffentlich so deutlich wie nie zuvor, wozu diese Band in der Lage ist. Ziel war es bislang, uns mit jeder Scheibe künstlerisch zu steigern. Stillstand bedeutet Rückschritt und wäre für uns inakzeptabel.“

Dem letzten Satz kann ich uneingeschränkt zustimmen. Das vorliegende Material klingt definitiv gestraffter als die Songs der Vergangenheit. Die Frage an dieser Stelle ist nur: Ist diese Änderung mit Weiterentwicklung und künstlerischer Steigerung gleichzusetzen? EVERGREY waren für mich persönlich nie eine progressive Metalband. Ihr Sound war schon auf den Vorgängern recht eingefahren und klar abzustecken: Grundsolider Metal mit dunkler, manchmal gothic-artiger Atmosphäre, vor allem bedingt durch den Gesang von Tom S. Englund. Dazu tief gestimmte Gitarren, traurige Pianoläufe und ein knackiges Schlagzeug, verpackt in einer modernen Produktion. Der Songaufbau ist grundsätzlich relativ ähnlich und orientiert sich an dem allseits bekannten Standardschema und wird von immer gleichen, monotonen Riffs durchtränkt. „Monday Morning Apocalypse“ bietet im Grunde genommen genau diese Musik einmal mehr, nur dass man sich hier noch mehr selbst beschnitten und eingeschränkt hat, indem man die meisten Songs zugunsten von Kompaktheit und Härte zwei Minuten kürzer gehalten hat als gewohnt, wodurch natürlich Solopassagen sowie atmosphärische Parts fast wegfallen. Was schließlich übrig bleibt, sind zwölf Tracks, die beinahe voneinander geklont zu seien scheinen. Und das dann halt mal eher schlecht oder auch mal recht gelungen, wie in „Lost“, „In Remembrance“ oder dem Titeltrack, in denen die Melodien für kurze Zeit mitreißen können. Die einzigen Gegenpole sind das eigentlich wundervolle Piano-Interlude „Till Dagmar“, das leider aber nach eineinhalb Minuten schon vorbei ist – hier hätte man wesentlich mehr draus machen können – und die das Album abschließende Ballade „Closure“.

Ansonsten macht sich auf dem Album durch die Gleichförmigkeit, Einfallslosigkeit und immer gleichgearteten Melodien sehr schnell Langeweile breit. Der sehr einfache Aufbau der Songs wird logischerweise schnell reizlos, die dadurch entstandene „direktere Stoßrichtung“ reißt schon nach drei Durchläufen nicht mehr mit. Eigentlich schade, dass eine Band, die musikalisch und technisch zu mehr fähig ist, darin ihre bisher beste Leistung sieht. Wer sich von EVERGREY genau die beschriebene Entwicklung gewünscht hat, wird mit „Monday Morning Apocalypse“ wohl seinen Spaß haben. Vielleicht sind das sogar mehr Hörer, als ich denke. Dennoch bin ich überrascht, wie man absichtlich so unter seinen Fähigkeiten bleiben kann. Für mich ist das Album ungefähr so interessant wie eine Scheibe Trocken-Brot.
Zum Abschluss sei erwähnt, dass ich das Cover absolut daneben finde. Es ist maximal witzig, passt nicht zur Musik, stellt keineswegs einen Kaufanreiz dar und vermittelt zudem bei mir den Eindruck, dass EVERGREY unbedingt zu der Welle der ach so coolen „Modern-Metal“-Bands gehören wollen, die sich immer in modernen Posen auf dem Cover zeigen. Das habt ihr doch eigentlich gar nicht nötig!

Alles in Allem: Ein sehr kurzweiliger Spaß, der allerhöchstens live richtig aufblühen kann!

Bewertung: 6 / 10

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