CD-Review: Eye Of Nix - Ligeia

Besetzung

Joy Von Spain – Gesang, Gitarre
Nicholas Martinez – Gitarre
Zach Wise – Bass
Luke LaPlante – Schlagzeug
Masaaki Masao – Keyboard, Soundgestaltung

Tracklist

01. Concealing Waters
02. Pursued
03. Tempest
04. Stranded
05. Keres
06. Ligeia
07. Adrift
08. Stone & Fury


(Black / Doom Metal / Psychedelic Rock) Mit dem Re-Release ihres zweiten Albums „Black Somnia“ über Prophecy Productions haben EYE OF NIX sich 2018 als überaus interessantes Musikprojekt zu erkennen gegeben. Obwohl die Amerikaner mit ihrem psychedelisch angehauchten Blackened Doom Metal einen erfrischend unkonventionellen Auftritt hinlegten, fehlte es dem Album allerdings noch an soundtechnischem und kompositorischem Feinschliff. Schon zu jenem Zeitpunkt schien jedoch festzustehen, dass EYE OF NIX mit ein wenig Übung zu einem der spannendsten Acts im Roster des deutschen Labels avancieren würden. Und siehe da: Mit seinem dritten Album „Ligeia“ wird das Quintett diesen hohen Erwartungen tatsächlich gerecht.

Dabei hat sich auf den ersten Blick nicht besonders viel geändert. Schon im Opener „Concealing Waters“ offenbaren EYE OF NIX, dass sich in ihrer Musik nach wie vor alles um Joy Von Spains mysteriösen, expressiven Gesang, gewollt grobschlächtige, mäandernde Gitarrenriffs und einen wuchtigen Schlagzeugunterbau dreht. Davon abgesehen, dass die zwar abermals ungeschliffene, jedoch deutlich massigere Produktion diese Stilmittel wesentlich besser zur Geltung bringt als der schwächere Sound von „Black Somnia“, haben die Amerikaner ihren Stil hier noch extremer und vielseitiger gestaltet.

Der drittplatzierte Track „Tempest“ ist das beste Beispiel für die bemerkenswerte Entwicklung der Band und zugleich ein absolutes Highlight des Albums: Auf geradezu selbstverständliche Weise kombinieren EYE OF NIX darin monströse Growls, stimmgewaltigen Operngesang, donnernde Blast-Beats und verschrobene Keyboards – allesamt Stilelemente, die auch in den übrigen Stücken zum Zug kommen, hier aber besonders überwältigend zusammenwirken. Sowohl instrumental als auch gesanglich lassen EYE OF NIX sich nicht in die Karten schauen, sodass die etwa 46 Minuten lange Platte bis zuletzt spannend bleibt.

Mal eröffnen die Blackened-Doomer einen Song unvermittelt mit roher Brutalität („Pursued“), mal lassen sie beunruhigend schiefe, schwungvolle Clean-Gitarren („Ligeia“) oder harsche Noise-Sounds („Keres“) für sich sprechen. Die Gesangsstile, derer sich EYE OF NIX als Medium für ihre von Obsessionen, Süchten und Illusionen handelnden Texte bedienen, umfassen neben den erwähnten markigen Cleans, Operngesängen und Growls auch Flüstern, Kreischen und ausgezehrte Screams („Stone & Fury“). Das Kunststück, all diese unterschiedlichen Ausdrucksmittel kohärent miteinander zu verbinden, haben EYE OF NIX hier endgültig gemeistert und auf diesem Wege ein Album von immenser Bedeutsamkeit geschaffen.

Wenn es etwas gäbe, das man EYE OF NIX auf ihrem dritten Album zum Vorwurf machen könnte, dann wäre es wohl immer noch die Produktion. Der etwas zu plumpe Klang – insbesondere der Drums – stört jedoch insofern nicht allzu sehr, als „Ligeia“ ohnehin keine Platte ist, die im herkömmlichen Sinne „schön“ klingen will. Selbst in den nicht zu rar gesäten ruhigeren Momenten haftet der Musik etwas auf beängstigende Weise Surreales an und in den brachialen Metal-Parts erklimmen EYE OF NIX einen neuen Gipfel der Intensität. Mit seinen schwindelerregenden Höhen und undurchsichtigen Untiefen stellt „Ligeia“ die Hörerschaft vor eine nicht zu unterschätzende Herausforderung, belohnt die Ausdauernden jedoch mit einem einmaligen, eindringlichen Hörerlebnis.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Bewertung: 8 / 10

Geschrieben am

Antworten

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: