CD-Review: Fellwarden - Oathbearer

Besetzung

The Watcher – Gesang, Gitarre, Bass, Keyboard
Havenless – Schlagzeug

Tracklist

01. Guardian Unbound
02. Sun Of Ending
03. In Death, Valiant
04. Wayfarer Eternal
05. A Cairn-Keeper’s Lament
06. Sorrowborn


Frühe Ulver, Summoning, Drudkh, Negura Bunget, Emperor und Bathory, dazu noch die Werke von Gemmell, Tolkien, Eriksen und Hume – die Inspirationsquellen, die FELLWARDEN sich an die Brust geheftet haben, versprechen Großartiges. Das ambitionierte Atmospheric-Black-Metal-Duo, bestehend aus The Watcher und Havenless (beide von Fen), die mit ihrer neuen Band den kargen Felslandschaften im Norden Englands ein musikalisches Denkmal setzen wollen, legt nunmehr sein vielversprechendes Debüt „Oathbearer“ vor. Nun sind große Vorbilder eine Sache, die Musik der ihnen nacheifernden Band jedoch natürlich eine ganz andere. Doch wie klingt ebenjene denn im Fall von FELLWARDEN?

Obwohl die Stücke von FELLWARDEN allesamt sehr ausladend sind (das abschließende „Sorrowborn“ bringt es immerhin auf beinahe 13 Minuten Spielzeit), kommen die Engländer bereits auf dem Opener „Guardian Unbound“ schnell auf den Punkt. Von Anfang an ist klar, dass im Zentrum von „Oathbearer“ die rauschenden, schwermütigen Gitarren stehen, die nur von Zeit zu Zeit in definierte Tremolo-Wellen münden. Über diesen schweben beinahe unmerklich und doch omnipräsent atmosphärische Keyboard-Teppiche, die die transportierte Melancholie weiter vertiefen. Ebenfalls sehr stimmungsvoll sind die hallenden Akustikgitarren („In Death, Valiant“) sowie die melancholischen Clean-Gitarren, die zum Beispiel in der zweiten Hälfte von „Wayfarer Eternal“ die alleinige Führung übernehmen und den Track zu einem absoluten Highlight machen, indem sie ihm die Aura vergänglicher Schönheit verleihen.
Dabei sind die von FELLWARDEN erdachten Melodien eigentlich gar nicht so herausragend. Es gibt keine aufsehenerregenden Leadgitarren oder Tempowechsel, die den Hörern als Ausgangspunkt dienen könnten, um die Songs von dort aus zu ergründen. Vielmehr ist es die in jeder einzelnen Note zum Ausdruck kommende Grundstimmung, die das Debüt von FELLWARDEN zu einem so eindrucksvollen Hörerlebnis werden lässt.
Völlig einerlei ob nun erhaben getragen mit trübsinnigem, chorartigem Klargesang, schleppend oder stürmisch mit vielseitigen, rauen Screams und Blast-Beats, die Abwechslung ist hier niemals Selbstzweck, sondern stets im Einklang mit dem dahinterstehenden Sinn und Zweck. Der Mystik und Tristesse, die FELLWARDEN mit ihren zurückhaltenden Kompositionen zum Ausdruck bringen, kommt auch die formvollendete, perfekt ausbalancierte Produktion zugute, die die Songs in gleichem Maße verwaschen, klar und kraftvoll klingen lässt.

„Oathbearer“ ist eines dieser außergewöhnlichen Alben, die wirklich als solche im Ganzen gehört werden sollten, nicht einfach nur Track per Track. Damit werden FELLWARDEN vielleicht nicht so viel Aufmerksamkeit auf sich lenken können, wie es andere Bands des Genres mit ihrer Brutalität oder ihren einnehmenden Melodien zu tun vermögen. Wer jedoch bereit ist, sich darauf einlassen, wird mit einem Atmospheric-Black-Metal-Kleinod belohnt, das seinem Namen alle Ehre macht. Wer also einmal den Blick über die unwirtlichen Gebirge Nordenglands schweifen lassen möchte, der braucht dafür nicht wandern zu gehen – es reichen ein paar Kopfhörer, eine knappe Stunde Zeit und dieses Album.

Bewertung: 8 / 10

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