CD-Review: Forlorn Citadel - Songs Of Mourning / Dusk (Compilation)

Besetzung

Solace – Gesang, Instrumente

Tracklist

01. Battle
02. Valour
03. Loss
04. I
05. II
06. III


Dass sich ein Metal-Musiker das Pseudonym Solace (zu deutsch „Trost“) anheftet, mag ein Kuriosum sein – die Musik, die der besagte Australier in seinem Soloprojekt FORLORN CITADEL hervorbringt, könnte hingegen typischer nicht sein. Nachdem die Ein-Mann-Band auf ihrer Debüt-Demo „Dusk“ astreinen Dungeon Synth gespielt hatte, schlug man auf der nächsten Demo „Songs Of Mourning“ den Weg des Epic Black Metal ein. Es muss also mal wieder der allzu abgenutzte Vergleich mit Summoning herhalten. Wer dennoch oder sogar gerade deswegen neugierig auf FORLORN CITADEL geworden ist, hat nunmehr die Möglichkeit, sich anhand einer Compilation aller bisheriger Tracks eine fundierte Meinung über das Projekt zu bilden.

Eine Epic-Black-Metal-Veröffentlichung mit Summoning zu vergleichen, ist zwar in etwa so spitzfindig wie die Feststellung, dass Wasser flüssig ist, doch bei kaum einer Band drängt sich die Assoziation derart penetrant auf wie bei FORLORN CITADEL. Einfach alles auf „Songs Of Mourning“ schreit förmlich nach den österreichischen Genre-Vorreitern: die kratzigen Screams, die unscharf im Hintergrund rauschenden Gitarren und selbstverständlich auch die synthetische Orchestrierung mitsamt erhaben voranschreitender Perkussion.

Solace hat offensichtlich kein Interesse daran, zu verheimlichen, aus welcher Quelle er seine Einfälle für FORLORN CITADEL bezieht. So hätten etwa das heroische „Battle“ mit seinen simulierten Bläsern oder das mit melancholischen Pianotönen aufwartende „Loss“ problemlos auf Alben wie „Oath Bound“ gepasst, ohne dabei aus dem Rahmen zu fallen. Wer Wert auf künstlerische Einzigartigkeit legt, ist bei FORLORN CITADEL folglich an der völlig falschen Adresse. Die Akkuratesse, mit welcher der australische Newcomer seinen Idolen nacheifert, ist jedoch zweifellos eine lobende Erwähnung wert. Nicht nur aufgrund der identen Stilmittel könnte man FORLORN CITADEL leicht mit Summoning verwechseln, auch in qualitativer Hinsicht muss sich die Kopie nicht vor ihrem Original verstecken.

Wirklich interessant wird die Sache allerdings in erster Linie auf „Dusk“, wenn die Metal-Elemente und der Gesang pausieren. Die signifikant kürzeren, schlicht mit römischen Ziffern betitelten Instrumental-Tracks beinhalten praktisch alles, was man sich von stimmungsvollem Dungeon Synth wünschen kann. Hier gelingt es FORLORN CITADEL tatsächlich, mit ganz einfach gestrickten Tonfolgen eine einnehmende, urige Atmosphäre zu kreieren, die durch die lupenreine Produktion ungetrübt zur Entfaltung kommt. Insbesondere die Anmut der künstlichen Harfenklänge drückt in Kombination mit den marschierenden Rhythmen eine sonderbare, für das Genre jedoch charakteristische Erhabenheit aus („II“).

Wie es um die Daseinsberechtigung von FORLORN CITADEL bestellt ist, wenn es bereits Dutzende etabliertere Bands vom selben Schlag gibt, die schon seit Jahren hervorragende Platten herausbringen, ist sicherlich diskutabel. Trotzdem lässt sich nicht abstreiten, dass es sich bei „Songs Of Mourning“ und „Dusk“ um durchwegs konsistente, tadellos umgesetzte Veröffentlichungen handelt, insbesondere für Demo-Verhältnisse. Wer für Summoning, aber auch für alte Neoklassik-Kapellen wie Die verbannten Kinder Evas und Dargaard schwärmt, sollte an der halbstündigen Compilation auf alle Fälle Gefallen finden und dem für 2019 angekündigten Debüt-Full-Length mit Vorfreude entgegenblicken.

Keine Wertung

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