CD-Review: Ghost - Infestissumam

April 2013

Besetzung

Papa Emeritus II – Gesang
Nameless Ghoul – Gitarre
Nameless Ghoul – Gitarre
Nameless Ghoul – Bass
Nameless Ghoul – Schlagzeug
Nameless Ghoul – Keyboard

Tracklist

01. Infestissumam
02. Per Aspera Ad Inferni
03. Secular Haze
04. Jigolo Har Megiddo
05. Ghuleh / Zombie Queen
06. Year Zero
07. Idolatrine
08. Body And Blood
09. Depth Of Satan's Eyes
10. Monstrance Clock


Il Padre/ Il Filio/ Et Lo Spiritus Malum/ Omnis Caelestis/ Delenda Est./ Anti Cristus/ Il Filio De Sathanas/ INFESTISSUMAM
Mit dem ersten Ton ist klar, dass die Könige des Occult Rock zurück sind, nach 22 Sekunden ist die Marschrichtung vorgegeben und nach gut 30 Sekunden ist man ganz weit entfernt von der Realität und versunken in „Infestissumam“, dem zweiten Album von GHOST.

„Ad Aspera Ad Inferni“ heißt der erste Song (mal abgesehen vom Intro) und dieser zeigt die Band in Höchstform: Ein recht simpel gehaltenes Riff ergänzt sich mit dem Keyboard, Schlagzeug und Bass bilden eine rhythmische Basis, auf welcher sich der Gesang voll entfalten kann. In den Strophen erzählend und im Refrain beschwörend bildet die Stimme von Papa Emeritus II ein zentrales Element dieses Songs, der absolut mitreißend ist.
„Secular Haze“ folgt und ist schon länger bekannt. Allerdings warf diese vorab veröffentlichte Single so einige Hörer leicht aus der Bahn, wirkte der Weimar-Kabarett-Walzer doch so surreal, wie er auch für die Band ungewöhnlich war. Allerdings ist dieser Track ein Fingerzeig auf die restlichen Stücke der Platte. GHOST wagen sich weiter vor und erobern dabei düsterere und eklektischere Gebiete als noch auf ihrem Debüt.
„Jigolo Har Meggido“ lebt von einem absteigenden Basslauf, welcher der Musik einen gewissen Schwung verleiht. Hooks und Atmosphäre verschmelzen hier derart griffig, dass man schon fast Angst haben muss, dass der Mainstream sich diese Band unter den Nagel reißt. Dies wird dann aber wohl doch durch den explizit propagierten Satanismus der Band verhindert werden, was den eingefleischten Occult-Rock-Fans nur recht sein kann.
Mit „Ghuleh/Zombie Queen“ folgt ein Song, der zum einen schizophren daherkommt, zum anderen eine derart grandiose Epik transportiert, dass man vor Freude niederknien möchte. Im ersten Teil des (knapp) Achtminüters lassen sich lediglich Keyboard und Schlagzeug hören, allerdings auch das ganz dezent, um die zerbrechliche Stimmung, hervorgezaubert durch den Gesang, nicht zu zerstören. Doch dann das: Nach einem kleinen Klavierlauf durchbricht die Gitarre die nachdenkliche Stimmung, das Schlagzeug treibt und das Keyboard legt einen Wahnsinnslead hin – die Zombie Queen ist da! Ein irrer Übergang, ein totaler Bruch und doch so umgesetzt, dass es einfach funktioniert. Von nachdenklich-zerbrechlicher Stimmung zu majestätischer Epik in unter zwölf Sekunden – Chapeau!
Höhepunkt des Albums? Mit Nichten! Dazu schwingt sich das nachfolgende „Year Zero“ auf. Mit seiner Kombination aus gregorianischem Chorgesang, einem dicken Riff, akzentuiertem Schlagzeugspiel und seinem Schwanken zwischen erdigem Hard Rock und epischer Sakralmusik ist dieser Track eine absolute Hymne, die mit ihrer brillanten Atmosphäre stark an „Calva Con Dio“ erinnert.
Was soll darauf noch folgen? Kann nicht alles was noch kommt, nur ein Versuch sein, an diesen Song heranzukommen – ein Versuch, der per Definition fehlschlagen muss? Nicht im Geringsten, oh Ungläubige! „Idoaltrine“ begeistert durch sein Spiel mit nahöstlichen Melodien und fügt damit dem GHOSTschen Klangspektrum eine weitere Nuance hinzu, während „Body And Blood“ ein klassischer GHOST-Song ist. Dieser birgt zwar keine atemberaubenden Neuerungen, ist aber aus sich heraus dermaßen mitreißend, dass er nicht abfällt. In „Depth Of Satan’s Eyes“ wird noch einmal mit ganz breitem Pinsel an der Atmosphäre gemalt, ehe mit „Monstrance Clock“ ein Rausschmeißer geboten wird, der dem Fass den Boden ausschlägt. Come together, together as a one/Come together for Lucifer’s son beschwört der Gesang die Hörer und man ist geneigt dem ohne Zweifel nachzukommen. Ähnlich wie „Ritual“ ist dies ein Song, der die rituelle Seite Band und den Ritus-Charakter ihrer Shows unterstreicht.

„Infestissumam“ war vielleicht das meist-erwartete Album des Jahres und GHOST melden sich mit einem absoluten Monster zurück. Die Band behält ihren Sound bei, erweitert diesen jedoch gekonnt um weitere Aspekte. Das Beeindruckendste ist aber die Art und Weise, auf die GHOST ihre satanische Rhetorik in ihre klassischen Hard-Rock-Melodien inkorporieren. Die Platte ist ein wilder Ritt mit unerwarteten Wendungen, bleibt dabei aber unzweifelhaft zu jeder Zeit als GHOST erkennbar. Absoluter Plichtkauf und die Abstimmung zum „Album des Jahres“ hat sich auch erledigt, denn so sehr einen die Platte beim ersten Hördurchlauf gefangen nimmt, so sehr wächst der Genuss mit jedem weiteren Durchlauf.

Bewertung: 10 / 10

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