CD-Review: God Is An Astronaut - Far From Refuge

Besetzung

Torsten Kinsella - Gitarre, Klavier, Keyboard
Niels Kinsella - Gitarre, Bass
Lloyd Hanney - Schlagzeug, Synths

Gastmusiker:
Chris Hanney - Gitarre
Pat O'Donnell - Gitarre, E-Bow, Streicher

Tracklist

01. Radau
02. Far from Refuge
03. Sunrise in Aries
04. Grace Descending
05. New Years End
06. Darkfall
07. Tempus Horizon
08. Lateral Noise
09. Beyond the Dying Light


Über Zahlen sollte man sich nicht so viele Gedanken machen, doch irgendwie sollte es für mein 100. Review auf dieser Seite hier trotzdem eine besondere Scheibe werden und nicht eine x-beliebige Promo, die man mehr oder weniger mag, aber eben schreiben muss. Meine Wahl fällt auf ein Album, das mich 2007 vollkommen verblüfft hat und eine Band erst hat entdecken lassen. Die Rede ist vom dritten Studioalbum der Iren GOD IS AN ASTRONAUT: „Far From Refuge“.

Der Einstieg fällt wesentlich aggressiver und direkter als beim Vorgänger aus, was schon alleine durch den Titel „Radau“ deutlich wird. Das Gitarrenspiel und die Synths kommen schnörkellos zum Punkt und entwickeln von Anfang an ihre eigene, zeitlos anmutende Eleganz, die mit ihren Melodien den Hörer in den Bann zieht. Die Symbiose der Instrumente scheint darüber hinaus noch um einiges weiter gereift zu sein, so dass durch diese handwerkliche Basis Ausfälle schon von vornherein ausgeschlossen werden können. Der Dynamikumfang der Werke ist fast schon genretypisch stark ausgeprägt, ohne Langeweile aufkommen zu lassen. Das Spiel mit Laut und Leise ist an sich ein einfaches, doch um damit zu begeistern, benötigt es trotzdem eine Menge an Können. Das haben GOD IS AN ASTRONAUT ohne Zweifel und zeigen sich so abwechslungsreich wie man nur sein kann. Das ganze verpackt man in Stücke, die trotz ihrer relativen Kürze kleine Epen sind. Das Resultat ist schlichtweg beeindruckend: Sequenzen voller Pathos, monströse Klangungetüme und mächtige Breitwandgitarren komprimiert in durchschnittlich fünf Minuten.

Schon der Titel und das Coverartwork deutet auf ein von der Stimmung her dunkleres Album hin, als es „All Is Violent, All Is Bright“ und im Grunde stimmt das sicher. Jedenfalls so lange, bis man sich genauer mit dem Werk beschäftigt und seine Facetten entdeckt, die es Durchlauf für Durchlauf mehr entfaltet. Trotzdem sticht ein Titel heraus, der fast schon das Glück in Reinstform ist, während der Rest diesen Hauch des Bittersüßen versprüht. „Sunrise in Aries“ heißt dieses Lied, das Anmut, Elan und Frische ausstrahlt, wie kaum ein zweites. Für vier Minuten werden die schaurig schönen Momente gegen glasklare Freude und eine musikalisch aufsteigende Sonne getauscht. Man könnte es einfach unendlich lange hören, wären da nicht acht weitere Songs auf der CD. „Grace Descending“ holt den Hörer mit sanften Klavierspiel zurück von seinem kurzen Höhenflug. Die Reise, die kaum mit Worten zu beschreiben ist, bleibt bis zum Ende hin beängstigend schön. Wo soll man hier schon einen Anspieltipp geben, wenn das Gesamtkunstwerk UND jedes Stück für sich zu dem besten gehören, was 2007 auf einen Tonträger käuflich zu erwerben war? Ob das minimalistische, „Darkfall“ mit seiner schaurigen Tiefe oder das abschließende, melodische Wunderwerk „Beyond The Dying Light“ – alle sind sie unterschiedlich und jedes auf seine Weise brilliant.

Ich tue mir schwer „Far From Refuge“ in Worte zu fassen, fast noch schwerer als es mir schon bei meinen Favoriten Sigur Rós fällt. GOD IS AN ASTRONAUT haben etwas geschaffen, worauf sie stolz sein können, ein musikalisches Kleinod, das mit seiner Klasse auf sich aufmerksam macht. Was instrumentellen Post-Rock angeht stellt man so 2007 sogar „All Of A Sudden I Miss Everyone“ von Explosions In The Sky noch ein wenig in den Schatten und man darf nur allzu gespannt sein, was die Herren aus Irland in den nächsten Jahren hervorbringen werden.

Bewertung: 9.5 / 10

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