CD-Review: God Is An Astronaut - Epitaph

Besetzung

Torsten Kinsella – Gitarre, Piano, Synthesizer
Niels Kinsella – Bass
Lloyd Hanney – Schlagzeug

Tracklist

01. Epitaph
02. Mortal Coil
03. Winter Dusk / Awakening
04. Seance Room
05. Komorebi
06. Medea
07. Oisín


Wie bei den meisten Musikgenres, die eine Zeit lang boomen und ab einem gewissen Punkt kaum noch Neues hervorbringen, kann man beim instrumentalen Post-Rock manchmal das Gefühl bekommen, dass eine Band der anderen gleicht. Die Gruppen, die wirklich Großes schaffen, sind in der Unterzahl, sodass es bisweilen ermüdend ist, die Welle an generischen Veröffentlichungen nach ihnen zu durchforsten. Doch es gibt sie noch, die Klangkünstler, deren Kompositionen mehr aussagen, als dass ihnen mit Worten beizukommen wäre. Die Iren GOD IS AN ASTRONAUT sind eine solche Band – zumindest wenn man sie an ihrem mittlerweile achten Album, das den verheißungsvollen Titel „Epitaph“ trägt, misst.

Nicht nur die Musik, auch das von Fursy Teyssier angefertigte Artwork spricht hier Bände: Von der luftig-leichten, hellen Grundstimmung, die viele Vertreter des Post-Rock in ihren Songs abbilden, fehlt hier jede noch so kleine Spur. Stattdessen malen GOD IS AN ASTRONAUT in musikalischer Form Bilder der Trostlosigkeit, in der oftmals noch ein Funke Hoffnung durchschimmert, der jedoch jeden Augenblick zu erlöschen droht. Wenn das irische Trio unverzerrte Gitarrentöne spielt, dann nicht von jener Sorte, die sich in freudvoller Ekstase in den Himmel emporschwingt, sondern vielmehr auf eine kalte, triste, nostalgische Weise.

Manchmal klingt „Epitaph“, als würde man einen tieftraurigen Tagtraum träumen, wie ein Echo längst verlorener Kindheitstage („Winter Dusk / Awakening“), ehe GOD IS AN ASTRONAUT den Hörer mit ungeahnter Wucht und bedeutungsschwerem Nachdruck wieder unsanft in die Wirklichkeit zurückholen („Mortal Coil“). Neben den mal mehr, mal weniger druckvollen Gitarren und Drums ist es vor allem das zurückhaltend gespielte Piano, über welches die Post-Rocker ein Gefühl von ephemerer, bittersüßer Schönheit vermitteln.

Die Wichtigkeit des richtigen Timings und eines sich langsam steigernden, konsistenten Songaufbaus haben GOD IS AN ASTRONAUT in vollem Umfang verinnerlicht. So vergehen etwa im Titeltrack immerhin zwei volle Minuten ehe zu dem schwermütigen Klavier elektronische Percussions und in weiterer Folge Gitarren und Schlagzeug hinzutreten. Ebenso stimmig wie die Songstrukturen an sich ist der Einsatz dezenter Electro-Beats, harscher Noise-Sounds und sphärischer Ambient-Klangflächen, die nie zu penetrant oder gar überfordernd in Erscheinung treten, sondern stets mit Maß und Ziel – ob nun als greller Lichtstrahl inmitten eines grollenden Gewitters („Komorebi“) oder als Ausdruck undurchdringlicher Finsternis („Medea“).

Wer sich beim Musikhören gerne in wohliger Wonne wiegt, ist bei „Epitaph“ eindeutig an der falschen Adresse. Geborgenheit und Trost wird man hier nicht finden, wohl aber das Gefühl, dass jedes der acht Musikstücke eine ungeheuer bedeutungsvolle Botschaft in sich trägt. Um diese zu verstehen, muss man dem Album Zeit und Aufmerksamkeit schenken – nebenbei hören funktioniert in diesem Fall überhaupt nicht. Eingängig ist die Musik, die GOD IS AN ASTRONAUT nun schon zum siebenten Mal aus sich fließen lassen, nahezu gar nicht. Dennoch hinterlässt sie Spuren, die weitaus länger bestehen bleiben als ein einfacher Ohrwurm. Wer bereit ist, hinzuhören und nicht vor bedrückenden Tongeflechten zurückschreckt, sollte sich mit „Epitaph“ unbedingt auseinandersetzen.

Bewertung: 8.5 / 10

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