CD-Review: Häive - Iätön

Besetzung

Janne ‘Varjosielu’ Väätäinen – E-Gitarre, Akustikgitarre, Bass, Schlagzeug, Mundharmonika, Keyboard

Gastmusiker:
Noitavasara – Gesang

Tracklist

01. Iätön – Ageless
02. Turma – Ruin
03. Lapin Kouta – Kouta From Lapland
04. Kuku, Kultainen Käkeni – Sing, My Golden Bird
05. Tuulen Sanat – The Spell Of Wind
06. Salojen Saari – Esoteric Isle
07. Tuonen Lehto, Ölnen Letho – Grove Of Tuoni, Grove Of Everything
08. Virsi Tammikuinen – Song Of January


Wenn ein Musiker mit dem Namen Janne ‘Varjosielu’ Väätäinen sich in einem Soloprojekt namens HÄIVE selbst verwirklicht und im Zuge dessen ein „Iätön“ betiteltes Album veröffentlicht, kann man sich wohl schon denken, um welche Art Musik es sich handelt. Ganz richtig, bei so vielen Umlauten kann man es eigentlich nur mit folkigem Melodic Black Metal aus Skandinavien zu tun haben. Ebenfalls typisch für ein derart konzipiertes Projekt aus dem hohen Norden ist die lange Zeitspanne zwischen Veröffentlichungen. Bei HÄIVE sind es konkret zehn ganze Jahre, die seit dem Debüt der Ein-Mann-Band verstrichen sind. Wer sich nun in der Annahme, es mit einem lustlosem 90er-Black-Metal-Verschnitt zu tun zu haben, gelangweilt abwendet, sollte jedoch innehalten.

Streng genommen sind die meisten Charakteristika, an denen man extremen Metal misst, bei HÄIVE allenfalls unterschwellig vorhanden. „Iätön“ ist weder besonders düster noch brutal, technisch komplex oder atmosphärisch. Was der finnische Einzelmusiker jedoch weitaus besser beherrscht als viele andere Vertreter seiner Zunft, ist das Schreiben prägnanter Melodien und Arrangements, die trotz ihrer Simplizität auch nach mehrmaligem Hören immer noch Laune machen. Die leicht melancholischen Leadgitarren im Titeltrack-Intro „Iätön – Ageless“ versprechen dahingehend nicht zu viel.

Mit unbedarfter Leichtigkeit schüttelt HÄIVE eine motivierende Melodie nach der anderen aus dem Ärmel, vor allem zu Beginn der Platte wie etwa auf dem energetischen „Turma – Ruin“ oder dem beschwingten „Lapin Kouta – Kouta From Lapland“. Im letztgenannten Song, der außerdem in einem wunderbar gelassenen, ausgedehnten Solo endet, enthüllt HÄIVE zudem erstmals seine folkige Seite. Tänzelnde Akustikgitarren tauchen von da an immer wieder im weiteren Verlauf der gut 40 Minuten langen Platte auf – insbesondere im gefühlvollen „Tuulen Sanat – The Spell Of Wind“.

Der Melodic Black Metal genießt auf „Iätön“ jedoch eindeutig die Vorrangstellung. Und das ist gut so, denn die kernigen Screams (hin und wieder abgelöst von biestigen Growls), die dynamischen Riffs und die einfach gestrickten, kräftigen Drums, die ganz ohne Blast-Beats auskommen, reichen für den Hörgenuss völlig aus. Nur ganz selten treibt es HÄIVE mit seiner unkomplizierten Herangehensweise eine Spur zu weit, sodass etwa das stampfende „Kuku, Kultainen Käkeni – Sing, My Golden Bird“ ein wenig zu grobschlächtig daherkommt. Dieser kleine Fauxpas ist auf dem Zweitwerk des Finnen jedoch eindeutig ein Ausnahmefall.

„Iätön“ ist gewiss kein in allen Punkten fehlerloses Album. Das recht kitschige Artwork und die spielerisch nicht allzu anspruchsvollen Songstrukturen könnten vielleicht sogar den einen oder anderen hartgesottenen Metalhead verschrecken. Dennoch ist die Platte auf jeden Fall allen zu empfehlen, die im Metal nicht immer nur Extremen hinterherjagen. Auf seinen energiegeladenen, naturverbundenen Liedern, in denen sich Folk und Melodic Black Metal die Klinke in die Hand geben, stellt HÄIVE nämlich Mal um Mal sein gutes Händchen für packende Melodien und Rhythmen zur Schau. Insgesamt ist „Iätön“ eine derart kurzweilige und auch noch wunderbar organisch klingende Scheibe, dass selbst ihre kleinen Macken in gewisser Weise charmant rüberkommen.

Bewertung: 8 / 10

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