CD-Review: Haken - The Mountain

Besetzung

Ross Jennings – Gesang
Richard Henshall – Gitarre, Keyboard
Charles Griffiths – Gitarre
Thomas MacLean – Bass
Raymond Hearne – Schlagzeug
Diego Tejeida – Keyboards

Tracklist

01. The Path
02. Atlas Stone
03. Cockroach King
04. In Memoriam
05. Because It's There
06. Falling Back To Earth
07. As Death Embraces
08. Pareidolia
09. Somebody
10. The Path Unbeaten (Bonustrack)
11. Nobody (Bonustrack)


Mit ihren beiden bisherigen Werken „Aquarius“ (2010) und „Visions“ (2011) haben die britischen Progger HAKEN schon eine ganze Menge erreicht: So spielten sie zum Beispiel bei zwei der wichtigsten Prog-Festivals überhaupt („Night Of The Prog“ und „ProgPower USA“), absolvierten Shows mit Bands wie Dream Theater, Riverside, Anathema oder Evergrey und wurden mit ihrem Zweitling „Visions“ von den Lesern des szeneweit bekannten Webportals „Progarchives.com“ für kurze Zeit in die „Top 100 Prog-Alben aller Zeiten“ gewählt. Die Vorzeichen für ihr drittes Werk „The Mountain“ stehen also gut – da erscheint es logisch, dass HAKEN jetzt beim Prog-Vorzeigelabel InsideOut unter Vertrag sind.

Und das Label weiß, was es tut: Wer „The Mountain“ hört und nur ein ganz klein bisschen was für progressive Musik über hat, wird schnell die Klasse der Band erkennen und sich ihr kaum entziehen können. Das fängt schon beim ruhigen, nur von Piano und Gesang getragenen Opener „The Path“ an – eigentlich nur eine kurze Einstimmung auf die Platte, sagt er in drei Minuten mehr als manche Bands mit ganzen Alben:

„This life is a dream, a gift we receive
to live and to love we forge the path,
our nightmare in birth, our struggle for worth,
in vain we carry on, our mission to become
adapt to this world, it’s a chance we must take
we’ll sing our song, we’ll play our hand!“

Nach diesen emotional vorgetragenen Zeilen, ist zweifellos klar, dass HAKEN Musik spielen, weil sie es von ganzem Herzen lieben, davon berührt werden und damit berühren möchten. Und genau so klingt „The Mountain“ auch: Die neun Tracks des Albums sind über alle Maßen kreativ, unglaublich abwechslungsreich und durchlaufen so ziemlich alle Stimmungen, die es zwischen melancholisch, euphorisch und ausgeflippt gibt. Dabei weiß man nie so genau, ob die Jungs nun eigentlich Progrock oder -metal spielen – die Grenzen verschwimmen einfach. Schroffe (Metal-)Riffs und saftige Hammond ertönen ebenso wie orientalische Anklänge, Jazzausflüge, Gentle-Giant-artige Satzgesänge oder beinahe schon pastoral wirkende Passagen.

Aushängeschild der Band ist dabei der charismatische und überaus wandlungsfähige Gesang von Ross Jennings – dieser Mann singt sich in dein Herz, ganz egal ob er schwelgerisch-zart oder kraftvoll-rockig intoniert. Ich glaube, mit dem kann man genauso gut weinen wie Bier trinken. Wunderbar sind auch die beiden Keyboarder Diego Tejeida und Richard Henshall, die mit äußerst geschmackvollen und variantenreichen Sounds zu überzeugen wissen.

Wenn sich HAKEN selbst in Extase spielen, klingt das in etwa so wie im 12-minütigen „Falling Back To Earth“, in dem atmosphärischer Prog, Metal und Jazz eine Liaison mit 80er-Videospielsounds eingehen und als heftiges, komplexes Soundgewitter über den Hörer herfallen. Man könnte der Band an diesen Stellen vorwerfen, es mit dem Instrumental-Showoff etwas zu übertreiben – ich sehe sie eher als einen Beweis dafür, dass die sechs Herren mit mächtig viel Esprit bei der Sache sind und erfreue mich daran, dass sie vor lauter Spaß manchmal über die Stränge schlagen. In dieser Hinsicht sind sie vielleicht ein wenig mit ihren Labelkollegen Leprous vergleichbar, die vor allem auf ihrem Album „Bilateral“ ebenso radikal Stile mixten und experimentierten.

Von diesen kleinen Ausreißern einmal abgesehen haben HAKEN allerdings ein exorbitantes Feingefühl für Stimmungen. Das beginnt bei dem überragenden Coverartwork, setzt sich beim durchdachten Songwriting fort und ist zu jeder Sekunde auch in der liebevollen, unglaublich dynamischen und klaren Produktion zu spüren. Und so spielt das Album seine wahre Stärke auch erst aus, wenn es so gehört wird, wie es konzipiert und gedacht ist: Laut, am Stück und in Gänze.

„The Mountain“ ist ein wirklich beachtliches Werk, das eigentlich alle, die härteren Prog mögen, kennen sollten. Es ist auf seine Art bemerkenswert eigenständig – wer die Experimentierfreude von Leprous, die Sounddichte von Jolly oder die Emotionalität von Pain Of Salvation mag, wird es aber auf jeden Fall lieben. Zutiefst beeindruckend, berührend und sehr, sehr stark!

Auch erhältlich als Special Edition mit zwei Bonustracks.

Bewertung: 9.5 / 10

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2 Kommentare zu “Haken – The Mountain”

  1. Marius Mutz

    Habe mir das Album auf diverse Empfehlungen, unter anderem natürlich wegen dieser hier, zugelegt. Bin erst beim zweiten Durchlauf, aber bisher muss ich sagen: Haken machen einfach alles richtig, was andere Bands aus dem Sektor falsch machen. Die einen vergessen die musikalische Abwechslung und Raffinesse und ergehen sich stattdessen in süßlichem Bombast. Die anderen frickeln bis der Arzt kommt. Haken sind durchweg gleichermaßen atmosphärisch wie musikalisch anspruchsvoll. Und bleiben trotzdem spannend. Emotional, aber nicht schwülstig. Ganz groß, hätte ich ob der eher unscheinbaren Präsentation nie erwartet.

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