CD-Review: Hot Water Music - Exister

Besetzung

Chuck Ragan – Gesang, Gitarre
Chris Wollard – Gesang, Gitarre
Jason Black – Bass
George Rebelo – Schlagzeug

Tracklist

01. Mainline
02. Boy, You're Gonna Hurt Someone
03. State Of Grace
04. Drown In It
05. Drag My Body
06. Safety
07. Exister
08. Wrong Way
09. Take No Prisoners
10. Pledge Wore Thin
11. No End Left In Sight
12. The Traps
13. Paid In Full


Acht Jahre ist es her, dass man das letzte Mal ein neues HOT WATER MUSIC Album in den Händen halten konnte. Zwischenzeitlich löste sich die Band auf, kam wieder zusammen, die Mitglieder spielten in anderen Bands und intensivierten Solo-Projekte, eine gänzlich neue Generation an emotionalen Punkbands entwickelte sich – und doch blieb die Band aus Gainesville, Florida immer der große Bezugspunkt, der unerschütterliche Fels in der Brandung. Mit welchen Erwartungshaltungen soll man nun an „Exister“ herantreten? Ist es möglich oder überhaupt sinnvoll, dieses Album mit dem bisherigen Katalog der Band, darunter die absoluten Meisterwerke „Fuel For The Hate Game“, „No Division“sowie „Caution“, zu vergleichen? Würde man dies tun, könnte „Exister“ nur verlieren – wie 90% aller anderen Releases aus diesem Genre. Dennoch können diese Veröffentlichungen nicht gänzlich ausgeblendet werden – dafür ist das achte Studioalbum der Punker einfach zu eindeutig und unverkennbar HOT WATER MUSIC, obgleich sich Einflüsse der Neben- und Soloprojekte erkennen lassen.

Spätestens wenn sich zu packenden Gitarren die unverwechselbare Stimme von Chuck Ragan erhebt und dessen heiseres Organ vom sich stimmlich immer mehr annähernden Chris Wollard begleitet wird, fühlt man sich warm eingepackt und es besteht keine Frage, mit welcher Band man es hier zu tun hat. Neben gerade nach vorne rockenden Strophen sind es meistens die Refrains, welche das ganze Potential dieser Band aufzeigen: Seien es nun die Oh-Oh-Oh-Chöre im Refrain des Openers „Mainline“, der Tanzflächenkracher „State Of Grace“ oder das absolute Albumhighlight „Drag My Body“: Diese ganz besonderen Momente, in denen man alles stehen und liegen lässt, mit geschlossenen Augen den Kopf in den Nacken legt, die Faust in die Luft reckt und Zeilen wie „I’m hardly feeling human anymore / Enough to drag my body from the floor“ aus tiefster Seele mitschreit gibt es in dieser Form wahrscheinlich nur bei HOT WATER MUSIC. Genau diese Momente folgen Schlag auf Schlag und beweisen gleichzeitig, dass die anderen musikalischen Betätigungsfelder der Bandmitglieder zwar einen Einfluss auf ihren Sound einüben, diesen dabei aber nicht überlagern, sondern nur ergänzen zu wissen.

Dennoch: Irgendwo schwingt bei „Exister“ neben dem „Das ist ein absolut großartiges Album“ immer dieses kleine „aber…“ mit. So herausragend beispielsweise manche Teile sind, plätschern dafür andere Teile der gleichen Songs zu behäbig vor sich hin. Songs wie „Safety“, „The Traps“ oder „Wrong Way“ tun zwar nicht weh, hinterlassen aber einen schalen Nachgeschmack. Sicher, die Bandmitglieder sind nicht mehr die jüngsten, doch gerade in solchen Momenten scheint es so zu sein, dass sich eine gewisse Alters-Behäbigkeit ihren Weg bahnt. Dies ist insofern erstaunlich, da beispielsweise im Titeltrack oder auch das abschließende „Paid In Full“ nur so von jugendlicher Energie sprühen, und die Band live immer noch so viel Energie wie irgend denkbar ausstrahlt. Jason Black lässt seinen Bass nach wie vor so schön wummern und dröhnen wie eh und je, George Rebelo verprügelt sein Schlagzeug mit der gleichen Leidenschaft, Chris Wollard und Chuck Ragan nehmen keine Rücksicht auf ihre geschundenen Stimmbänder und entlocken ihren Gitarren Melodien entwaffnender Emotionalität – an manchen Stellen wirkt das alles aber leider ein wenig zu verkrampft.
Klingt negativ? Ist es nicht. Denn alle angebrachten Kritikpunkte sind tatsächlich doch wieder im Vergleich zu den bisherigen herausragenden Alben zu sehen. Für sich gesehen spielen HOT WATER MUSIC immer noch in einer ganz eigenen Liga und beweisen einmal mehr, warum man sie noch lange nicht zum alten Eisen zählen sollte und dass sie – obwohl sie sich an manchen Stellen ein wenig zu sehr selbst zitieren – immer noch Relevanz haben.

Bewertung: 7.5 / 10

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