CD-Review: Ihsahn - Eremita

Besetzung

Ihsahn – Gesang, Saiteninstrumente, Keyboards

Sessionmusiker:
Tobias Ornes Andersen – Schlagzeug

Gastmusiker:
Devin Townsend – Gesang
Einar Solberg – Gesang
Heidi S. Tveitan – Gesang
Jeff Loomis – Gitarre
Jørgen Munkeby – Saxophon

Tracklist

01. Arrival
02. The Paranoid
03. Introspection
04. The Eagle And The Snake
05. Catharsis
06. Something Out There
07. Grief
08. The Grave
09. Departure
10. Recollection (Ltd. Edition Bonustrack)


Seit dem Ende von Emperor hat sich deren Kopf Ihsahn mit seinen Projekten Peccatum sowie IHSAHN eher im Bereich des avantgardistischen Metals denn im Black Metal einen Namen gemacht, welchem er ja im Grunde genommen bereits mit den letzten Emperor-Alben den Rücken gekehrt hatte. Doch auch wenn die progressiven Züge in seiner Musik bei IHSAHN ebenso omnipräsent sind – der typischen Entwicklung vieler solcher Projekte vom Extremen hin zum rein Progressiven scheint IHSAHN nicht folgen zu wollen.

Mit „Eremita“ legt der Norweger nämlich nun sein zugegebenermaßen progressivstes, zugleich jedoch auch extremstes Album vor. Riffs, die fast schon wieder in Richtung (später) Emperor gehen und Gekreisch, das sich auf jeder Extreme-Metal-Platte gut machen würde, treffen hier auf die IHSAHN-typischen Cleanrefrains, Prog-Rock-Riffs im Midtempo sowie diverse, wirklich abgefahrene Zutaten wie die schlichtweg durchgedrehten Saxophonsoli von Jørgen Munkeby der Blackjazzer Shining (Nor), welcher bereits auf „After“ zu hören war. Zusammengenommen kommt dabei das heraus, was der Volksmund wohl als „verschroben“ bezeichnen würde – hielte der Hörer solcher Musik nicht sowieso schon von Grund auf für narrisch.
Schön an „Eremita“ ist dabei definitiv der Abwechslungsreichtum – gerade wenn man sich denkt, das Riff hätte einen Tick cooler sein können, kommt ein vollkommen abgefahrenes Gitarrensolo von Ex-Nevermore-Gitarrist Loomis um die Ecke, einer jener verstörenden Saxophon-Solo-Einwürfe jault aus dem Off quer durchs Klangbild oder IHSAHN setzt einfach für ein paar Minuten auf die Stärken fast schon klassischer progressiver Rockmusik. All das geschieht jedoch nicht nur über den kompletten Verlauf des Albums gesehen, sondern quasi in jedem einzelnen Song – was diese zugegebenermaßen nicht unbedingt leichter verdaulich macht: Wo „After“ noch mit dem ein oder anderen Ohrwurm – dafür aber auch der ein oder anderen Länge – aufzuwarten wusste, ist „Eremita“ eher ein Zickzacklauf durch ein düsteres Skurrilitätenkabinett: Immer für Überraschungen gut, sind diese mitunter doch etwas arg kauzig. Grade am über den gesamten Albumverlauf sehr präsenten Saxophon könnten sich die Geister scheiden. Denn so sehr es zur Unverwechselbarkeit des Albums beiträgt, so aufdringlich quäkt es auch aus dem Gesamtsound heraus.

In Sachen Unverwechselbarkeit und Abwechslungsreichtum ist Vegard Sverre Tveitan mit seinem vierten Solo-Album ein wahres Lehrbeispiel gelungen – klingt das Werk doch über seine komplette Spielzeit nach nichts anderem als IHSAHN und weiß dabei dennoch (oder gerade deshalb) stets zu überzeugen. Ganz einfach macht der Norweger es seinen Hörern jedoch nicht, verbirgt sich die wahre Größe dieses Albums doch unter einigen nicht ganz leicht zu durchdringenden Schichten avantgardistischen Ideenreichtums. Fans der eher sanften, um nicht zu sagen ins Kitschige reichenden, ersten Alben von IHSAHN dürften „Eremita“ vielleicht als verstörend empfinden – alle, die „After“ gut fanden und nichts gegen eine Prise mehr Extreme Metal im Sound von IHSAHN einzuwenden haben, sollten hier definitiv zugreifen.

Bewertung: 8.5 / 10

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