Review Illdisposed – Burn Me Wicked

  • Label: Roadrunner
  • Veröffentlicht: 2006
  • Spielart: Death Metal

Zwei Jahre nach dem wunderbaren Album „1-800 Vindication“ legt die dänische Groove-Machine ILLDISPOSED mit „Burn Me Wicked“ bereits das nächste Album nach. Der Titel des Vorgängers war eine Kampfansage an das drittletzte Werk, „Kokaiinum“, welches von der Band als schlechtestes der Laufbahn gehandelt wird. Sicherlich war es kein Leichtes, den durch und durch gelungenen Vorgänger zu toppen, jedoch hat man sich mit MERCENARY-Sänger Mikkel Sandager gesangliche Verstärkung ins Studio eingeladen, um den Gesang trotz Bo Summers Vielfältigkeit noch eine Spur facettenreicher zu gestalten.

Mit einem monströs tiefen Ausschrei geht es unmittelbar beim Opener der neuen Platte, „Shine Crazy“, schon zur Sache. Die Musik ist ähnlich dem vorraus gegangenen Werk gut durchstrukturiert und bietet alles, was das Herz begehrt. Ein paar Soli sind zu hören, pulsierendes Drumming bei dem die Fußmaschine Thomas Jensens kaum verschont bleibt. Und natürlich ist es wieder verdammt melodisch. Es ist geradezu ein Genuss, der sympathischen Truppe zuzuhören, wie sie erstklassige Melodiebögen mit bedingungsloser Gewalt verbinden. Zwar finden sich die meisten Songs im Midtempo wieder, aber der Sound drückt empor wie eine Dampfwalze. Hierbei ist das härteste Stück des Albums, eine kleine Hommage an die britischen Kollegen von BOLT THROWER, namentlich „Throw Your Bolts“, besonders hervorzuheben. Zum einen wird das Drumkit ähnlich hart tracktiert, wie bei den gewürdigten Engländern, und zum anderen kommen Summers Vocals hierbei so brutal wie selten zur Geltung. Er nimmt Abstand von seinen schwungvoll gesungen Growls und bedient sich einer Art Sprechgesang. Es lässt sich schwer beschreiben, hört sich dafür aber umso massiver an! „Throw Your Bolts“ ist nebenbei erwähnt härter und drückender als jeder Song der „Vindication“.

Sehr zu empfehlen ist auch das relativ knapp gehaltene Booklet. Hier sind die oftmals sehr interessanten Texte abgedruckt. Wer bislang vom Humor der verrückten Dänen noch nichts mitbekommen hat, der sollte sich zwingend den Text zu „Case Of The Late Pig“ ansehen. Hiermit hatte Textwriter Bo die wenigste Arbeit, ist dieser Text im original von einer Postkarte übernommen, die die Band in Italien gefunden hat. Hinter „The Widow Black“ verbirgt sich die lyrische Abrechnung mit Courtney Love, Zitat „Courtney, you fuckin‘ Cunt“. Zum Abschluss dieses kleinen Ausfluges in die Lyrik des Albums noch die besondere Erwähnung des Songs „Illdispunk’d“. Ein lustiges Sauflied, das anfangs etwas an die Onkelz erinnert, welches in drei Sprachen daher kommt: Dänisch, deutsch und englisch. Welche andere Band außer Illdisposed buchstabiert im Refrain schon den Bandnamen? Großartig und sehr einfallsreich!

Man kann das Album hören und hören und es wird einfach nicht langweilig. Die Songs unterscheiden sich reichlich, so dass es so schnell gar nicht langweilig werden kann. Hinzu kommt der erwähnte Gastgesang von Mikkel Sandager. Genau dieser offenbart allerdings auch den einzigen wirklichen Kritikpunkt: Es wurde damit übertrieben. Es hätte völlig gereicht, wenn Sandager auf zwei oder drei Songs mit von der Partie gewesen wäre, nicht auf fünfen. Während man von Bo Summer auf dem Vorgänger vermehrt Klargesang zu hören bekam, wird auf dem neuen Eisen ganz darauf verzichtet, was der Sache sicherlich nicht schlecht tut. Das Album groovt wie Pommes und ist jedem Death-Metal-Fan wärmstens ans Herz zu legen.

Wertung: 9 / 10

Geschrieben am 6. April 2013 von Metal1.info

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