Interview mit Jacob Batten von Illdisposed

Seit 25 Jahren ist die dänische Death-Metal-Band ILLDISPOSED in der Musikszene unterwegs und auch nach 14 Alben noch immer angesagt. Lest hier unser unterhaltsames Interview mit Gitarrist Jakob Batten über die Gründe für den anhaltenden Erfolg, über das neue Album… und über Deutschland und Schweinehaxe.

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Wie geht es dir und wie schaut’s bei ILLDISPOSED so aus?
Alles läuft gut, danke. Unsere Festivalsaison hat gerade begonnen und letztes Wochenende haben wir auf dem Rock Harz gespielt. Anscheinend ist das Wetter in Deutschland viel besser, in Dänemark hat es nun einen Monat lang geregnet. Glücklicherweise sind aber die meisten unserer kommenden Festivals in Deutschland, also wird das kein Problem darstellen.

Wo wir grade beim Thema sind: ILLDISPOSED ist ja bekannt dafür, eine spezifische Attitüde zu Deutschland zu haben. Bitte erkläre uns diese und ihre Gründe.
Nun, wir sind nur Fünfmillionen Leute. Wir leben im Grunde nördlich von Deutschland, oder? Wir lernen sogar die Sprache in der Schule. Und die dänische Fußball-Liga ist Mist – die Bundesliga ist wesentlich interessanter. Und Schweinehaxe – oh, wie ich Schweinehaxe liebe! Jedes Mal, wenn ich in Deutschland bin ist das erste, was ich tue, ein Lokal zu googlen, in dem sie Haxe servieren. Und als wir jünger waren, wurden die meisten Pornos in Dänemark mit deutscher Sprache gedubbed. Ich glaube, dass das der Grund ist, warum das Wort „geil“ heute ein Teil der dänischen Sprache ist.

Zurück zur Musik: Ihr existiert seit 25 Jahren als Band und habt in dieser Zeit 14 Alben veröffentlicht. Worin siehst du die Hauptgründe für euren derart lang anhaltenden Erfolg?Illdisposed 2015_2

Ich glaube das liegt daran, dass wir uns keinerlei Hauptziele in Aussicht gestellt haben. Ziele zu haben, aber nicht fähig zu sein, diese zu erreichen, kann für eine Band den Todesstoß bedeuten. Außerdem betreiben wir die Band nicht als demokratische Institution, es trifft nicht die Mehrheit die Entscheidungen. Bo und ich diskutieren darüber, was zu tun ist, und dann ist es genau das, was wir tun werden. Zu viele Köche verderben den Brei.

Aufgrund eurer lang andauernden Karriere kann man euch gewiss als wichtigen Bestandteil des Death-Metal-Genres ansehen. Wie denkst du momentan über die Death-Metal-Szene?
Ich denke, dass die Szene okay ist. Aber ich höre größtenteils die alten Bands, weil die meisten neuen Bands mir zu künstlich klingen. Die nutzen alle Beat Detective und Copy and Paste. Ich mag es nicht, Musik zu hören, die strammer ist als meine Breitling-Uhr. Musik verliert ihre Seele, wenn sie durch billige Tricks ruiniert wird.

Ok, machen wir mit eurem aktuellen Album „Grey Sky Over Black Town“ weiter. Wie ist das generelle Feedback bisher denn so?
Es war überwältigend, sowohl seitens unserer Fans als auch seitens der Magazine. Es ist echt cool, dass wir Leute noch immer begeistern können, nachdem wir so viele Alben veröffentlicht haben und seit 25 Jahren unterwegs sind.

Wie fühlst du dich angesichts negativer Reviews und fällt es dir manchmal schwer, sie zu akzeptieren?
Ich genieße es ehrlich gesagt, negative Reviews zu lesen, weil sie viel witziger zu lesen sind. Es ist interessant zu hören, was den Leuten an unserer Musik nicht gefällt. Meist ist es nur eine Frage des persönlichen Geschmacks – sie hassen uns, weil wir nicht schnell genug spielen und solche Sachen. Ich habe dabei manchmal sehr viel zu lachen.

Wie kam es zum Titel „Grey Sky Over Black Town“ und welche Idee steckt dahinter?
Die letzten drei Alben hatten allesamt Titel, die aus unseren Lyrics stammten. „Grey Sky Over Black Town“ kommt vom 1995er-Song „Memories Expanded“. Die Songs gehen mit einem dunklen Gefühl einher, und wir wollten, dass der Titel dieses Gefühl illustriert.

Aber auch das Cover-Artwork strahlt eine sehr düstere und depressive Atmosphäre aus. IlldisposedWie geht die Geschichte dazu?
Die Idee kam mir, nachdem ich ein Video von Leuten gesehen hatte, die erhängt wurden. Ich stellte mir vor, jemand in einer alten, western-mäßigen Stadt zu sein. Stattdessen fertigte Lasse Hoile seine eigene Interpretation an und wählte unsere Stadt Aarhus als Hintergrund. Ich mag es, auf diese Weise wird es persönlicher.

Wenn du „Grey Sky Over Black Town“ mit eurer vorherigen Arbeit vergleichst, was hat sich verändert? Wo siehst du die auffälligsten Entwicklungen?
Die größten Unterschiede sind, dass wir mehr schnelle Parts als sonst haben und dass wir versuchten, atmosphärische, vom Black Metal inspirierte Parts zu machen. Die Musik im Gesamtbild ist aber nicht weit weg von dem, was wir sonst schreiben – es ist vielleicht eine Mischung aus allem, was wir so gemacht haben.

Erzähl uns bitte etwas über die Texte. Mit welchen Themen beschäftigt ihr euch auf der neuen Platte und was hat euch dazu inspiriert, sie auszuwählen?
Die Lyrics handeln in erster Linie von all der Scheiße, die im Leben passiert, all dem Mist, der dich nach unten ziehen kann. Das Schlüsselwort ist: „Enden“. Die Enden der fröhlichen Dinge im Leben. Die Lyrics sind sehr persönlich für Bo, sie sind sein Universum.

Welche Songs des Albums sind momentan deine Favoriten und warum?
Ich mag „The After All“ sehr. Vielleicht, weil es der langsamste Song des Albums ist – er hat eine großartige Atmosphäre. Es ist wahrscheinlich sogar der langsamste Song, den wir je geschrieben haben. „I Tried To Live“ ist mein favorisierter Mid-Tempo-Song, und ich schätze „In Light Of The Moon“ mag ich unter den schnellen am liebsten.

Auf welche Songs von „Grey Sky Over Black Town“ können wir uns definitiv schon einmal einstellen, sie live zu sehen?
Momentan spielen wir nur die ersten drei Songs. Wir feiern ja auch unser 25. Jubiläum dieses Jahr und brauchen Zeit, auch einige alte Songs zu spielen. Ich schätze also, dass wir nächstes Jahr ein paar mehr der neuen Songs zu unserem Set hinzufügen werden.

Illdisposed

Ich danke dir für deine Zeit und die Beantwortung meiner Fragen! Beenden wir das Interview mit einer kleinen Brainstorming-Session. Was kommt dir in den Sinn, wenn du diese Sachen liest?
Kopenhagen: Exkremente, Kotze und zu viel Gelaber.
Dänische Metal-Szene: Verängstigte, kleine Mädchen. Seit einer Dekade hat sich nichts getan.
Dein Lieblings-Album 2015: Steven Wilson: „Hand. Cannot. Erase.“
Growling vs. Screaming: Growling.
Cannibal Corpse: Sind sogar älter als wir es sind.
Videospiele: Nintendo. Ich wünschte, ich hätte mehr Zeit.

Die letzten Worte gehören dir. Gibt es etwas, das du unseren Lesern und euren Fans noch gerne mitteilen würdest?
Danke, dass ihr Zeit für diese Truppe von Betrunkenen nördlich von Deutschland aufwendet. Hoffentlich sehe ich euch alle diesen Sommer – Prost! Oh, und der Schiedsrichter im Spiel gegen Frankreich war eine Schwuchtel.

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2 Kommentare zu “Illdisposed”

  1. Rainer

    Ich habe diese kleine bekloppte Band in einem kleinem Kaff in Dänemark gesehen. Auf dem Heavy Agger haben die Jungs von höchstens 300 Leuten gespielt als wären sie in Wacken. Ein wirklich geiles Konzert (das gesamte Festival war extrem gut, wir sind nur dafür insgesamt 1400km gefahren)!

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