Review Ingrimm – Henkt ihn!

Nach einem hektischen Jahr ist es besonders 2013 still geworden um INGRIMM. Zu still, nach dem Dafürhalten der Folkmetaller. 2012 verlief dafür turbulent genug: Erst verließ Dudelsackspieler Hardy die Band in der ersten Jahreshälfte, nur um wenig später wieder einzusteigen. Im September kam es schließlich zur Trennung von Sänger und Bandgründer Fenris nach internen Unstimmigkeiten. Bereits wenige Wochen später stellten die Bayern mit René Brandt ihre neue Stimme vor. Neben einigen Live-Auftritten präsentierten die Musiker außerdem mit „Fühl dich frei“ sowie einem Video zu „Hängt ihn!“ einen ersten Vorgeschmack auf ihr kommendes Album. Dieses trägt den Titel „Henkt ihn!“ und steht seit Februar 2014 in den Läden, ganze vier Jahre nach der letzten Studioproduktion „Böses Blut“.

Bereits die ersten Klänge beim Opener „Ketzer“ machen mehr als deutlich, dass überall da, wo Ingrimm draufsteht, immer noch Ingrimm drinsteckt. Das heißt markante Schlagzeugklänge und harte Riffs liefern das Fundament für Melodieinstrumente wie Drehleier und Dudelsack. Neu ist Geigerin Bine, die seit 2013 als festes Mitglied den Klang von Ingrimm auf „Henkt ihn!“ maßgeblich beeinflusst und melodischer gestaltet. Sänger René merkt man seine Erfahrung im Hardrock-Bereich an und seine Reibeisenstimme passt sowohl zu den emotionalen Inhalten wie in „Eiskalter Wind“ als auch zum anprangernden „Schwarzes Gold“. Dort findet man auch die Ingrimm-typischen Grunts wieder und Elemente mit mehrstimmigem Gesang. Alte Fans dürften sich somit trotz der Veränderungen am Mikro musikalisch wohlfühlen. Textlich sind Ingrimm in der Gegenwart angekommen: Neben Emotionalem und Gesellschaftskritischem feiern die sechs Musiker das ausufernde Leben im Hier und Jetzt wie in „Carpe Diem“, „Fühl dich frei“ und „Sanduhr“. Neu und besonders kreativ ist dies nicht, aber durchaus praktikabel im Hinblick auf die musikalische Ausrichtung.

Das größte Manko an „Henkt ihn!“ ist indes, dass der Abwechslungsreichtum und die Eingängigkeit auf der Strecke bleiben. Im Prinzip liefern Ingrimm mit ihrem neuen Album keinen echten Mehrwert, was unter anderem damit zusammenhängt, dass Szenegrößen wie Saltatio Mortis und Co. sich zunehmend den härteren Folkklängen annehmen und der ursprüngliche Folkmetalolymp mit Eluveitie und anderen Combos ebenfalls besetzt ist. Irgendwo dazwischen bewegen sich Ingrimm, kompositorisch und produktionstechnisch auf einem akzeptablen Niveau – aber auch ohne echte Eigenständigkeit. So werden es die Süddeutschen – genau wie viele andere Formationen – schwer haben, ihre aktuelle Fanbase zu erweitern und auf den großen Folkbühnen der Republik Fuß zu fassen. Exemplarisch dazu dient auch der Albenabschluss: Am Ende drücken Ingrimm gewaltig auf die Tempo- und Metalbremse, um mit „Engel“ über sechs Minuten eine beinahe epochale Ballade abzuliefern. Dieser fehlt aber vollumfänglich das gewisse Etwas, sowohl textlich als auch kompositorisch.

So gibt es auf „Henkt ihn!“ insgesamt nichts, was man nicht schon gehört hat – von Ingrimm selbst oder anderen Bands. Für Fans der härteren Folksounds mag der neue Silberling dennoch ein Ohr wert sein.

Wertung: 4 / 10

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