CD-Review: James LaBrie - Elements Of Persuasion

Besetzung

James LaBrie – Gesang
Marco Sfogli - Gitarre
Bryan Beller – Bass
Matt Guillory – Keyboards
Mike Mangini - Schlagzeug

Tracklist

01. Crucify
02. Alone
03. Freak
04. Invisible
05. Lost
06. Undecided
07. Smashed
08. Pretender
09. Slightly Out Of Reach
10. Oblivious
11. In Too Deep
12. Drained


Man kann der Truppe von Dream Theater sicherlich nicht vorwerfen, dass sie unproduktiv wären – da gibt es in schön regelmäßigen Abständen neue Studioalben, da tourt man mehrere Monate ausgiebig um den Globus, und zusätzlich bringt man auf dem eigenen Label Ytsejam-Records noch rares Material an den Mann. Nicht zu vergessen sind natürlich auch die mannigfaltigen Soloaktivitäten, vorallem die eines Mike Portnoy, der ja mittlerweile auf jedem zweiten Album mitzuspielen scheint. Aber auch Dream Theater Frontmann James LaBrie veröffentlicht seit geraumer Zeit Soloalben. Mittlerweile steht mit „Elements Of Persuasion“ sein drittes Werk vor der Tür. Diesmal erscheint es unter seinem Namen und nicht unter dem Pseudonym „Mullmuzzler“. Und um das Ende dieser Rezi schonmal vorwegzunehmen: Er hat mich mit diesem Album nicht nur überredet, wie es der Albumtitel suggerieren könnte, sondern sogar voll und ganz überzeugt!

LaBrie arbeitet hier mit der nahezu gleichen Mannschaft zusammen, wie auf seinen zwei vorhergehenden Alben. Hierzu gehören Mike Mangini (Ex-Extreme) am Drumkit, Bryan Beller am Bass sowie Matt Goillory an den Keys. Neu ist lediglich der italienische Gitarrist Marco Sfogli, der seine Vorgänger Mike Keneally und Mike Borkosky ersetzt. Leider sind mir seine anderen Soloalben nicht weiter bekannt – deshalb kann ich zugegebenermaßen hier keine Vergleiche aufführen. Aber generell stellt sich natürlich die Frage, inwiefern das Album Dream Theater-Fans gefallen dürfte. Da sich LaBrie hier auch dem Progressive Metal verschrieben hat, wird die musikalische Grundausrichtung wohl schonmal auf Zustimmung stoßen. Insgesamt hört sich „Elements Of Persuasion“ dann auch am ehesten wie ein „Awake“ oder ein emotionaleres, positiveres „Train Of Thought“ an. Das sollen aber nur ein paar Anstöße sein, die die ungefähre Richtung aufzeigen. In der Tat ist das Album nämlich noch eine ganze Spur moderner und frischer als die letzten Dream Theater Outputs. Die Songs wirken unheimlich frisch und knackig produziert, haben eine Grundhärte, die ich von seiner Stammband so noch nicht gehört habe und decken dabei die unterschiedlichsten Bereiche der Rockmusik ab. So erinnert „Crucify“ gar an eine Mischung aus den thrashigen Metallica der guten alten Zeiten und dem „Glass Prison“ von Dream Theater. „Alone“ hingegen wirft spielerisch mit NuMetal-Elementen wie modernen Beates, Plattenteller-Scrates und „angerapten“ Gesangspassagen um sich, die allesamt in eine Grundstimmung eingebettet sind, die an Bands wie Nightwish erinnert. „Freak“ könnte auch von Threshold kommen. „Smashed“ und „Slightly Out Of Reach“ hingegen erinnern eher an gemäßigteren, epischen Tracks des „Images And Words“-Albums, dem kurzen „Lost“ wurde sogar schon Vergleichbarkeit mit Enrique Iglesias vorgeworfen. Und so findet man neben eindeutig progressiven Songs auch ein paar sehr schnelle und melodische Nummern und drei Balladen. Die Riffs hauen einen dabei dermaßen ausm Hocker, dass man kaum noch ruhig bleiben kann. Egal ob Sfogli Rhythmusgitarre spielt, oder ausgiebig soliert: Jeder Ton scheint genau so, und nur so, zu passen. Dabei vergisst LaBrie aber auch nicht, dass zu guten Songs auch Melodien gehören, die schon nach kurzer Zeit hängen bleiben. Es ist zwar schade, dass er auf seinem eigenen Album nur singt, dies vollbringt er aber in gewohnter Brillanz. Der Hörer bekommt hierbei auch alle Ausprägungen seiner Stimme zu hören. Von seiner souligen, warmen Stimme im normalen Tonhöhenbereich, bis zu aggressiven und sehr hohen Passagen. Verwundert hat es mich dann allerdings, dass alle Songs in Zusammenarbeit mit Keyboarder Matt Guillory entstanden sind, denn von seinem Keyboard ist, die reichlich vorhandenen Soundsamples mal ausgenommen, nicht viel zu hören. Kein großes Solo, nur mal ein paar Pianoakkorde. Die Gitarre und das Schlagzeug dominieren eindeutig das Geschehen. Nach zwölf Songs und ca. 65 Minuten ist man dann einmal durch und möchte gleich nochmal von vorn anfangen.

Gibt es ein schöneres Lob für ein Album? Ich glaube nicht! Aber passt auf, nicht zu oft hören, sonst gewöhnt ihr euch noch an so außergewöhnliche Qualität!

Bewertung: 9.5 / 10

Geschrieben am

Antworten

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: