CD-Review: Korpiklaani - Tervaskanto

Besetzung

Jonne - Gesang, Gitarre
Hittavainen - Violine, Flöte
Jarkko - Bass
Cane - Gitarre
Matson - Schlagzeug
Juho - Akkordion

Tracklist

01. Let's Drink
02. Tervaskanto
03. Viima
04. Veriset Äpärät
05. Running With The Wolves
06. Liekkiön Isku
07. Palovana
08. Karhunkaatolaulu
09. Misty Fields
10. Vesilahden Verä’jilla
11. Nordic Feast


Wenn der neuen KORPIKLAANI CD etwas fehlt, dann ein eindeutiger Vermerk, dass man diese am besten mit möglichst viel Bier zu sich nimmt, was aber keinesfalls an mangelnder Qualität, sondern eher an, wie nicht anders erwartet, überragender Partytauglichkeit liegt. „Beer Beer“ sollte mittlerweile wohl jeder kennen, der sich gerne ein, zwei oder auch mehr Flaschen dieses edlen Gerstensaftes gönnt. Ein gutes fränkisches Hübner Bräu werde ich mir nun auch gönnen um „Tervaskanto“ gebührend beurteilen zu.

Schließlich will man der Aufforderung „Let’s Drink“, so der erste Titel, der Finnen auch gerne nachkommen. Prost, sie haben nichts verlernt, was sie bei ihren zahlreichen Auftritten im letzten Jahr und den Vorgängeralben gezeigt haben. Da steigt sofort die Stimmung und man erinnert sich gerne an schweißtreibende Shows, bei denen auch der eine oder andere Liter Bier geflossen sein soll. Mit verantwortungsbewusstem Trinken haben es die Finnen scheinbar auch nicht, denn „Let’s Drink“ ist kein zaghaftes anstoßen und fein Champagner schlürfen, sondern die musikalische Aufforderung die Flasche gefälligst in einem Zug leer zu trinken. Soll ich? Spätestens nach dem nun folgenden Titelsong „Tervaskanto“ dürfte man sich halbnackt tanzend irgendwo wiederfinden. Die rasanten Humpparhytmen, folkigen Melodien und die ungeheuere Spielfreude machen einfach Spaß, auch wenn man eigentlich rein gar nichts anders macht. Das Erfolgsrezept passt einfach – was sollte man groß daran ändern? Vielleicht mehr auf Finnisch singen, die so herrlich leicht fremd klingende Sprache aus dem europäischen Norden? Gesagt getan, und das tut dem ganzen sogar gut, auch wenn nun manche fragen könnten, ob das nicht dem Mitsingfaktor schadet, doch hier sollte ein dezenter Hinweis auf ihre Landsmänner von Eläkeläiset genügen. Denn mitsingen kann man immer, den Text beherrschen ist natürlich eine andere, hier aber vollkommen unnötige Sache. Musikalisch ist das einfach Party pur, und getrieben von „Lai Lai Lai“ bzw. „Hej Hej Hej“-Rufen sollte das ganze noch mehr Feuer entfachen. KORPIKLAANI sind einfach zu schade zum alleine zu Hause hören und gehören eindeutig auf eine Bühne vor ein feierwütiges Publikum.

Die Songs nun auseinander halten zu können dürfte mit den vielen finnischen Liedtiteln fast ein Ding der Unmöglichkeit werden, zumal sich die Songs untereinander wie gewohnt kaum unterscheiden. Glücklicherweise ist das Tempo fast ausschließlich hoch, so dass man sich mitten in Extase sicher nicht darüber den Kopf zerbrechen wird, ob das nun „Liekkiön Isku“ oder „Viima“ ist. Wer nach einiger Zeit nicht mehr stehen kann, der hakt sich eben ein und schunkelt ein wenig, denn ein paar dieser Parts wurden genau an den richtigen Stellen eingebaut, was die Sache aber trotzdem nicht weniger schweißtreibend als bisher gestalten wird. Längere Gelgenheit zum Ausruhen gibt es nämlich nur bei „Vesilahden Verä’jilla“, das mit fast sieben Minuten jedoch mit der Zeit ein klein wenig langweilig wird. Zum Glück schiebt man mit „Nordic Feast“ noch ein lupenreines Instrumental zum Abschluss hinterher, das mich leicht an Noman’s Land’s „Ale“ erinnert und das nicht nur, weil es um Bier geht.

Die Finnen haben wieder alles richtig gemacht und wer KORPIKLAANI bisher mochte, der wird mit „Tervaskanto“ nichts falsch machen. Mir persönlich fehlt ein herausragender Song wie „Midsummer Night“ auf dem Vorgänger „Tales Along This Road“, dafür sind die Songs ohne einen einzigen Ausfall auf höchstem Niveau angesiedelt, was dafür sorgen wird, dass weiterhin keine Kehle trocken bleiben wird. Zum Feiern gibt es kaum besseres. Kaum deshalb, weil ihre Landsmannen Eläkeläiset trotzdem unerreicht bleiben, jedoch ist dieser Vergleich so, als würde man Bier mit Vodka vergleichen. Ich mag jedenfalls beides und freue mich auf noch viele weitere Alben und eine anstehende Tour.

Bewertung: 8 / 10

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