CD-Review: Kvelertak - Kvelertak

Besetzung

Erlend Hjelvik – Gesang
Bjarte Lund Rolland – Gitarre
Maciek Ofstad – Gitarre
Vidar Landa – Gitarre
Marvin Nygaard – Bass
Kjetil Gjermundrød – Schlagzeug

Gastmusiker:
Hoest (Taake)
Andreas Tylden (JR Ewing and Altaar)
Ivar Nikolaisen (Silver)
Ryan McKenney (Trap Them)

Tracklist

01. Ulvetid
02. Mjød
03. Fossegrim
04. Blodtørst
05. Offernatt
06. Sjøhyenar (Havets Herrer)
07. Sultans Of Satan
08. Nekroskop
09. Liktorn
10. Ordsmedar Av Rang
11. Utrydd Dei Svake


Bei KVELERTAK hat man es mal wieder mit einem sehr speziellen Import aus Norwegen zu tun: Die erst 2007 gegründete Formation veröffentlicht mit dem selbstbetitelten Album „Kvelertak“ dieser Tage ihr Debüt-Album über das angesehene Label Indie Recordings. Geboten wird dabei ein wirklich interessanter Stilmix:

Irgendwo zwischen Black Metal, modernem (Punk) Rock und Hardcore anzusiedeln verarbeitet das Sechstett nicht nur, von den groovenden Riffs ganz abgesehen, jede Menge abgefahrener Ideen, um die Songs aufzupeppen, sondern kann auch noch mit einer illustren Schar Gastmusiker aufwarten, in die sich ein Hoest von Taake ebenso einreiht wie ein Ryan McKenney (Trap Them).
Alles in allem ein durchaus gewagtes Konzept – hat man doch bereits die ein oder andere Band, die derart unkonventionelle Pfade beschritten ist, fulminant scheitern sehen.
Im Falle von KVELERTAK jedoch geht die Rechnung auf, beweisen die Herren aus der norwegischen Hafenstadt Stavanger doch hieb und stichfest, dass es überhaupt kein Problem ist, Musik zu machen, die klingt, als hätten sich Taake, Turbonegro und eine beliebige Hardcore-Band zu einer gemeinsamen Jam-Session getroffen: Herrlich befreit von jeglichem Anspruch, besonders true, besonders cool oder sonst irgendetwas sein zu müssen, spielen KVELERTAK schlicht und ergreifend das, wonach ihnen der Sinn steht.
Dies hat zum einen zur Folge, dass KVELERTAK nicht verkrampft, um auf Teufel komm raus progressiv, innovativ oder schlichtweg anders zu sein, irgendwelche Elemente in ihre Musik einbauen, sondern mit ihrem Schaffen so unbedarft und ehrlich, wie es nur geht, ein großes „Fuck You“ an die Haustüren all derer malen, deren Kopf immernoch in einer Genreschublade feststeckt. Zum anderen aber, als Resultat dieser Herangehensweise, dass das Album extrem individuell, unkonventionell und somit wirklich einzigartig klingt. Sicherlich, bisweilen legt sich angesichts der Kompositionen der Norweger auch mir die Stirn in Falten – alles in allem können diese für einen Aussenstehenden nicht immer nachvollziehbaren „Stilbrüche“ jedoch bedenkenlos mit „künstlerischer Freiheit“ entschuldigt werden… denn schließlich sind es doch auch genau diese Stilbrüche, die man von einer Band wie KVELERTAK erwartet. Und bei so vielen coolen Passagen, wie sie „Kvelertak“ zu bieten hat, verzeiht man die ein oder andere Stilmix-„Verfehlung“ oder Länge doch gerne…

Abgefahren ist „Kvelertak“ auf alle Fälle, und auch ganz gewiss Nichts für jeden – oder, um es etwas realistischer einzuschätzen: wohl nichtmal für die meisten. Und dennoch: „Kvelertak“ hat das gewisse Etwas, ist kreativ und innovativ, klingt dynamisch und unverbraucht und vermag bei allem auf dem Album verursachten Genrechaos am Ende irgendwie doch zu gefallen. Zumindest mir.

Anspieltipp: Kein konkreter Song, sondern lediglich der Hinweis, dass „Kvelertak“ kein Album ist, das auf den ersten Hördurchgang zündet. Mehrere Anläufe werden angeraten.

Bewertung: 8.5 / 10

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