CD-Review: Lacrimosa - Elodia

Besetzung

Tilo Wolff - Gesang, Klavier
Anne Nurmi - Gesang, Keyboard
Jay P. - E-Gitarre, Bass
Sascha Gerbig - E-Gitarre
Gottfried Koch - Akustische Gitarre
AC - Schlagzeug
London Symphony Orchestra
Rosenborg Ensemble
Hamburger Staatsoper

Tracklist

1. Akt:
01. Am Ende der Stille
02. Alleine zu zweit
03. Halt mich
04. The Turning Point
2. Akt:
05. Ich verlasse heut Dein Herz
06. Dich zu töten fiel mir schwer
3. Akt:
07. Sanctus
08. Am Ende stehen wir zwei


“Elodia” nennt sich das sechste Studioalbum von Lacrimosa. Es erzählt in drei Akten von einer zerbrechenden Liebe… ist zuviel Liebe gar zerstörerisch? Insgesamt sage und schreibe 187 Musiker arbeiteten 14 Monate lang an der Verwirklichung dieser Story, unter anderem mit dem Londoner Symphony Orchester, welches unter anderem auch schon für den Soundtrack zur „Star Wars“-Trilogie mitverantwortlich war. Das Herzstück stellt jedoch die Geschichte einer sich zum Ende neigenden Beziehung dar.

Eingeläutet wird das mit dem über 8-minütigem „Am Ende der Stille“ und beschreibt den Anfang vom Ende einer an ihrer Harmonie scheiternden Liebe. Weiter geht’s mit „Alleine zu zweit“, einem Zwiegespräch von Tilo Wolff und Anne Nurmi. „Halt mich“ ist ein verzweifelter Versuch, die Vergangenheit wieder zum Leben zu erwecken, ein letzter Funken Hoffnung… Doch die Ballade „The Turning Point“ erzählt die Geschichte von vergangenen Tagen, und die Vergangenheit kann nicht zurückgeholt werden, wie sehr sich beide das auch wünschen.

Das unabwendbare wird im zweiten Akt vollzogen: In „Ich verlasse heut dein Herz“ wird schmerzhaft Abschied genommen, und nahezu aggressiv und gar wütend wird die eigentliche Trennung in „Dich zu töten fiel mir schwer“ vollzogen.

Das 14-minütige Epos „Sanctus“ läutet den dritten Akt bombastisch ein, der mit „Am Ende stehen wir zwei“ abgeschlossen wird – Trennungsschmerz, vielleicht eine zweite Hoffnung? Oder doch ein Abschied ohne Rückkehr und Wiedersehen?

Die Geschichte wird wirklich verdammt emotional erzählt – dafür geht erstmal ein großes Lob an Tilo Wolff und Anne Numri. Beide hängen sich total rein und machen ihre Sache nahezu perfekt, nicht zuletzt durch sie wird der tragische Hintergrund dem Hörer so nah gebracht. Durch die Orchester entsteht hier ein wahrhaft bombastischer Klangteppich, jedoch ohne dass alle ungeordnet und chaotisch wird (ich will das hier mal nicht mit katastrophalen Orchester-Versuchen von ehemaligen Metal-Legenden vergleichen…). Dramatisch bis zum Anschlag, aber nicht überladen – so soll es sein, so ist es gut! Die Portion Härte kommt durch Schlagzeug, Bass und Gitarre mit rein, die von den Bandmitgliedern wirklich gut beherrscht werden und sehr druckvoll sind.

Einzig und allein der Sinn von „Sanctus“ will mir bis heute nicht so recht einleuchten… Vor allem bei den ersten Hördurchgängen sind die endlos erscheinenden Orchester-Passagen ohne Gesang sehr gewöhnungsbedürftig und langatmig, doch nach mehrfachem Durchlauf knallen die Sachen immer mehr und entfalten ihre Genialität. Mein persönlicher Höhepunkt des Albums ist „Alleine zu zweit“, in dem beide Sänger eine fabelhafte Leistung zeigen, das Lied ist einfach phänomenal emotional und tiefgehend.

„Elodia“ ist ein Album für Menschen mit viel Gefühl – Emotional, tiefgehend, melancholisch, traurig… Es regt zum Denken an, und kann in einer entsprechenden Situation über eine schwere Phase hinweghelfen. Vorausgesetzt man versteht den Hintergrund der Texte, die wirklich genial geschrieben sind. Ich kenne zwar kein anderes Lacrimosa-Album, ich höre auch sonst sehr wenig Gothic – doch dieses Meisterwerk hat es mir angetan.

Bewertung: 9 / 10

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