CD-Review: Legion Of The Damned - Cult Of The Dead

Besetzung

Maurice Swinkels - Gesang
Richard Ebisch - Gitarre
Harold Gielen - Bass
Erik Fleuren - Schlagzeug

Tracklist

01. Sermon of Sacrilege
02. Pray and Suffer
03. Black Templar
04. House of Possession
05. Black Winds of Yog-Sothoth
06. Cult of the Dead
07. Necrosophic Blessing
08. Enslaver of Souls
09. Solar Overlord
10. Lucifer Saviour
11. The Final Godsend


Wer diese Tage an CD-Regalen vorbei geschlendert ist oder ein paar Onlinestores durchforstet hat, wird zweifellos nicht drum herum gekommen sein, den neuesten LEGION OF THE DAMNED-Output „Cult Of The Dead“ in Augenschein zu nehmen. Wer sich – nach den Festtagen – noch im Stande fühlt, die Gehirnzellen Arbeit simulieren zu lassen, wird sich womöglich denken: „Zwei Alben innerhalb eines Jahres?“ Ich kann die Qualitätspolizei beruhigen: das, Anfang des Jahres, erschienene „Feel The Blade“ war im Prinzip nur die letzte Occult-Platte neu eingespielt. So viel sei vorweg genommen: ihr dürft euch auf einen krönenden Jahresabschluss der niederländischen Rumpelkammer-Institution freuen.

Konzeptionell – das wird mit einem Blick auf das CD-Cover, das eine Kirche mit dem gekreuzigten Leib Jesus und vor ihm seine zombifizierten Anhänger zeigt, schnell klar – bewegt man sich auf anti-religiösen und apokalyptischen Pfaden. Verheißungsvoll, um nicht zu sagen mystisch, führt dann das Intro „Sermon Of Sacrilege“ nahtlos in die 40-minütige Langrille und den Titelsong „Cult Of The Dead“ ein. Hier wird der, spätestens jetzt kopfschüttelnde, Hörer von gleich zweierlei Auffälligkeiten: zum einen fällt auf, dass Sänger Maurice Swinkels merklich an seiner Stimme gearbeitet hat und der eingesetzte Echo-Effekt zum anderen eine wunderbare Atmosphäre erzeugt, die live garantiert zum mitshouten einlädt.

Gerade dieser stimmig abgemischte Gesang in Zusammenhang mit der LEGION OF THE DAMNED-typischen Double Bass-Maschinerie zeichnet auch „Cult Of The Dead“ aus – eine wirklich greifbare Weiterentwicklung gibt’s logischerweise nicht, sträubt sich Sangesmeister Maurice davor doch wie der Teufel vorm Weihwasser. Ganz recht so, denn: dafür, dass der Holland-Export gerade knappe vier Jahre existiert, haben sich ihr Sound und Stil in jeder einzelnen Sekunde davon bewährt, als perfekte Mixtur aus Alt und Neu erwiesen und sind zusammen mit den brettharten Sägewerkriffs und der Double Bass-Verliebtheit zu einer Trademark mit hohem Wiederkennungswerk herangewachsen. Dazu gehört es bei LEGION OF THE DAMNED genau so, die goldene Mitte aus killenden Old School-Riffs und einer an die heutige Technik angepassten Produktion zu finden und das Ganze dann, wie auf „Enslaver Of Soul“ eindrucksvoll zu hören, mit einer angebrachten Brise Death Metal zu verfeinern.

Was anhand von Titeln wie „Solar Overload“, „Black Wings Of Yog-Sothoth“ und „Black Templar“ außerdem schnell klar wird: hingegen der Vorgängerscheiben wird, zwar nicht weniger unerbittlich und aggressiv, ans Werk gegangen, gleichzeitig aber erfolgreich versucht, die Power zu bündeln und kontrollierter wieder abzugeben. Das funktioniert ausgesprochen gut und fördert dann schon genannte Bilderbuchexemplare brutalen Thrash Metals zutage. Der bewegt sich auf „Cult Of The Dead“ stets zwischen gnadenlos schnellen Parts und treibenden Midtempo-Stücken – eine Symbiose, die der gesamten Platte eine eigene Dynamik verpasst und insgesamt für ein hohes Maß an Groove sorgt, der sich wie ein roter Faden durch den Kult zieht.
Einen würdigeren Abschluss als „The Final Godsend“ hätten die Niederländer dann eigentlich auch nicht mehr wählen können: was als grooviger Ballermann beginnt, mündet ab Minute 5:00 in ein Piano-Outro der Extraklasse, erinnert stellenweise an Werke des Schweizer Pianisten Paul Baumgartner.

Davon sollte sich allerdings kein beinharter Thrasher täuschen lassen, denn auf „Cult Of The Dead“ wird letztendlich doch einiges aufgefahren, aber mit Sicherheit nichts Verweichlichtes. Stattdessen beweisen LEGION OF THE DAMNED einmal mehr, dass sie sich wenig darum kümmern, was von ihnen erwartet wird und einfach das machen, womit sie zufrieden sind: Metal, wie er 2008 nicht besser war. Technisch wie auch gesamt-musikalisch ist das Quartett inzwischen ohne Zweifel in der Champions League des Thrash Metals angekommen, präsentiert ausgefeilte Riffs, die Old School-Fans Freudentränen vergießen lassen und auch die Scharen junger Fans vergrößern sollten. Einen würdigeren Abschluss hätte ein an musikalischen Höhepunkten reiches Jahr kaum finden können. Uneingeschränkte Kaufempfehlung für jeden Thrasher und auch sonst alle, die auf die härtere Gangart stehen und sich nicht zu schade für Neues sind. Wer es bisher schaffte, an LEGION OF THE DAMNED vorbei zu schauen, nimmt nun bitte seine SM-Maske ab und lässt sich von „Cult Of The Dead“ den Arsch versohlen. Danke.

Bewertung: 8.5 / 10

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