Review Lonely Robot – Please Come Home

Erinnert sich noch jemand an Kino, Frost* oder It Bites? Wenn euch diese Namen ein Leuchten in die Augen zaubern, dürfte euch LONELY ROBOT interessieren. Es ist das neue Projekt von John Mitchell, dem Gitarristen der eingangs genannten Bands. Mit „Please Come Home“ veröffentlicht der Brite eine Art Soloprojekt, für das er sich allerdings die Unterstützung zahlreicher Größen der Prog-, Rock- und Pop-Szene gesichert hat: Mit dabei sind unter anderem Nik Kershaw, Steve Hogarth (Marillion), Peter Cox (Go West), Heather Findlay (ex-Mostly Autumn), Jem Godfrey (Frost*), Kim Seviour (Touchstone) und Erzähler Lee Ingleby, der eine Nebenrolle in „Harry Potter und der Gefangene von Askaban“ spielte.

Von der ersten Sekunde an erkennt man John Mitchells musikalische Handschrift: Genau wie Kino und It Bites leben auch die Songs auf „Please Come Home“ von beinahe poppigen Melodien, wunderbaren Gitarrensoli und Keyboardsounds sowie einer warmen Produktion. Der Einstieg mit dem Instrumental „Airlock“ klingt zunächst endzeitlicher und epischer, als das Album über weite Strecken ist. Denn schon im zweiten Song „God vs. Man“ packt Mitchell den ersten Ohrwurm aus: Unaufgeregt wie immer singt er sich mit der richtigen Mischung aus Hookline, Sehnsucht und Nachdenklichkeit in die Herzen seiner Hörer – obendrauf gibt es ein hübsches Gitarrensolo und ein paar Alibi-Gitarrenriffs. Fertig ist der handzahme, aber nette Mix aus AOR und Neoprog. Ein Rezept, das der Brite mittlerweile zum Markenzeichen seiner Projekte gemacht hat.

Mit diesem Sound schippert Mitchell stetig an der Kitschgrenze entlang, überquert sie aber auch gelegentlich. Das Ergebnis sind süßliche Aussetzer wie „Why Do We Stay“ (ein Duett mit Heather Finlay) oder zähe Langweiler wie „Humans Being“. Als wüsste er das selbst, streut er als Gegenpol hin und wieder atmosphärische und leicht dissonante Parts ein.

Doch so schön der Stilmix von LONELY ROBOT auch ist – er trägt kein ganzes Album. Dafür ist das Songmaterial zu sehr im Midtempo verhaftet, sind die Melodien schlichtweg zu kurzlebig. Tracks wie „God vs. Man“, „The Boy In The Radio“ und „Construct/Obstruct“ beweisen, dass das Rezept sehr gut funktionieren kann. Hier findet Mitchell genau die richtige Mischung aus Eingängigkeit, Atmosphäre und Anspruch. Leider geht der Platte aber am hinteren Ende zunehmend die Luft aus. Der Zuckerguss, der über viele Songs gekippt wurde, setzt sich mit zunehmender Spieldauer im Ohr fest und führt zu Übersättigungserscheinungen, während die langsamen Nummern nicht berühren, sondern langweilen.

Schade: Obwohl die Zutaten im Grunde identisch sind, erreicht „Please Come Home“ nicht das Niveau von Kinos „Picture“ oder It Bites’ „The Tall Ships“. Wenn ihr mehr Musik in diesem Stil hören wollt, könnt ihr trotzdem ein Ohr riskieren.

Wertung: 6.5 / 10

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