CD-Review: Mastodon - Crack The Skye

Besetzung

Brent Winds – Gitarre, Gesang
Bill Kelliher – Gitarre
Troy Sanders – Bass, Gesang
Brann Dailor – Schlagzeug, Gesang

Tracklist

01. Oblivion
02. Divinations
03. Quintessence
04. The Czar
I. Usurper
II. Escape
III. Martyr
IV. Spiral
05. Ghost of Karelia
06. Crack The Skye
07. The Last Baron


Viel ist passiert seit dem Release des Vorgängers „Blood Mountain“. MASTODON wurde in den Himmel gelobt, durfte Tool auf ihrer Tour begleiten und den etwas überforderten Tool-Fans musikalisch den Arsch versohlen. Danach verzogen sich die Amerikaner wieder ins Studio, um ihr viertes Album aufzunehmen, das auf den Namen „Crack The Skye“ hört. Im Gegensatz zu den zwei direkten Vorgängern, folgt der vierte Streich keinem durchgängigen Konzept, sondern beschäftigt sich mit verschiedenen Themen, die aber alle mit dem Brechen von physikalischen Grenzen zu tun haben. Skye war übrigens der Vorname von Brann Dailors Schwester, die sich mit 14 Jahren das Leben nahm.

MASTODON, das wird schon anfangs sehr deutlich, haben sich nicht auf ihren Lorbeeren ausgeruht. Sie haben sich nicht nur eine Stückchen weiterbewegt, sondern haben gleich einige große Schritte gemacht, lassen auf „Crack the Skye“ nach wie vor Experimentierfreude erkennen, scheinen diese aber nun hinter Melodieführung und Spannungsbogen anzustellen. Das gesamte Album wirkt fokussierter, nicht so ungestüm wie „Blood Mountain“. Damit ging aber auch etwas die von mir so verehrte Wildheit verloren. Neben Bassisten Troy Sanders und Gitarristen Bernd Winds ist auf dem neuen Album auch erstmals Schlagzeuger Brann Dailor mit Gesangspassagen vertreten.

War man von den Vorgängern gewohnt, dass MASTODON hart und schnell in das Album einsteigt, zieht sich der Opener von „Crack The Skye“ zäh dahin, wird aber durch Tempiwechsel und einem genialen Solo gegen Schluss aufgelockert und bleibt damit auch im Gedächtnis. Mein bisheriger Favorit des Albums ist aber das nachfolgende „Divinations“, das mit einem Bangointro überrascht, danach steigen die Jungs aber aufs Gas und ein Funken dieser vorher erwähnten Ungestümheit tritt hervor. So klingt meiner Meinung nach ein Opener einer MASTODON Scheibe. Der rasende Wechsel zwischen cleanem Refrain und bockharten Vocals der Strophen, wie er hier zelebriert wird, kommt meiner Meinung nach auf diesem Album viel zu selten vor. Überwiegend spielt sich das meiste im Mid-Tempo Bereich ab und ist melodiöser als auf dem Vorgänger. So beginnt das 10-minütige „The Czar“, das vom russischen Zaren erzählt, mit einem sehr spannend gestalteten, ruhigen Intro. Leider überzeugt mich das Stück nach wie vor nicht auf ganzer Linie. Immer warte ich darauf, dass es endlich richtig losgeht, doch leider hebt sich die Atmosphäre bis zum Ende hin nicht aus dem zähen Melodiesumpf, in dem das Ganze ihren Ausgang nahm. Das darauf folgende „Ghost Of Karelia“ zählt für mich zu den besten Stücken dieses Albums. Wuchtig und mächtig drückt der Sound aus den Boxen, was einer sehr guten Produktion von Brendan O’Brien zu verdanken ist. Beim Titeltrack kommt bei mir das erste Mal das Gefühl auf, dass dieses Album ein wenig zu gleichförmig ist, was Geschwindigkeit und Klangteppich angeht. Konnte man die Tracks des Vorgängers oft nur nach ein paar Takten erkennen, tue ich mir beim neusten Werk viel schwerer. Den Abschluss bildet das 13-minütige „The Red Baron“: Vom atmosphärischen Intro über die langsamere erste Strophe bis hin zum fulminaten, gewaltigen Ende überzeugt mich dieser Track und hält damit, was „The Czar“ nicht vermochte: Die mühsam aufgebaute, bedrohliche Atmosphäre findet ein Ventil ab dem Beginn des zweiten Drittels und bricht auf den Hörer ein. Einfach wunderbar. Mit dem Artwork verfolgt die Band eine sehr konstante Entwicklung: Wurde der Höhepunkt mit „Leviathan“ erreicht, ließ die Qualität mit „Blood Mountain“ nach und hat mit „Crack The Skye“ ihren Tiefpunkt erreicht.

Momentan stehe ich dem Album noch sehr zwiegespalten gegenüber: Einerseits mag ich die melodiöse Entwicklung der Band: Sie wirken konzentrierter, weniger sprunghaft, gleichzeitig fehlt mir aber etwas die Abwechslung und die Wildheit der jungen Jahre. Mit „Crack the Skye“ stehen MASTODON nun an einer Kreuzung und ich denke sie werden den richtigen Weg einschlagen und in Zukunft ihren Sound weiter ausbauen. Trotz aller Bedenken sind die Amerikaner nämlich eine der kreativsten Bands, die zurzeit ihr Unwesen in den metallischen Gewässern treibt.

Bewertung: 7.5 / 10

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