CD-Review: Metallica - Metallica

Besetzung

James Hetfield – Gesang, Gitarre
Kirk Hammett - Gitarre
Jason Newsted – Bass
Lars Ulrich – Schlagzeug

Tracklist

01. Enter Sandman
02. Sad But True
03. Holier Than Thou
04. The Unforgiven
05. Wherever I May Roam
06. Don’t Tread On Me
07. Through The Never
08. Nothing Else Matters
09. Of Wolf And Man
10. The God That Failed
11. My Friend Of Misery
12. The Struggle Within


Ein Album zwischen allen Stühlen. Damit könnte man „Metallica“, das fünfte Studioalbum der gleichnamigen, legendären Metal-Band, wohl treffend umschreiben. Während sich nämlich ein Großteil der Hörerschaft einig ist, dass alles vor „Metallica“, oder dem „Black Album“, wie es gerne auch genannt wird, indiskutablen Kultstatus innehat, die drei nachfolgenden Platten jedoch vergessenswert sind, ist „Metallica“ wohl diejenige Scheibe, die am ambivalentesten betrachtet wird. Im Schnitt kürzere Songs, eingängigeres Songwriting und zum ersten Mal eine Nummer, die auch im Radio gespielt werden konnte. Damit setzten METALLICA 1991 symbolisch ein Bindeglied, steht die Platte in der Diskographie doch genau zwischen den beiden polarisierenden Phasen.

Das Ganze beginnt mit „Enter Sandman“, einem Song, der auch Metalheads, die mit METALLICA wenig am Hut haben, ein Begriff sein dürfte. Die hohe Eingängigkeit sowohl beim Riffing als auch beim mitsingtauglichen Refrain machten die Nummer zu einer der bekanntesten der Band. Gemessen am „Black Album“ als Gesamtbild gehört sie aber nicht zu den Highlights, sodass die interessantesten und besten Momente der Platte noch folgen. Dazu zählt zweifellos, wie so oft bei METALLICA, die Halbballade, in diesem Fall „The Unforgiven“. Mit dem Song aus Sicht einer Person, die im Leben keine Initiative ergriffen und somit nicht das erreicht hat, was sie sich gewünscht hätte und bedauernd hierauf zurückblickt, hat die Band einmal mehr bewiesen, was für ein gutes Händchen sie für emotionale und doch kraftvolle Nummern hat.
Das Thema Balladen bringt uns bereits zu einer der größten Veränderungen des „Black Albums“ gegenüber seinen Vorgängern und zum für den einen oder anderen vielleicht eher unbequemen Thema „Nothing Else Matters“. Der Song, der wohl wirklich keiner Erklärung bedarf, den nicht nur METALLICA-Verweigerer, sondern auch Leute, die mit Metal gar nichts am Hut haben, kennen. Ja, es ist durchaus vorstellbar, dass sich der geneigte Metalhead anno 1991 und nach vier Thrash-Metal-Alben ordentlich vor den Kopf gestoßen fühlen musste. Mit Metal oder Rock hat die Nummer freilich nicht mehr viel zu tun, was ihre Radiotauglichkeit und den in der Folge ansteigenden Bekanntheitsgrad METALLICAs begünstigte, doch handelt es sich um einen Song mit viel Gefühl, der verdientermaßen bis heute seinen festen Platz in den Live-Setlists der Band hat.

Gänzlich entsagt haben METALLICA ihrem Ur-Stil auf der fünften Platte trotz alledem nicht, einige Stücke erinnern bei aller Innovation doch noch an das vorherige Schaffen. „Holier Than Thou“ ist hierfür exemplarisch zu nennen, ein schneller, aggressiver Nackenbrecher, der in dieser Form beinahe auch auf einem Album wie „Master Of Puppets“ hätte stehen können. „Of Wolf And Man“, das ebenfalls sehr flott und treibend daherkommt, weckt auch gewisse Assoziationen zur frühen Schaffensphase der Band. Der Großteil der zwölf Nummern (zum ersten Mal gänzlich ohne Instrumental) präsentiert sich jedoch tatsächlich in einem neuen, insgesamt langsameren und zugänglicheren Gewand. Wenngleich dabei nicht jede der Nummern auf dem sehr hohen Niveau von Stücken wie „The Unforgiven“, „Through The Never“ oder „Sad But True“ angesiedelt ist, findet sich kein negativ auffallender Song, sodass es METALLICA auch Anfang der 90er gelang, über eine Stunde lang zu unterhalten, wenn auch anders, als die Hörerschaft das bisher gewohnt war.

Der erste Stilbruch in der Diskographie der Band ist somit einer, der auch 25 Jahre später noch vollauf überzeugen kann und den Sound METALLICAs zwar verändert, aber nicht unbedingt qualitativ vermindert hat. So herrscht vom allseits bekannten „Enter Sandman“ bis hin zum flotten Rausschmeißer „The Struggle Within“ vielleicht nicht mehr ganz so thrashige, aber doch sehr gute Unterhaltung mit jeder Menge Klassikern zwischen dem ersten und letzten Song, durch die „Metallica“ immer vor allem eines bleiben wird: Kultig.

Bewertung: 8.5 / 10

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