Mortem - Slow Death Cover

Review Mortem – Slow Death (Re-Release)

  • Label: Peaceville
  • Veröffentlicht: 2022
  • Spielart: Black Metal

Mayhem, Arcturus und Thorns dürften die meisten Fans von norwegischem ’90er-Jahre-Black-Metal kennen. MORTEM hingegen waren lange in der Versenkung verschwunden. Was dabei in Vergessenheit geraten ist: Die Band gehörte zum absoluten Inner Circle der norwegische Szene. 1987 von Steinar Sverd Johnsen gegründet, war sie so etwas wie die Vorgängerband von Arcturus, deren Hauptsongwriter Johnsen bis heute ist. Als Sänger fungierte Marius Vold, der später bei Arcturus, Thorns und Stigma Diabolicum screamte. Als dritten im Bunde konnten die beiden niemand Geringeren als den frischgebackenen Mayhem-Drummer Jan Axel „Hellhammer“ Blomberg gewinnen.

So erschien 1989 mit „Slow Death“ eine Demo, die aus heutiger Sicht eigentlich legendär sein müsste – zumal Euronymous und Dead von Mayhem als Produzent respektive Coverkünstler fungierten. Doch anders als andere Werke aus dieser Zeit schaffte es „Slow Death“ nie zum anerkannten Meilenstein der Szene. Warum eigentlich?

Diese Frage dürften sich MORTEM ebenfalls gestellt haben, als sie 30 (!) Jahre nach diesem ihrem ersten und einzigen Demo wieder zusammenfanden und 2019 mit „Ravnsvart“ ein durchaus bemerkenswert authentisches ’90er-Jahre-Black-Metal-Album veröffentlichten. Und so ist eigentlich nur konsequent, was Puristen zunächst als Sakrileg empfinden werden: MORTEM machten sich daran, „Slow Death“ neu einzuspielen.

Nun sind Neueinspielungen generell eine heikle Angelegenheit, doch wohl in keinem Genre so umstritten wie im Black Metal; man denke an die Kontroversen um den Dimmu-Borgir-Re-Release von „Stormblåst“ 2005. MORTEM gehen mit „Slow Death“ darum den einzig gangbaren und sinnvollen Weg: Sie liefern mit der nun erscheinenden Edition einfach zwei Versionen ab – die Demo von 1989 im Original-Sound (als neue Überspielung von einem „frischen“ Tape) und eine neu eingespielte Version. Und bei aller Liebe zu den objektiv betrachtet ziemlich dilletantischen, aber ja doch auch atmosphärischen Black-Metal-Aufnahmen der 1990er-Jahre: Was MORTEM aus „Slow Death“ herausgeholt haben, ist beeindruckend.

Verstärkt um 1349-Bassist Tor Stavenes alias Seidemann gelingt es dem Originalbesetzungs-Trio Johnsen/Vold/Blomberg besser als den meisten anderen „Retro-Bands“, den Spirit der damaligen Zeit authentisch wieder aufleben zu lassen. Der Sound klingt gleichermaßen aufgeräumt und roh, während die Songs von der professionelleren Herangehensweise an die Aufnahmen klar profitieren. So fühlt man sich von „Slow Death“ tatsächlich an die frühen Dimmu Borgir, Mayhem, Satyricon, Troll und wie sie alle hießen erinnert – ohne dass einem nach einer knappen halben Stunde die Ohren bluten: Eingängiges, weil auch melodisches Schrammelriffing, treibende Drums, fiese Screams und subtile Synths, die ebenfalls erfreulich authentisch, aber nicht nach Kinder-Keyboard klingen, sollten das Herz eines jeden Oldschool-Black-Metallers höher schlagen lassen.

Ergänzt um den alten MORTEM-Track „Satanas“ und die „Likferd“ betitelte und auf Norwegisch gesungene Coverversion von Mayhems „Funeral Fog“ ist diese Neuauflage eine absolut runde Sache: So lebendig klang ’90er-Jahre-Black-Metal seit Verstreichen der ’90er-Jahre nur selten. Und wer das volle Retro-Feeling genießen will – ob nun aus historischem Interesse oder tatsächlicher Begeisterung für poltrige ’90er-Jahre-Produktionen –, kann immer noch zu CD 2 wechseln. Besser kann man das Re-Release-Dillemma kaum lösen. Chapeau!

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