MORTEM haben im Verlauf ihrer Geschichte einen ganz besonderen Stempel hinterlassen. 1989 ging die Formation nämlich den Avantgarde-Black-Metal-Pionieren ARCTURUS voraus. Der Fußabdruck eben jener Band ist und bleibt fundamental für ihr Genre. MORTEM unterdessen mussten zunächst eine Auflösung erleben, bevor sie 2019 mit „Ravnsvart“ ihr erstes reguläres Studioalbum veröffentlichten. Nach einer Neuauflage der Kult-Demo „Slow Death“ im Jahr 2022 präsentiert die Band dieser Tage ihre neue Veröffentlichung „Mørketid“.
Das Doppel aus „Mørketid“ und „The Mighty Odious“ bringt zum Einstieg im Grunde für den Rest der Platte auf den Punkt, was geboten wird: ebenso wendiger wie gefühlsecht komponierter norwegischer Black Metal. Ersterer startet extrem rasant und sehr retrospektiv. Der Song verbindet schöne Harmonien mit einer etwas hymnischeren Atmosphäre, als sie auf „Ravnsvart“ noch grundlegend war. „The Mighty Odious“ hingegen bringt ein wenig schwedischen Wind mit und pendelt zwischen Hochgeschwindigkeit und sattem Groove.
„Skyggeånd“ stellt anschließend von vornherein klar, warum das Stück als Single ausgekoppelt wurde. Atmosphärisch dicht, dynamisch und im richtigen Maße melodiös entfaltet der Track erstmals das volle Potenzial von MORTEM. Dabei schafft er durch dezente Bläser und flächige Keyboardlinien einen Moment der Öffnung für „Mørketid“, was dazu führt, dass der Song im Vergleich zu seinen Vorgängern deutlich heraussticht.
In die gleiche Kerbe schlägt auch „Aftermath“, das nicht nur mit einem der seltenen Gitarrensoli auf „Mørketid“ begeistert, sondern auch die eiserne Konvention des Black Metal („Blodvassen Grunn“), wie er von MORTEM kultiviert wird, durch seinen aufreibenden Charakter und stilvoll düstere Harmonien umschifft. Satt groovig wird es hingegen mit „Den Sanne Gud“. Da die erste Hälfte der Platte vorwiegend rasant über den Hörer hinwegfegt, bringt dieses geradlinige Stück nicht nur einen angenehmen Drive mit, sondern lockert gleichsam auch das Gesamtbild von „Mørketid“ merklich auf.
Das finale „Ditt Ødes Ære“ beschließt das Album letztlich so, wie man es vom Black Metal norwegischer Prägung kennt. Gitarren, Bass und Schlagzeug verbleiben vorwiegend im Midtempo, während sich die Keyboards stimmig untermischen. Sogar ein Gitarrensolo gibt es zum Schluss noch einmal zu hören. Das funktioniert sehr gut und setzt dem Album bei all seiner kompositorischen Konvention noch die ein oder andere schöne Spitze auf.
Dass MORTEM absolute Meister ihres Fachs sind, hat schon „Ravnsvart“ gezeigt. Was (melodischen) Black Metal mit etwas Death-Metal-Würze betrifft, so kann man auch „Mørketid“ kaum einen Makel attestieren. Fakt ist demgegenüber aber auch: Viel passiert ist seit der letzten Veröffentlichung nicht. Die Songs auf dem zweiten Album der Truppe entsprechen von vorne bis hinten exakt dem, was man von diesem Genre erwarten würde. Über diese Konventionen hinaus und vor allem vor dem Hintergrund, dass Bands wie WORM und PESTILENT HEX im Grunde exakt dieselbe Nische bedienen und innerhalb dieses Rahmens meisterliche Alben erschaffen haben, bleiben MORTEM trotz absolut solider Songs nur bedingt im Gedächtnis.
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Wertung: 7 / 10


