CD-Review: Murderdolls - Women And Children Last

Besetzung

Wednesday13 – Gesang, Gitarre, Bass
Joey Jordison – Gitarre, Schlagzeug

Tracklist

01. The World According to Revenge
02. Chapel Of Blood
03. Bored 'Till Death
04. Drug Me To Hell
05. Nowhere
06. Summertime Suicide
07. Death Valley Superstars
08. My Dark Place Alone
09. Blood Stained Valentine
10. Pieces Of You
11. Homicide Drive
12. Rock'n'Roll Is All I Got
13. Nothing's Gonna Be Alright
14. Hello, Goodbye, Die


Na wer hätte denn das gedacht: Satte acht Jahre nach ihrem Debüt- (und bislang einzigen) Album haben sich Ausnahmeschlagzeuger Joey Jordison (Slipknot) und Frauenschwarm Wednesday13 (u.a. Frankenstein Drag Queens, Wednesday13) wieder zusammengefunden, um ein weiteres Album im Namen der MURDERDOLLS aufzunehmen. Während man Joey Jordisons Tätigkeitsfeld dieser 8 Jahre, Slipknot, nicht im geringsten mit den Mörderpuppen vergleichen kann, veröffentlichte Wednesday13, dessen Stimme schon immer das charakteristischste und individuellste am Schaffen der MURDERDOLLS war, gefühlte zehn Alben mit seinem schlicht Wednesday13 betitelten Soloprojekt veröffentlicht. Und vielleicht liegt genau darin das Problem.

Wirkte „Beyond The Vally Of The Murderdolls“ noch frisch, unverbraucht und wenn auch nicht sonderlich innovativ, so doch wenigstens authentisch, muss „Women And Children Last“ um jedes einzelne dieser Attribute kämpfen – nicht immer erfolgreich, soviel sei vorweggenommen.

Auffällig ist zunächst, dass die beiden Musiker deutlich professioneller geworden sind… die Songs wirken durchdachter, Wednesday13s Gesang ist hinsichtlich der Technik um Längen besser geworden, und auch die Gitarrensoli zeigen, dass hier zwei Musiker erwachsen geworden sind. Doch vielleicht ist genau das das Problem: Zwei 35Jährige Männer, die versuchen, den Spirit, der hinter einem „I Love To Say Fuck“ stand, wiederaufleben zu lassen… und genau hier offenbart sich, wo das Problem liegt: Während man musikalisch deutlich gereift ist, versucht man zugleich, stilistisch genau da anzuknüpfen, wo man 2002 aufgehört hatte… bei rotzig-primitivem Horror-Punk. Was dabei herauskommt, ist zwar kein „Horror“, aber eben auch nicht im positiven Sinne.

Statt dessen bekommt der Hörer mit „Women And Children Last“ ein gediegenes Skate-Punk-Album, das mit Songs wie „Nowhere“ durchaus zu rocken vermag, sich mit manchen Riffs (beispielsweise in „Nothing’s Gonna Be Alright“) jedoch zugleich selbst disqualifiziert, da hier zwei talentierte Musiker ganz offensichtlich auf biegen und brechen versuchen, mit abgedroschenem Riffing den MURDERDOLLS-Charme wiederaufleben zu lassen… ohne dabei zu merken, dass es weniger die primitiven Riffs waren, denn der „rebellische“ Horrorpunk-Flair, der den MURDERDOLLS-Songs Leben eingehaucht hat.

Hätten die beiden ein Album veröffentlicht, bei dem sie ihre musikalischen Fähigkeiten nicht so verschämt hinter Drei-Akkord-Riffs versteckt hätten, dafür aber authentisch und glaubwürdig geblieben wären, wären sie wohl weit besser bedient gewesen… so jedoch verpasst man die Chance auf einen überfälligen Imagewechsel und klammert sich verkrampft an ein Konzept, das die Band so nicht mehr authentisch zu verkörpern vermag.

Nicht, dass wir uns an dieser Stelle falsch verstehen: „Women And Children Last“ ist kein per se schlechtes Album – es darf nur nicht am Vorgänger gemessen oder auch nur mit ihm verglichen werden. Statt rotzig-trotzigem Horror-Punk gibt es dieses Mal (wie breits auf dem letzten W13-Album) schlicht und ergreifend mäßig revolutionären oder spannenden 08/15-Skatepunk, wie er mit nur eine Nuance schwiegermuttertauglicherem Gesang auch jederzeit im Radio laufen könnte – könnte doch beispielsweise „Summertime Suicide“ mit etwas anderem Text ebensogut ein neuer Chartbreaker von Greenday oder Konsorten sein. Und das ist, mit Verlaub, das Letzte, was ich von einem MURDERDOLLS-Song erwarte.

Bewertung: 7 / 10

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