Nytt Land - Aba Khan-Cover

Review Nytt Land – Aba Khan

Das Ehepaar Pakhalenko veröffentlicht mit ihrem Projekt NYTT LAND das inzwischen zehnte Studioalbum „Aba Khan“. Angesichts ihres zwölfjährigen Bestehens ist das ein durchaus beachtlicher Output in der Zeit. Mit „Aba Khan“ kehren wieder populärere Ansätze des Dark Folk in das Schaffen der beiden ein. Die traditionellen Ansätze ihrer sibirisch indigenen Herkunft – Natalya und Anatoly Pakhalenko kommen aus der westsibirischen Stadt Kalatchinsk – behalten sie dabei aber im Auge. Neben dem musikalischen Wirken hat Natalya auch das Design des Coverartworks von „Aba Khan“ zu verantworten. 

Das dem Album gleichnamige Intro „Aba Khan“ verbreitet von Beginn an eine mystische Atmosphäre. Die Stimme von Natalya, wie von Nebel umhüllt, geht über in ein Stimmengewirr, getragen von asiatisch anmutenden Klängen. NYTT LAND schaffen es, gekonnt Spannung aufzubauen und eine Vorfreude zu erzeugen, die einen nicht mehr loslassen möchte.

Nach dem Intro beginnt sich „Aba Khan“ langsam zu entfalten. Zu Beginn ziehen indigene Gesänge in die sich immer weiter aufbauende Klangwand von „Taiga“ ein. An dieser Stelle setzt das Gefühl ein, dass man sich auf eine spirituelle Reise auf den Spuren der schamanischen Traditionen Sibiriens („Totem“) begibt. Solche Assoziationen werden mit „Uitag“ am deutlichsten geweckt. Das Klangbild des Songs führt durch eine Sumpflandschaft mit an Froschgeräusche erinnernden Maultrommeln und weiteren Instrumenten, die das Summen von Insekten und den Ruf von Vögeln imitieren. So haben NYTT LAND auch „Aba Khan“ entstehen lassen: Das Duo reiste ein Jahr lang durch Sibirien und entdeckte dabei neue Gebiete. Dabei lernten sie die spirituellen Traditionen der indigenen Völker tiefer kennen.

Das natürliche Element des Vogelzwitscherns wird in Songs wie „Mansi“ und „The Oath“ ausschweifender eingesetzt. Die beiden Stücke stellen durch ihre Rhythmen und den Gesang die wohl treibendsten und kraftvollsten Beiträge dar: Dabei versprüht „Mansi“ eine animierende Aufbruchsstimmung. Diese wird durch das stampfende „The Oath“ gut kontrastiert und die Reise geht über hin zu ihrem Ende.

Mit rituellen Gesängen und durchgehendem, sich immer weiter steigerndem Dröhnen erzeugen NYTT LAND bei „Prayer“ eine bedrohliche Kulisse – Trauer und Verzweiflung breiten sich unweigerlich aus. Das Ende der Reise markiert „Tygir Tayii (Heavenly Sacrifice)“ mit Gesängen, die die indigenen und asiatisch klingenden Flötenspiele wieder aufnehmen. Der Kreis einer spannenden Reise schließt sich auf imposante Weise, wenn auch ein wenig abrupt. Dadurch verpassen NYTT LAND einen angemessenen emotionalen Abschluss.

Auf „Aba Khan“ verbreiten NYTT LAND eine eher ruhige und naturverbundene Atmosphäre. Diese hat sogar eine weitreichende meditative Wirkung und man kann damit zu sich selbst finden, sofern man sich darauf einlassen kann. Der Sound schafft es, Assoziationen einer Reise durch Sibirien zu wecken und Bilder vor dem geistigen Auge zum Leben zu erwecken. „Aba Khan“ ist inspirierend und ein angenehmer Ausgleich für die heutigen oft aufgeregten Zeiten.

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Wertung: 8.5 / 10

Michael Schurig

Publiziert am von

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