CD-Review: Phantom Winter - Sundown Pleasures

Besetzung

Christian Krank – Gesang
Andreas Schmittfull – Gitarre, Gesang
Martin Achter – Bass
Christof Rath – Schlagzeug

Tracklist

01. Sundown Pleasures
02. The Darkest Clan
03. Bombing The Witches
04. Wraith War
05. Black Hole Scum
06. Black Space


(Doom / Black Metal / Post-Hardcore) Erst anderthalb Jahre ist es her, dass PHANTOM WINTER als Nachfolgeband der deutschen Doomer Omega Massif mit „Cvlt“ ihr vielgefeiertes Debüt gaben. Mit Gesang und deutlichen Black-Metal-Einflüssen unterschied sich dieses bereits in vielen Aspekten vom Stil der Vorgängerband – wenn die Verwandtschaft auch nicht zu überhören war. Nun erscheint mit „Sundown Pleasures“ das mit Spannung erwartete zweite Album der Formation.

Was sich hinter dem düsteren Cover-Artwork verbirgt, lässt bereits der Opener und Titeltrack erahnen: Fieses Gekeife und raue Riffs in leicht angezogenem Tempo dröhnen kraftvoll aus den Boxen. Neben dem dichteren Sound ist die deutlich aggressivere Schlagrichtung die auffälligste Entwicklung: Mehr Black Metal, mehr Post-Hardcore und mehr Noise-Elemente mischen sich mit den bereits vertrauten doomigen Klängen. Dass PHANTOM WINTER auch noch ruhig können, stellen sie zwar gleich im Anschluss mit „The Darkest Clan“ klar – doch selbst dieser Song hat durch den fiesen Schreigesang mehr Biss als man es vom Vorgänger her kannte.

Zwar hat die Musik durch den Charakter der Riffs und Melodien („Bombing The Witches“), nicht zuletzt aber auch durch die häufige Verwendung von Sprach-Samples noch genug mit „Cvlt“ gemein, um als PHANTOM WINTER erkennbar zu bleiben. Von ihren Wurzeln bei Omega Massif macht sich die Band mit dem Album jedoch endgültig frei. Gerade am im Zuge dessen nun sehr präsenten, brutalen Scream-Gesang dürften sich die Geister jedoch scheiden: Wer mit Gekreisch generell nichts anzufangen weiß, wird sich mit „Sundown Pleasures“ nur schwer anfreunden können. Und selbst in Schreigesang gewöhnten Ohren klingen die technisch hervorragenden, jedoch wirklich extremen Vocals bisweilen anstrengend.

Zur generell schwärzeren Atmosphäre des Albums passt dann auch der amorphe Ambient-Noise-Track „Black Hole Scum“, der auf das Grand Finale mit dem epischen Zehnminüter „Black Space“ hinleitet: Schleppend-düster, gesanglich krass, musikalisch dafür jedoch stellenweise überraschend melodiös vereint dieser Song nochmal perfekt alle Kernelemente von PHANTOM WINTER.

Nach dem überraschenden Ende von Omega Massif dauerte es nicht lang, bis PHANTOM WINTER der Asche entstiegen: Bis ins Innerste tiefschwarz verkohlt und – nicht nur am neu dazugekommenen Gesang erkennbar – ziemlich angepisst, lebte in PHANTOM WINTER ein Teil von Omega Massif weiter: Düstere Melodien zierten „Cvlt“, wie dereinst „Karpathia“. Diesen Rest fremde Seele haben sich PHANTOM WINTER in den vergangenen anderthalb Jahren herausgerissen.

Das Resultat ist ein vollkommen eigenständiges Album, härter und druckvoller, dreckiger und weit weniger melodisch als das Debüt. Die Omega-Massif-Hörer werden PHANTOM WINTER damit nicht mehr automatisch erreichen – an Fans, denen gerade dieser neue Stil zusagt, wird es PHANTOM WINTER ob der gebotenen Qualität dennoch nicht mangeln.

Bewertung: 8 / 10

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