Interview mit Andreas Schmittfull von Phantom Winter

Im vergangenen Jahr verkündeten die Würzburger Omega Massif für ihre Fans so unerwarteter- wie betrüblicherweise ihr Ende.  Nur wenig später folgte die gute Nachricht, dass es mit PHANTOM WINTER zumindest ein Nachfolgeprojekt geben würde. Gitarrist und Songwriter Andreas Schmittfull über das Ende von Omega Massif, den Neubeginn mit PHANTOM WINTER und deren Debüt „Cvlt“.

 

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Ihr habt im Mai vergangenen Jahres mit der Meldung, Omega Massif wären Geschichte, viele Fans überrascht. Was hat letztendlich zum Ende von Omega Massif geführt?
Nach neun Jahren war wohl irgendwie die Luft raus. Es hat nicht mehr so richtig funktioniert, neue Songs zu schreiben, wir wollten da auch nichts Mittelmäßiges abliefern. Dann kamen noch ein, zwei persönliche Geschichten dazu und das war es dann mit Omega Massif.

Nur wenig später folgte dann zum Glück die gute Nachricht, dass zumindest zwei von euch mit einem neuen Projekt weitermachen. Gab es die Idee zu PHANTOM WINTER schon länger oder wie habt ihr das so schnell auf die Beine gestellt?
Das lag daran, dass ich eine Woche vor dem tatsächlichen Ende von Omega Massif die Band PHANTOM WINTER als eine Art Nebenprojekt gegründet habe. Und wenn ich so etwas mache, gehe ich gleich in die Vollen und schreibe Songs. Nach der Auflösung von Omega Massif ging es mit ziemlich mies, weil ich über die Auflösung überhaupt nicht glücklich war. Die Energie habe ich dann versucht zu kanalisieren und so sind „Wintercvlt“ und „Svffer“ entstanden.

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Würdest du sagen, dass der kreative Kern von Omega Massif in PHANTOM WINTER wiederzufinden ist, habt ihr also einfach nach altem Muster ein neues Album unter neuem Namen geschrieben?
Das kann man so nicht sagen, da wir die Omega-Massif-Songs zusammen geschrieben haben. Bei PHANTOM WINTER schreibe ich die Songs, von daher ist es eine komplett andere Vorgehensweise. Das ist einerseits sehr effektiv, da ich quasi Narrenfreiheit habe und nur letzte Kniffe noch im Proberaum gemeinsam besprochen werden. Andererseits kann ich so eine bestimmte Vision, die für einen Song besteht, hundertprozentig umsetzen. Keine Kompromisse.

Greift ihr auf dem PHANTOM-WINTER-Debüt auch Songs oder Ideen auf, die eigentlich für Omega Massif gedacht waren?
Ja, das machen wir tatsächlich. Ich hatte „Avalanche Cities“ unter einem anderen Arbeitstitel und in einer anderen Version für Omega Massif geschrieben. Als klar war, dass ich den Song für PHANTOM WINTER verwenden werde, habe ich ihn so arrangiert, dass er zum Text von „Avalanche Cities“ passt. Der Wechsel aus eher harmonischen, weichen Melodien und Bulldozerriffs symbolisieren den Zerfall der Stadt. Eventuell wird auch auf dem zweiten Album ein Song sein, den ich eigentlich für Omega Massif geplant hatte, mal sehen.

Phantom Winter  - CvltDas Album heißt „Cvlt“, da denkt man zunächst an den guten alten „Trve Black Metal“. Wie kommt das Album zu dem Namen und was steckt dahinter?
Ich muss gleich sagen, dass ich mit Black Metal nahezu nichts anfangen kann. Cvlt ist einfach ein Bestandteil von „Wintercvlt“. Dieser Song hinterfragt jede Art von Kult-Gebaren. Ob das nun Sekten sind, Religionen, das Internet, der Beruf, der einen fertig macht … egal. Im Song „Finster Wald“ geht es darum, NSBM-Bands und Bands, die mit Nazisymbolik und anderem Schwachsinn spielen, den Spiegel vorzuhalten. Das wird verstärkt durch das Phon „U“, das wir im kompletten Artwork durch das „V“ ausgetauscht haben. Quasi als Provokation. Deshalb der Name „Cvlt“.

Bei Omega Massif war es fester Teil des Konzepts, dass ihr rein instrumental agiert, bei PHANTOM WINTER hingegen prägt der Gesang ganz entscheidend das Klangbild. Welche Vorzüge siehst du jetzt, wo du den direkten Vergleich hast, bei Songs mit Gesang, und wo liegen die mit Gesang nicht erreichbaren Stärken von reiner Instrumentalmusik?
Auf die Instrumentalband Omega Massif habe ich von Beginn an bestanden. Ich wollte keinen halbgaren Käse, wo einer ab und an mal irgendwie schreit oder so. Bei PHANTOM WINTER ist das anders. Der Gesang ist ein wichtiger Bestandteil der Band. Er fungiert als zusätzliches Instrument, Christian eher mit tieferen Growls, ich eher mit hohem Gekreische, um den Songs einen besonderen Touch zu geben. Außerdem sind die Texte das, was mich bewegt, und das sollen die Leute ruhig wissen. Vielleicht ersparen wir manchem Hörer ja so die Enttäuschung, dass „selbst eine Instrumentalband politisch“ ist, wie es uns bei Omega Massif gelegentlich via Mail erreichte.

Im Interview für Omega Massif fiel 2011 der Satz „Wir brauchen keinen Text, der beschreibt, wie jemand von Wölfen gejagt wird … der Titel und die Musik machen das.“ Ist das heute, bzw. bei PHANTOM WINTER anders?
Ja, komplett anders. Omega Massif hatte sich komplett dem Thema „Bergwelt“ verschrieben. Da braucht kein Mensch Texte. Bei PHANTOM WINTER geht es um das, was mich bewegt, was mir Angst macht, was ich nicht vergessen will. Der Text spielt also eine zentrale Rolle. Das heißt übrigens nicht, dass es keinen Istrumentalsong bei uns geben darf. Das kann in Zukunft auch passieren.

PhantomWinter_02Neben deinen Texten findet man im Booklet einige Zitate von Poe bis Adorno. In welchem Kontext sind diese Zitate zu sehen und wonach habt ihr die entsprechenden Zitate ausgewählt?
Die Zitate sind eine Art Ergänzung zu den Texten, um zu verdeutlichen oder das behandelte Feld noch zu erweitern. Ich wende auf solche Spielereien gerne viel Zeit auf, ebenso auf die Auswahl der in die Songs eingefügten Samples. Ich bin da ein bisschen perfektionistisch, glaube ich.

In Kürze geht es für euch auf eine recht ausführliche Clubtour – was erwartet ihr von den Shows und was darf man sich von euch erwarten? Werdet ihr ausschließlich PHANTOM-WINTER-Material spielen?
Ja, es wird ausschließlich die PHANTOM-WINTER-Songs geben. Wir freuen uns einfach wahnsinnig darauf, wieder spielen zu können, alte Freunde zu treffen, neue Leute kennenzulernen, etwas dieses Vogelfrei-und-auf-Tour-Gefühl zu haben. Das ist einfach großartig. Wir werden unser Bestes geben, dass die Leute auch auf ihre Kosten kommen, das können wir versprechen!

Damit wären wir am Ende dieses Interviews. Vielen Dank für deine Zeit – zum Abschluss auch diesmal das traditionelle Metal1.info-Brainstorming:
GermanWings: Tragisch
Bayern: Franken
Tim Wiese: Ultimate Warrior
Festivals: der Liebe
Eiskunstlauf: kann ich leider nicht
Dein Musiktipp aus 2014: Napalm Death – Apex Predator – Easy Meat
PHANTOM WINTER in 10 Jahren: Reich und schön

Die letzten Worte gehören dir:
Lassen wir Harald Juhnke sprechen: „Meine Definition von Glück: Keine Termine und leicht einen sitzen.“