CD-Review: Sabaton - The Art Of War

Besetzung

Joakim Broden – Gesang
Rikard Sunden – Gitarre
Oskar Montelius – Gitarre
Par Sundstrom – Bass
Daniel Mullback – Schlagzeug
Daniel Mÿhr – Keyboards

Tracklist

01. Sun Tzu Says
02. Ghost Devision
03. The Art Of War
04. 40:1
05. Unbreakable
06. The Nature Of Warfare
07. Cliffs Of Gallipoli
08. Talvisota
09. Panzerkampf
10. Union (Slopes Of St. Benedict)
11. The Price Of A Mile
12. Firestorm
13. A Secret


„Die Kunst des Krieges“ ist das wohl älteste Buch der Kriegsstrategie überhaupt. Geschrieben um 500 v.Chr. vom chinesischen General Sun Tzu gilt es noch bis in die heutige Zeit als bedeutendstes Werk dieses Fachs. Kein schlechter Stoff also für ein Konzeptalbum, bevorzugt aus dem Power Metal oder, um die Faust aufs Auge zu hauen, von den schwedischen SABATON. Genau 1508 Jahre nach Tzu nimmt sich das Sextett der Kunst des Krieges an, verarbeitet sie in ihrem nunmehr vierten Studioalbum „The Art Of War“, das via Black Lodge veröffentlicht wurde. Wo sie früher noch Fantasy-Texte in ihre Musik einfließen ließen, steht heute die Militärgeschichte, Metal und vor allem der Krieg selbst im lyrischen Mittelpunkt der SABATONen. Kurzum: die Skandinavier bieten eine perfekte Plattform für ein monumentales Stück Krieg.

So kommt der gute Herr Tzu auch schon auf dem Opener zu Wort – wenn auch nicht ganz orginalgetreu, nur 23 Sekunden lang, in Form einer weiblichen Stimme und als Intro gedacht. Nett, aber nichts Besonderes und deshalb zum Glück auch nicht zu lang. Richtig fängt das kriegerische Getose erst mit „Ghost Division“ an. Daniel Mÿhr an den Keys reißt die ersten Sekunden selbstsicher an sich, lässt SABATON genau dort weitermachen, wo sie auf der Vorgängerscheibe „Metalizer“ aufgehört haben: mit eingängigen, allgegenwärtigen Keyboard-Parts, den schon rauschenden Riffs und dem rauen, alles in Grund und Boden stampfenden Gesang von Joakim Broden. Und wo wir gerade beim Rauschen sind: die Produktion ist nochmal ein Stückchen besser gelungen, als auf dem Vorgänger, obwohl das Raue gleichzeitig bewahrt wird und doch etwas sauberer klingt. Da kann man wirklich nicht meckern, obgleich mir die Drums streckenweise ein wenig zu dumpf klingen.

Wenig Grund zu stänkern lässt auch die totale Spielzeit von 49:28 Minuten bei einer Anzahl von 13 Songs. Letztere Zahl ist ohnehin nicht uninteressant, fasst das Buch „Die Kunst des Krieges“ doch ebenfalls 13 Kapitel. Der schlaue Leser wird’s bestimmt schon gemerkt haben: Konzeptalbum, hallo! Wahrlich bildhaft geht es durch den Hintergrund-Chor auch auf dem eposartigen „40:1“ zu. Kitsch, übertriebender Pathos – aber drauf geschissen, denn hier bekommt ihr den wahrscheinlich besten Song des ganzen Albums präsentiert. Wenn dabei auch von der überwältigenden Refrain-Stärke der Schweden gesprochen wird, müssen sowohl „The Price Of A Mile“ (auch wenn diesem Stück ein wenig der Druck hinter den Riffs fehlt) als auch „Union (Slopes Of St. Benedict“) unbedingt genannt werden. Ungewohnt dagegen wirkt „Cliffs Of Gallipoli“, wenn es mit einem fast schon arschglatten Gesang Brodens anfängt, zum Glück aber nicht in dieser Form verharrt. Als störender Punkt erweist sich für manche höchstens die Ein- und Ausführungen der Damenstimme, die sogar ganze Stücke wie „The Nature Of Warfare“ oder „Secret“ füllt. Jedoch nimmt das höchstens drei, vier Minuten ein, weswegen man getrost darüber hinweg sehen darf.

Als Redakteur kann man letzten Endes drum herum reden, solange man möchte. Fakt ist, dass dieses Konzeptalbum in seinen 13 Teilen zu überzeugen weiß. Warum? Weil es astreinen, straighten Power Metal in seiner kriegerischsten Form präsentiert – nicht umsonst müssen sich SABATON schon seit Jahren anhören, dass sie kriegsverherrlichend sind und mit ihren Texten Politik betreiben. Das ist freilich nichts mehr als schwachsinniges Feierabendgeplappere unwissender Stümper, aber verankert sich beim Einen oder Anderen eben doch im Gedächtnis. Musikalisch haben sie sich insofern weiterentwickelt, als dass sie an ihrer Produktion und an sich selbst gearbeitet haben, über die gesamte Strecke hinweg sind jedoch keine gravierenden Änderungen festzustellen. Selbstverständlich darf man als Hörer nicht den Fehler machen und die Band ernster nehmen, als sie es selbst tut – alle Songs müssen schon seit dem ersten Album „Primo Victoria“ mit einem kleinen Augenzwinkern gehört werden. Daran hat sich in den drei Jahren nichts geändert. So aber auch nicht an der Qualität, dieser epischen Power Metaller, die auf dem besten Weg sind, sich in diesem Stil zu perfektionieren. Die Zukunft wird zeigen, ob noch Raum für Steigerungen ist, oder hier das Ende des Möglichen erreicht wurde. „The Art Of War“ ist jedenfalls Power Metal oberster Güte, der nicht nur gut ins Ohr geht, sondern auch nach dem nächsten Reinigen noch einige Zeit hängen bleiben wird. Eine Kaufempfehlung gibt es deswegen für jeden Freund des episch-pulsierenden Power Metals – und zwar uneingeschränkt.

Bewertung: 9 / 10

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